Warum es wichtig ist, auch wohlwollend auf sich selbst zu blicken als Elternteil

Elternschaft ist nicht immer einfach. So schön auch nasse Kinderküsse auf der Wange oder ein in den eigenen Armen langsam müde und weich werdender Babykörper sind, ist Elternschaft oft auch mit Herausforderungen verbunden – gerade in unserer Zeit, in der viele Eltern zu wenig Unterstützung haben und es zu wenig entlastende, aber viele belastende Rahmenbedingungen gibt. Als Belastung kommt oft noch hinzu, dass wir kritisch mit uns selbst umgehen, uns mit anderen vergleichen und an uns und unseren Fähigkeiten zweifeln.

Viele Eltern sind bei „Fehlern“ hart zu sich selbst

Wenn wir unser eigenes Handeln in Zweifel ziehen, gehen viele Eltern besonders kritisch und hart mit sich selbst um, statt verständnisvoll und freundlich auf sich zu blicken. Während wir bei unseren Kindern darum bemüht sind, die Gründe für das Verhalten nachvollziehen zu können und Verhalten auf (unerfüllte) Bedürfnisse zurückführen, vergessen wir das nur allzu oft bei uns selbst. Der eigene innere Kritiker mahnt und schimpft, statt Verständnis zu zeigen. Unsere Ziele sind hoch, unsere Erwartungen an unser eigenes Verhalten ebenso.

Ein wohlwollender Blick hat viele Vorteile

Doch die Art, wie wir mit uns selbst umgehen und auf uns blicken, beeinflusst uns nicht nur kurzfristig, sondern hat langfristige Wirkung: Wenn es uns gelingt, einen wohlwollenden, ressourcenorientierten Blick auf uns selbst anzuwenden, erlangen wir einen besseren Zugang zu unseren Bedürfnissen und Gefühlen und können hierdurch auch besser (drohende) Überforderung, Stress und Angst wahrnehmen, besser für uns selbst sorgen und so Stresssituationen mit Kind vermeiden, die dann auftreten, wenn es uns ohnehin nicht gut geht und das Kind mit seinem Verhalten das Fass zum Überlaufen bringt.

Ein wohlwollender Blick auf uns selbst ist damit einerseits hilfreich, damit wir besser mit uns selbst umgehen, uns pflegen und gut versorgen, und gleichzeitig ist er hilfreich für die Beziehung zum Kind. Zudem geben wir als Vorbild weiter, dass Achtsamkeit und Selbstfürsorge wichtige Bestandteile des Alltags sind.

Kleine Schritte zu einem wohlwollenden Blick

Wenn die eigene, kritische innere Stimme bisher immer sehr laut war, kann es schwerfallen, den Blick auf sich selbst zu verändern. Folgende Schritte können dabei unterstützen, den eigenen Blick auf sich sanfter zu gestalten:

  • Notiere jeden Tag, was du geschafft hast, worin du erfolgreich oder gut warst. Das können Kleinigkeiten sein wie das Einschlafen des Kindes gut begleitet zu haben.
  • Versuche, dir direkt nach einem gemeisterten Hindernis etwas Gutes zu sagen und anzuerkennen, was du gerade geschafft hast. Das kannst du laut oder leise tun.
  • Wenn doch etwas schief läuft: Versuche, dir selbst so verständnisvoll zu begegnen, wie du es bei Freund*innen oder Partner*innen tun würdest.
  • Nimm dir ganz konkrete Ziele vor, was du Positives für dich tun willst, trage das in deinen Kalender ein und mach es auch wirklich.

Wir sollten den wohlwollenden, liebevollen Blick, mit dem wir versuchen, unseren Kindern zu begegnen, auch viel öfter auf uns selbst anwenden und uns hier und da auf die Schulter klopfen für all das, was wir gut gemacht haben.

Eure

Zur Autorin:
Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik) und Familienbegleiterin. Sie arbeitete an der FU Berlin in Forschung und Lehre, bevor sie sich 2011 im Bereich bedürfnisorientierte Elternberatung selbständig machte. Ihr 2012 gegründetes Blog geborgen-wachsen.de und ihre Social Media Kanäle sind wichtige und viel genutzte freie Informationsportale für bedürfnisorientierte Elternschaft und kindliche Entwicklung. Susanne Mierau gibt Workshops für Eltern und Fachpersonal und spricht auf Konferenzen und Tagungen über kindliche Entwicklung, Elternschaft und Familienrollen.

Foto: Ronja Jung für geborgen-wachsen.de

Zur Autorin:
Susanne Mierau ist Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik) und Familienbegleiterin. Sie arbeitete an der FU Berlin in Forschung und Lehre, bevor sie sich 2011 im Bereich bedürfnisorientierte Elternberatung selbständig machte. Ihr 2012 gegründetes Blog geborgen-wachsen.de und ihre Social Media Kanäle sind wichtige und viel genutzte freie Informationsportale für bedürfnisorientierte Elternschaft und kindliche Entwicklung. Susanne Mierau gibt Workshops für Eltern und Fachpersonal und spricht auf Konferenzen und Tagungen über kindliche Entwicklung, Elternschaft und Familienrollen.

Foto: Ronja Jung für geborgen-wachsen.de

1 Kommentare

  1. Ich finde so hilfreich, dass du deutlich machst, wie weitreichend die Folgen sind, wenn wir wohlwollend mit uns selbst sind. Oder eben nicht.
    Mir war lange gar nicht bewusst, dass ein wohlwollender Blick nicht nur in dem konkreten Moment gut tut (was ja schon viel wert ist!), sondern langfristig Auswirkungen auf meine seelische und körperliche Gesundheit hat. Und auch auf die meiner Kinder, da diese ja an meinem Vorbild lernen.

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