Ordnung halten mit Kindern

Die Ordnungsfrage wird in vielen Familien immer wieder zur Streitfalle: „Räum das endlich auf!“, „Wie oft habe ich dir schon erklärt, dass du deine Sachen aufräumen sollst!“ bis hin zu „Wenn du nicht aufräumst, dann…“ Dabei beruhen diese Streitsituationen und der Gedanke um das Aufräumen bei Kindern oft auf folgenden Falschannahmen:

  • Kinder würden unseren Ordnungssinn verstehen
  • Es sei einfach für Kinder, aufzuräumen und wenn es nicht klappt, sind Kinder schuld
  • Kinder könnten einfach Ordnung halten
  • Wenn Kinder nicht früh lernen, selbst aufzuräumen, lerne sie es nie
  • Es ist eine Machtfrage: Wer setzt sich hier mit welchem Konzept durch?

Perspektivwechsel

Wenn wir Kindern sagen, sie sollten nun endlich einmal aufräumen, blicken uns nicht selten ungläubige Augen an. Denn Kinder sehen und erleben die Welt anders als wir und unsere Ordnungssysteme sind nicht zwangsweise die Ordnungssysteme der Kinder – abgesehen davon, dass sie manches Mal auch nicht verstehen, warum die sorgsam aufgebauten Dinge, auf die sie stolz sind, die sie sich zurechtgelegt oder -gebaut haben, nun weggeräumt werden sollen. Was wir als Erwachsene aus unserer Sicht sehen, stellt sich für Kinder ganz anders dar. Es geht auch nicht um einen Machtkampf, wer das Sagen in Sachen Ordnung und Gestaltung zu Hause hat, sondern um das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Bedürfnisse und Sichtweisen – und beide haben zunächst ein Recht, da zu sein und wahrgenommen zu werden. Und dann geht es darum, gemeinsam einen guten Weg zu finden. Wenn wir es schaffen, die negative Sicht auf das Kind und sein Verhalten auszublenden, haben wir die Situation schon zu einem großen Teil entspannt.

Tipps gegen den Aufräumstress

Was also können wir tun, um dem Aufräumstress zu entkommen und gemeinsam einen Weg zu finden ohne Streit und Drohungen?

  1. Gemeinsam aufräumen: Je jünger die Kinder sind, desto schwerer ist es, ganz allein aufzuräumen. Bei den jüngsten Kindern sind wir Erwachsene das Vorbild (und dies auch über die gesamte Zeit des Zusammenlebens in der gesamten Wohnung) und zeigen dem Kind, wie und wann aufgeräumt werden kann. Dies kann sprachlich gut begleitet werden mit Erklärungen: „Alle Bausteine räume ich erst einmal in diese Kiste.“, „Alle Kuscheltiere setze ich jetzt hier auf das Regal.“, „Alle Wäscheteile sammle ich auf und lege sie in den Wäschekorb.“ Mit Kleinkindern können diese Aufgaben dann geteilt werden: „Komm, du räumst alle Bausteine in den Korb, ich setze alle Kuscheltiere in das Regal.“
  2. Jedes Ding hat einen Platz: Gerade dafür, dass das Aufräumen zunehmend vom Kind selbst übernommen werden soll, ist es wichtig, dass das Kind das Konzept verstanden hat, Dinge an den zuständigen Platz zurückzuräumen. Das ist wichtig, damit sie im Aufräumen zunehmend selbständiger werden. Kinder lernen durch beständige Tropfen positiven Vorbildverhaltens und einfacher Schritte der Beteiligung – nicht durch Druck. Auch hier sind wir Erwachsene Vorbild darin, dass Dinge ihren passenden Platz haben.
  3. Die Menge im Blick behalten: Je älter Kinder werden, desto mehr Spielsachen sammeln sich oft an. Manche werden nicht mehr benutzt, nehmen aber Platz im Ordnungssystem weg und lassen den Raum unübersichtlich erscheinen. Andere werden nur saisonal benutzt. Hier hilft es, einen Überblick zu behalten und gemeinsam zu erkunden und Spielsachen vielleicht auch auszusortieren, die nicht mehr genutzt werden oder auf den Dachboden/in den Keller zu bringen.
  4. Kein Druck, keine (auch nicht verbale) Gewalt: An manchen Tagen mag das Aufräumen nicht klappen. Wenn es uns als Erwachsene so wichtig ist, dass der Raum aufgeräumt ist, sollten wir ihn dann selbst aufräumen. Denn es ist unser Bedürfnis, dass Ordnung herrscht, nicht das des Kindes. Dafür sollten wir die Verantwortung übernehmen.
  5. Die Worte und Absichten dahinter sind wichtig: Es ist wichtig, dass wir uns immer wieder klar werden darüber, welche Bedürfnisse umgesetzt werden sollen durch das Aufräumen und warum. Das sollten wir auch klar in Worte fassen und bei uns bleiben mit Formulierungen wie „Mir ist wichtig, dass…“, „Ich denke, dass…“ und wir können dabei sowohl unsere Gefühle benennen als auch die Gefühle des Kindes erfragen: „Du findest das unfair?“, „Du hast keine Lust darauf?“
  6. Keine Bewertungen: Nur weil das Kind nicht aufräumen möchte, ist es nicht faul. Es ist auch nicht unsozial, weil es jetzt gerade nicht helfen möchte. Lassen wir in dieser Situation die Bewertungen, die ohnehin nur zu Streit führen und dem Kind ein schlechtes Bild von sich selbst geben.
  7. Kompromisse finden: Manchmal bauen Kinder tolle Spiellandschaften auf, die sie nicht aufräumen wollen, sondern am nächsten Tag wieder bespielen oder erweitern wollen. Sie haben viel Energie in diese Arbeit gesteckt und mit Fantasie ein Spiel entwickelt. Das sollten wir anerkennen und dieser Arbeit respektvoll begegnen. Das bedeutet: Wir finden einen Kompromiss. Ein Kompromiss ist nicht ein Vorschlag des Erwachsenen, den ein Kind annehmen muss. Ein Kompromiss ist tatsächlich eine gemeinsame Aushandlung. Das bedeutet“Heute bleibt es stehen, aber wir brauchen einen Laufweg von der Tür zum Bett.“, „Es bleibt so lange stehen, wie du wirklich damit spielst und dann räumen wir gemeinsam auf.“
  8. Das Kind nicht aus dem Flow reißen: Manchmal kommt es vor, dass ein Kind von einem Spiel zum nächsten übergeht und sich darin vertieft und die vorherige Spielsache vergisst und nicht mehr bespielt. Das Kind jetzt aus dem neuen Spiel herauszureißen, ist für das Kind unangenehm, stört den Lernprozess des Kindes und führt zudem zu Streit. Wir können uns wieder vor Augen führen: Es ist gerade mein Bedürfnis, dass Ordnung herrscht, deswegen räume ich das Spielzeug als Vorbild beiseite und später räumen wir die restlichen Dinge zusammen auf.

Der Wesentliche Aspekt zur Entspannung der Aufräumsituation ist unsere Sichtweise. Wenn wir diese ändern, können wir mit wenigen Anhlatspunkten eine Entspannung herbeiführen.

Eure

Susanne Mierau ist u.a. Diplom-Pädagogin (Schwerpunkt Kleinkindpädagogik)Familienbegleiterin und Mutter von 3 Kindern. 2012 hat sie „Geborgen Wachsen“ ins Leben gerufen, das seither zu einem der größten deutschsprachigen Magazine über bindungsorientierte Elternschaft gewachsen ist. Sie ist Autorin diverser Elternratgeber, spricht auf Konferenzen und Tagungen, arbeitet in der Elternberatung und bildet Fachpersonal in Hinblick auf bindungsorientierte Elternberatung mit verschiedenen Schwerpunkten weiter.  

1 Kommentare

  1. Danke für die konkreten Ratschläge zu dem Thema. Gerade das Begrenzen der Spielsachen, die es wegzuräumen gilt ( der Rest verschwindet zb im Keller und wird dadurch wieder spannend nach einer Weile..) nimmt viel Spannung meiner Erfahrung nach, und das Vorleben/Vorbild sein, dabei helfen. Erklären, warum es ein Bedürfnis ist, aufzuräumen: dann finden wir die Legosteine besser, wir treten nicht darauf und Dinge gehen kaputt, etc. Ansprüche vielleicht auch senken, es ist halt nicht Instagram 🙂

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