Der Geburtsbeginn – unsere gemeinsame Reise in ein neues Land

Es ist halb zwei morgens. Das Ziehen im Bauch hat mich geweckt, mir ist übel. Vor drei Stunden schrieb mir meine Freundin noch, dass sie bald ins Bett gehen würde und in ein paar Stunden meinen Anruf erwartet. Dunkel ist es in unserer Wohnung und alle schlafen. Alle bis auf uns beiden: das Baby in meinem Bauch und mich. Dies sind nun unsere letzten Stunden, die wir so ganz eins verbringen werden.

Ich mache kein Licht an, gehe im Dunkeln auf und ab während der Bauch immer häufiger hart wird. Noch lässt sich jede Wehe gut veratmen. Während ich am Schreibtisch sitze und diese Zeilen schreibe, stehe ich auf, wandere umher, um mich wieder zu setzen. Es ist der 24. März, mein 36. Geburtstag. Ich lächle in mich hinein: Du Überraschungskind kommst natürlich als Geburtstagsüberraschung zu mir.

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Wie es Dir jetzt wohl gehen mag? Was Du nun fühlst? Alles um Dich zieht sich zusammen. Es wird enger, noch enger als es in den letzten Tagen ohnehin schon war. Du begibst Dich auf eine Reise wie in ein neues Land. In einigen Stunden wirst Du dort ankommen und es wird ganz anders sein als dort, wo Du her kamst: Du wirst andere Dinge sehen, schmecken, spüren. Du wirst hören, was Du bisher nur sanft gefiltert wahrgenommen hast. Du wirst das Licht sehen, wirst von kleinen und größeren Händen gestreichelt.

Es liegen anstrengende Stunden vor Dir, vor uns. Die letzten, in denen wir so ganz und gar miteinander verbunden sind. In denen wir noch eins sind. Die Dinge ändern sich, wie sie sich immer ändern im Leben. Aber auf eines kannst Du vertrauen: Ich bin hier, bei Dir. Wie ich immer da sein werde für Dich. Ich werde Dich auffangen, werde Dich in meinen Armen halten wenn Du es brauchst. Ich werde Dich beschützen und behüten und Dich gleichzeitig auch loslassen und Deinen Weg gehen lassen. Ich werde Dich begleiten auf dem Weg, der vor Dir liegt, so steinig oder glatt er auch manchmal sein mag.

Ich zünde eine Kerze an. Nun begeben wir uns auf unsere gemeinsame Reise, mein Kind.

 

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