Was erlebt ein Kind im Mutterleib? – Ideen für Kinder in Kindergarten und Schule

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Was erlebt ein Baby im Mutterleib? Diese Frage ist für alle größeren Kinder spannend, die Geschwister werden. Spätestens in der Schule im Aufklärungsunterricht kommt dieses Thema näher und will bearbeitet werden, auch wenn es keinen Nachwuchs gab, der diese Frage aufbrachte. Denn es ist nicht nur wichtig, wie Kinder entstehen, sondern auch, wie sie sich entwickeln und warum. Kinder können hieraus ein Verständnis entwickeln, was Babys auch nach der Geburt brauchen und was auf sie zukommt. Zudem legen wir einen Grundstein dafür, wie sie selber einmal mit Babys umgehen.

Vorbereitung und Wissen über Babys – Probleme heutiger Kinder

Kinder heute haben nicht sehr viele Berührungspunkte mit den Themen Schwangerschaft, Geburt und Babyzeit. Geburt findet zumeist weit entfernt in Krankenhäusern statt, Kinder finden sich in Gruppen der gleichaltrigen wieder und das Vertrauen und die Kompetenz in einem natürlichen und passenden Umgang mit kleinen Kindern wird ihnen weitgehend abgesprochen. Während in anderen Kulturen Babys von Kindern im Arm gehalten oder gar getragen werden, ist dies hier ein eher seltener Anblick.

Wenn wir Kindern jedoch den Zugang dazu abschneiden, Erfahrungen selbst sammeln zu können, verwundert es nicht, dass der Umgang mit kleineren Kindern oder Babys sich oft als schwierig gestaltet und selbst größere Kinder kein Verständnis um die Bedürfnisse eines Babys haben. Doch gerade die Schwangerschaft und Entwicklung des Babys eignet sich hervorragend, um Kindern die Bedürfnisse von Babys zu erklären.

Wissen aufbreiten

Kürzlich habe ich das sehr gelungene Buch „Du da drinnen & ich hier draußen“ von Kristina Scharmacher-Schreiber zugeschickt bekommen, das gerade neu erschienen ist bei Beltz. Es ist ein Pappbilderbuch zum Vorlesen, das nicht nur wichtige Informationen über die Entwicklung des Babys weitergibt, sondern vor allem auch Anregungen, die diese Entwicklung spielerisch umgesetzt werden kann. Ein ganz zauberhaftes Buch, das gerade für werdende Geschwister eine gute Begleitung auf dem neuen Weg sein kann.

Hierin finden sich verschiedene Ideen, wie die Erfahrungen des Fötus nachgefühlt werden können. Ableiten kann man daraus als Gesprächsanlass auch gleich, welche Bedürfnisse sich für ein Baby nach der Geburt ergeben, wenn es auf der Welt ist und vielleicht diese bekannten Rahmenbedingungen vermisst. „Gebärmutterheimweh“ nennt es meine Freundin und Kollegin Anja in unseren Buch „Mein Schreibaby verstehen und begleiten“ und genau dieses Heimweh ist es, das für kleine Kinder gut erklärbar ist.

Babys Wachstum

Wir sehen es auf Meilensteinkarten, in Schwangerenapps und -kalendern: Die Größe des Babys wird oft in Form von Früchten angegeben. Für Kinder ist das eine gute Möglichkeit, um nachvollziehen zu können, wie sehr das Baby wächst. So wird das unsichtbare Wachstum im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar.

Für werdende Geschwister und interessierte Kinder kann auch ein Lagenpuzzle zur Schwangerschaft eine schöne Idee sein, in dem das Wachstum vom Anfang an nachgepuzzelt werden kann. Auch kann jeden Monat ein Poster mit einem Obst in der passenden Größe des Babys an die Kinderzimmerwand gehangen werden. So ist das Baby immer auch schon ein wenig präsent.

Was fühlt ein Fötus?

Schon im Mutterleib ist der Tastsinn derjenige, der von allen Sinnen als erster entsteht. So kommt es, dass der Embryo schon fünfeinhalb Wochen nach der Zeugung Berührungen der Lippen oder Nase spüren kann. Die Berührungen von Außen werden jedoch erst später fühlbar, wenn das Baby größer wird. Nachfühlbar kann das werden, wenn man Wasserbomben benutzt, um es anschaulich zu machen: Eine Wasserbombe wird mit Wasser gefüllt und ein Gummibärchen hinein gelegt. So schwimmt es wie in der Fruchtblase und ist am Anfang schwer von Außen zu erreichen. Füllt man ein größeres Spielzeug wie eine kleine Figur in die Wasserbombe, ist es eher zu berühren. Irgendwann füllt das Baby Fruchtblase so aus, dass die Bewegungen des Babys von Außen am Bauch der Mutter zu sehen sind und umgekehrt das Baby auch die Berührungen an der Bauchdecke spürt.

Und weil das Baby bisher nur Umhüllung kannte, wenn es geboren wurde, mag es das auch nach der Geburt. Gemeinsam mit dem Kind kann überlegt werden: Wie schaffen wir wieder eine schöne Hülle für das Baby nach der Geburt? Zusammen kann schon einmal geübt werden, Puppen zu pucken oder in ein Puppentragetuch zu binden.

Was hört ein Fötus?

Im Mutterleib wird nicht nur bereits das Fühlen ausgebildet, auch das Hören. Und es ist ziemlich laut dort! Mit einem Kind zusammen kann ein Orchester gestaltet werden von dem, was ein Fötus wahrscheinlich hören kann: Da gibt es den rhythmischen Herzschlag, das Rauschen des Blutes und das Blubbern von Magen und Darm.

Deswegen mögen es Babys auch gar nicht so besonders still, sondern freuen sich nach der Geburt, wenn sie Geräusche hören. Besonders beruhigend können Zischenende Geräusche sein wie Sch-sch-sch – kann das große Geschwisterkind das auch schon?

Was sieht ein Fötus?

In der 28. Schwangerschaftswoche öffnet der Fötus die Augen und unterscheidet Dunkelheit und Helligkeit. Natürlich ist das noch ganz anders als die Wahrnehmung unserer Augen und im Körperinneren ist es dunkel. Zum Nachfühlen kann sich das Kind unter einer Decke verstecken. Was sieht es? Und wenn wir von Außen mit einer Taschenlampe leuchten? Dringt ein wenig Licht hindurch?

Die Decke können wir auch nutzen, um die Geburt zu illustrieren: Wenn das Kind ganz kuschelig eingerollt ist darin und wir von Außen kräftig massieren: das sind Wehen, die das Baby dann mit durch den Geburtskanal bewegen.

Verbunden sein

Über die Nabelschnur bekommt der Fötus alles, was er braucht. Nach der Geburt wird sie nicht mehr benötigt, denn das Baby atmet und trinkt und wird gestillt oder mit der Flasche gefüttert. Aber wie fühlt es sich an, mit einem Menschen ganz eng verbunden zu sein? Kristina Schwarmacher-Schreiber schlägt vor: das Geschwisterkind kann sich mit einer Schnur mit einer anderen Person verbinden.

Und nach der Geburt, wenn das Baby Nahrung braucht? Am Anfang ist der Magen des Babys noch ganz klein, wie eine Weintraube etwa. Wie viel passt da wohl hinein? Das erklärt auch, warum Babys oft trinken wollen. Ein Gesprächsanlass, um mit dem großen Geschwisterkind zu besprechen: Was machen wir eigentlich, wenn das Baby trinkt?

Vorbereiten nach Alter und Entwicklungsstand

Je nach Alter und Entwicklungsstand des Kindes kann ganz unterschiedliche über Schwangerschaft und Geburt gesprochen werden. Wichtig ist dabei immer: Offen sein für alle Fragen des Kindes und vielleicht auch zusammen recherchieren bei den Fragen, die man nicht so schnell beantworten kann. Ein Baby verändert den Alltag und es ist gut, das Kind an die Bedürfnisse eines kleinen Geschwisterkindes schon früh heran zu führen. Natürlich ist es dennoch eine große Umstellung, wenn das Baby dann wirklich da ist, aber eine Vorbereitung und Hinführung kann den Übergang erleichtern und Verständnis wecken.

Kinder aufklären

Es ist wichtig, Kinder gut und umfassend (je nach Alter) aufzuklären. Bei Krachbumm gibt es hierzu viele Artikel, warum Aufklärung allgemein wichtig ist und es wird auch ein Buch vorgestellt, welches die Zeugung des Kindes individuell erklären lässt ohne Zuordnung von Geschlechterrollen und das auch die verschiedenen Möglichkeiten einer Zeugung und Geburt zulässt. Denn gerade heute ist es wichtig, dass wir offen und neutral diesem Thema begegnen, so dass auch unsere Kinder dann offen sein können gegenüber den vielen Möglichkeiten, wie Kinder geboren werden und entstehen.

Es ist gut, ihnen von Anfang an eine positive Einstellung auf den Weg zu geben: gegenüber ihrem Körper, gegenüber ihrer Entstehung und auch in Hinblick darauf, wie Schwangerschaft und Geburt generell betrachtet werden und wie sie dem eines Tages entgegen gehen. Wenn wir es schaffen, Neugierde zu wecken, spielerisches Begreifen ermöglichen und ihr Interesse an dem eigenen Körper und dem anderer Menschen wertschätzend zu behandeln, sind wir auf einem guten Weg. Jana vom Hebammenblog schreibt hier über ihr Hebammenangebot in Schulen, unterteilt nach Altersgruppen. Und für interessierte Lehrer*innen gibt es zudem hier bei der BzgA Unterrichtsmaterialien oder auch die „Hidsbox“ für Hebammen in der Schule.

Eure

 

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2 Kommentare

  1. Katharina | glaskerze

    Danke für diesen wunderbaren Artikel!
    So schade, dass die Kinder jetzt doch nicht in den Genuss einer richtig tollen Aufklärungsstunde kommen durften. Etwas, das der Lehrerin / dem Lehrer sicher auch gut getan hätte – einfach mal erleben, dass es sich nur um ein Thema handelt und nichts ist, das mit Samthandschuhen angefasst werden musst bzw sollte.

    Nachdem du dir all die Arbeit dazu gemacht hast – vielleicht könntest du daraus ein Buch zur Aufklärung machen? Es gibt wirklich wenige gute Bücher, die das Babythema für die großen Kinder gut darbieten.
    Ich würde das Buch kaufen 🙂

    Habt ein schönes Wochenende! 🙂

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