Wofür ich als Mutter kämpfe – Du auch?

Ich liebe meine Kinder. Und ich wünsche mir für sie das Allerbeste. Ich wünsche mir für sie ein schönes Leben und eine gute Zukunft. Und natürlich schon jetzt einen guten Weg. Einen Weg, der vielleicht nicht immer frei von Steinen ist und das auch nicht sein muss. Aber immerhin einen Weg, auf dem nicht zu viele Felsbrocken liegen und der nicht  durch zu dunkles Gelände führt.

Doch wenn ich ehrlich bin, weiß ich, dass solche Wege nicht einfach so entstehen. Denn oft ist es harte Arbeit, einen Weg zu erschließen. Wenn wir uns eine schöne Zukunft für unsere Kinder erträumen, müssen wir selbst auch etwas dafür tun, wir müssen Wegbereiter sein. Wir sehen jeden Tag an unseren Kindern, dass wir ihre Vorbilder sind: Sie halten sich vielleicht beim Lachen verschmitzt die Hand vor den Mund wie wir es tun oder haben diese eine bestimmt Geste, sich die Haare zurück zu streichen, die wir doch von unserem Partner kennen. Unsere Kinder sind sie selbst und doch haben sie auch oft Teile von uns in sich, lernen von uns.

Was ich meinen Kindern mitgeben möchte auf ihrem Weg ist, für sich einzustehen. Zu sagen: Ich habe dieses Bedürfnis, ich habe diesen Wunsch und dafür stehe ich ein. Sie sollen wissen, dass man auf sein Bauchgefühl achten kann und darf. Sie sollen lernen, wie sie ihre Bedürfnisse mit denen der Gesellschaft in Einklang bringen oder auch wie sie auch mal gegen den Strom schwimmen können. Das ist es, was sie von mir lernen, wenn ich kämpfe, wenn ich für meine Ideale und Vorstellungen einstehe.
Baby

Jetzt gerade ist eine Zeit, in der sie das von mir erleben können. Denn jetzt ist eine Zeit, in der ich für meine Kinder kämpfe und sie nicht nur sehen, dass ich für meine Ideale einstehe, sondern dass ich diese auch bewusst für sie mitgestalte. Denn ich kämpfe für das Recht, in Würde und Selbstbestimmung zu gebären und als Frau Versorgung zu erfahren, wo sie gebraucht wird. Nicht für mich, die ich meine Geburten hinter mir habe, sondern für meine Freundinnen, meine Familie und natürlich für meine Kinder, die vielleicht auch einmal Kinder haben werden.

Die Geburten meiner Kinder waren Wendepunkte in meinem Leben. Und obwohl ich Pädagogin und Geburtsvorbereiterin bin und zahlreiche weitere Weiterbildungen im Laufe meines Berufslebens gemacht habe, war ich jedes Mal froh um die Hebamme, die an meiner Seite stand. Die mir Angst nahm in der Schwangerschaft, die sich Zeit nahm in der Vorsorge, um alles mit mir zu besprechen, die im Geburtsvorbereitungskurs Eltern zusammen brachte, die bei der Geburt liebevoll und verlässlich meine Hand hielt, die nach der Geburt meine Geburtsverletzungen pflegte und mich betreute von Milchstau bis Rückbildungsübungen.

Eltern brauchen Hebammen, Frauen brauchen Hebammen. Sie brauchen verlässliche Menschen in dieser Zeit des Umbruchs, die ihnen weiter helfen können. Und genau das wünsche ich mir für meine Kinder: Dass sie auch als Erwachsene Unterstützung und Hilfe bekommen, dass sie nicht allein gelassen werden in der großen Umbruchphase ihres Lebens. Und zwar unabhängig davon, ob ich dann dort sein werde oder nicht. Ich wünsche mir, dass meine Kinder sich den Ort der Geburt ihrer Kinder auswählen dürfen und wissen, dass sie gut begleitet werden. Ich wünsche mir für meine Enkelkinder, dass sie so ins Leben kommen dürfen, wie es meine Kinder taten.

Und auch wenn dies der x-te Artikel zum Thema der Hebammenarbeit ist, werde ich nicht aufgeben. Ich kann nicht aufgeben, weil ich für eine bessere Zukunft kämpfe – oder zumindest für keine schlechtere. Weil ich mich dafür einsetze, dass Ihr alle werdenden Eltern da draußen und alle Kinder, die mal Eltern werden wollen, die Unterstützung bekommen, die sie brauchen. Denn es ist nicht egal, wie Menschen geboren werden. Die Umstände unserer Geburt können Einfluss nehmen auf so vieles: Auf die mütterliche und kindliche Gesundheit, auf die Bindungsentwicklung, auf die Entstehung postpartaler Depressionen, auf die Stilldauer… auf die gesamte Gesellschaft. Es ist nicht egal! Und wir müssen uns dafür einsetzen, wenn unsere Kinder uns nicht egal sind!

Deswegen, liebe Eltern, die Haftpflichtversicherungen der Hebammen laufen Mitte 2016 aus. Wir müssen und heute dafür einsetzen, dass dieser Prozess nicht stattfindet. Werdet Mitglied bei Mother Hood, unterzeichne die Petition und überlegt von Euch aus, was wir tun können und teilt Eure Idee beispielsweise auf Facebook mit anderen. Ich persönlich werde am Freitag in einer Telefonkonferenz mit Kathrin (Nestling) Lena Glodde von Apfelgarten, Franzi Karagür (Einfach Klein), Anja Constance Gaca (von guten Eltern), Jana Friedrich (Hebammenblog), Nicola Schmidt (Artgerecht Projekt), Nora Imlau, Christina Baris und Michaela Skott von Motherhood unsere Ideen zusammen werfen und schauen, was wir daraus stricken können. Es muss weiter gehen und wir müssen uns dafür einsetzen – und zwar richtig und jetzt erst Recht.

Eure
Susanne_clear Kopie

 

  • Sandra Schneider

    Ganz großartig! Es MUSS sich einfach zum guten Wenden. Ich habe jetzt schon Bauchschmerzen wenn ich daran denke weitere Kinder im Krankenhaus bei Hebammen zu bekommen die ich vorher noch nie gesehen habe, die sich dem ökonomischen Druck und ärztlichenAnweisungen beugen müssen und nicht zum besten der Gebährenden entscheiden können.

  • Vera

    Danke für diesen Artikel. Und danke für deinen unermüdlichen Einsatz, der so unendlich wichtig ist!