Was brauchen Eltern wirklich?

Das Baby kann jetzt jeden Tag kommen und mich erreichen viele Nachfragen von Freunden und Bekannten: Womit können wir Euch denn noch eine Freude machen? Was braucht Ihr denn noch? Ich hatte ja bereits einige Male darüber geschrieben, dass die Erstausstattungsliste für das Baby viel kleiner sein kann als man es oft so liest. Babys brauchen weniger Dinge und viel mehr Zuwendung und Menschen. Und wie ist das bei den Eltern? Eigentlich genauso…

Empathie und Anteilnahme

Eltern brauchen – besonders beim ersten Kind – Menschen, die einfach da sind. Die zu hören, die teilnehmen. War die Geburt schwer oder leicht? Hat man sich alles ganz anders vorgestellt? Kommen die Gefühle nicht so in Gang, wie man das dachte? Ist der Partner überfordert? Es gibt so viele aufwühlende Ereignisse, so viele Emotionen während und nach der Geburt. Und es braucht Menschen, die diese Gefühle auffangen. Die sie nicht beurteilen, nicht verurteilen, sondern einfach da sind uns zuhören, mit dem Kopf nicken. Es braucht Menschen, die nicht gegen jede schlimme Geschichte noch eine viel schlimmere anbieten müssen, die auch nicht ihre eigenen super tollen Erfahrungen erzählen müssen, wenn man selbst Negatives zu berichten hat. Eltern brauchen Menschen, die einfach zuhören und erst einmal wertfrei sind. Die da sind und das Gefühl geben, dass man nicht alleine ist.

Unterstützung

Neben der emotionalen Unterstützung im Sinne des Zuhörens sind auch einfach helfende Hände wichtig: Jemand, der mal die Wohnung aufräumt oder eine Wohnungsreinigung schenkt, der ein leckeres Essen kocht oder vorbei bringt oder einfach mal eine Essenslieferung nach Hause schickt. Jemand, der die Wäsche in die Reinigung bringt. Menschen, die vielleicht die größeren Geschwister abholen und mit ihnen etwas Schönes unternehmen. Und nein: Dies alles ist nicht unbedingt die Aufgabe des Partners, denn auch dieser hat eine Wochenbettzeit und ein entspanntes Ankommen verdient. Eltern brauchen Unterstützung von anderen, um als Familie ankommen zu können. Um sich erst einmal um die eigenen emotionalen Grundbedürfnisse zu kümmern, hinter denen alle anderen Dinge erst einmal zurück treten. Dennoch tut es gut, wenn diese „anderen Dinge“ auch erledigt werden und Familien fühlen sich wohl, wenn sie Zeit für sich haben UND gleichzeitig der Haushalt irgendwie erledigt wird.

Austausch

Angenommen werden mit der eigenen Geschichte, Unterstützung bekommen und sich schließlich austauschen können: Eltern brauchen auch andere Eltern. Sie brauchen Impulse, Begleitung, Hilfen im Alltag. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, nicht im Besserwisserton. Sie brauchen einfach das gute Gefühl, dass es auch andere Menschen in einer ähnlichen Situation gibt, die sich ähnliche Fragen stellen, die gleichen Probleme haben oder auch einfach über die selben Sachen lachen. Sie brauchen Menschen, mit denen sie einfach Zeit verbringen können. Denn ja: Irgendwann reichen die Kuschelzeiten mit dem Baby und die verliebten Blicke nicht mehr aus, sondern Eltern brauchen auch wieder erwachsene Menschen um sich, mit denen sie reden können und mit denen sie etwas unternehmen.

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Zeit für sich und als Paar

Jedes Elternteil und jedes Paar muss selbst entscheiden, wie viel Zeit sie wirklich für sich benötigen. Viele brauchen auch einfach nicht mehr so viel Zeit und Aktivitäten wie früher, sondern wandeln ihre Bedürfnisse um und sind mit ganz anderen Dingen und Familienzeiten zufrieden. Dennoch ist es auch wichtig, die Beziehung und sich selbst zu pflegen: Nachspüren, wo man wirklich Bedürfnisse hat für sich selbst und seine eigenen Hobbys und für sich als Paar Momente und Zeiten finden, in denen man sich austauscht, im Arm des anderen liegt, wirkliche Gespräche führen kann. Je älter das Kind wird, desto mehr rücken auch wieder die eigenen Bedürfnisse in das Blickfeld. Das ist zum Teil sogar hormonell bedingt und völlig normal. Elternschaft bedeutet immer auch Wandel. Von Familie zu Familie kann das ganz unterschiedlich aussehen, darf aber niemals – auch wenn die Bedürfnisse von Familienangehörigen nach „metime“ oder „Paarzeit“ eher gering sind im Vergleich zu anderen – vergessen werden. Deswegen brauchen Eltern auch die Möglichkeit, für sich so etwas einfordern zu können: vom Partner oder von Freunden oder Angehörigen, die solche Zeiten ermöglichen.

Es gibt also einige Dinge, die Eltern wirklich brauchen. Am wichtigsten sind aber nicht die Geschenke, die man kaufen kann, sondern einfach Zuwendung auf die ein oder andere Art. – So wie wir auch dem Baby am meisten damit schenken können, wenn wir ihm Aufmerksamkeit, Liebe und Zuwendung geben. Schließlich stecken auch Eltern gerade jetzt in den Babyschuhen eines neuen Lebens. Daran sollten wir immer wieder denken, wenn wir Eltern begleiten auf dem Weg in die Elternschaft.

Eure
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  • Julie

    Ooooh ja. Gerade der zweite Teil: „Unterstützung“. Das hilft so wahnsinnig viel!