Dos und Don’ts im Wochenbett: So sind Wochenbettbesuche schön. 7 Tipps für Besucher*innen

Wenn das lang ersehnte Baby im Familien- oder Freundeskreis geboren ist, wollen es viele Menschen begrüßen und die Familie beglückwünschen, beschenken und ihre Freude zum Ausdruck bringen. Gerade die ersten Tage und Wochen aber sind eine sensible Phase, in der sich die kleine neue Familie erst einmal kennen lernen möchte und Zeit und Ruhe benötigt – und liebevolle, fürsorgliche und passende Unterstützung, wenn sie diese wirklich wünscht. Mit diesen Tipps fürs Wochenbett kannst Du eine Familie auf ihrem Weg wirklich unterstützen:

1. Den richtigen Zeitpunkt für den ersten Besuch bestimmen die Eltern

Frisch geborene Babys sind zauberhaft: Es ist toll, einen Menschen ganz am Anfang begrüßen zu können und zu bewundern, wie er die ersten Male die Welt erblickt. Aber: Dieses Wunder ist nun vor allem den Eltern vorbehalten. Sie sind es, die nun eine Beziehung zu ihrem Baby aufbauen. Gerade die Mutter hat vielleicht eine mehr oder weniger anstrengende Geburt zu verarbeiten, das Baby ebenso. Vielleicht fühlt sich die Mutter nicht wohl, hat Schmerzen oder das Stillen bereitet ihr noch Probleme und sie braucht Ruhe, um sich einzufinden. Kleine Babys sind auch noch mit einer Woche zauberhaft und auch noch später. Nicht sofort ins Frühwochenbett eingeladen zu werden, ist keine Abweisung und muss nicht negativ interpretiert werden. Im Gegenteil: Mit dem Besuch zu warten bis zum richtigen Zeitpunkt ist ein zusätzliches Geschenk. Deswegen gilt: Warte auf eine Einladung für den ersten Besuch und gehe nicht spontan vorbei mit der Erwartung, in die Wohnung gelassen zu werden.

2. Sei ein Geschenk!

Beim Begrüßen eines kleinen Menschen sind wir schnell verleitet, unsere eigene Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen: Einmal das kleine Baby halten, es streicheln und tragen. Tipps weiter geben, die für uns wichtig waren, weil wir es schon wissen… Beim Wochenbettbesuch ist es jedoch wichtig, selbst das Geschenk zu sein und sich an die Bedürfnisse vor Ort anzupassen: Das beginnt bei den Rahmenbedingungen: Plane nur einen kurzen Besuch ein, parfümiere Dich nicht, denn sowohl die Mutter als auch das Baby sind gerade sehr empfindsam. Vielleicht möchten die Eltern das Baby noch nicht in fremde Hände legen: Schenke Verständnis dafür und fordere nichts ein und stelle keine Erwartungen auf. Erwarte keine saubere Wohnung und keinen gedeckten Tisch, sondern bringe selber etwas mit für den Tisch.

3. Geschenke sind gut, wenn sie für alle sind

Es gibt so zauberhafte Babysachen, die verschenkt werden können. Oft ist die Familie aber schon gut ausgestattet für die ersten Wochen. Babykleidung sollte daher lieber nach Absprache vorher geschenkt werden und oft ist es sinnvoll, lieber Sachen für die späteren Monate auszuwählen, wenn das Baby der Erstausstattung entwachsen ist. Ins Wochenbett kann mitgebracht werden, was der ganzen Familie gut tut: Vielleicht ein kleines Körbchen mit gekochtem Essen oder anderen Leckereien für die Eltern, einer schönen Wasserflasche für die Mutter, damit sie beim Stillen daraus trinken kann (sofern sie stillt), (Trocken)früchte, einem schönen Buch für das Wochenbett und natürlich ein Geschenk für Geschwisterkinder, wenn es diese gibt.

4. Aufmerksamkeit für alle

Bei einem Besuch im Wochenbett ist natürlich der neue kleine Mensch ein wesentlicher Besuchsgrund, aber eine ganze Familie möchte nun Aufmerksamkeit und Zuwendung haben. In den Gesprächen sollte es sich nicht nur um das Baby drehen, sondern um die Gefühle und das Empfinden aller. Ganz besonders wichtig: andere Kinder der Familie. Sie sollten nach Möglichkeit zuerst begrüßt werden, bekommen ein eigenes kleines Geschenk oder Mitbringsel und werden nach ihrem Empfinden gefragt.

5. Zuhören ist wichtig

Aber nicht nur die Aufmerksamkeit für alle ist wichtig und das Fragesteller. Besonders wichtig ist es nun, zuzuhören: Was wollen die Familienmitglieder erzählen, was loswerden? Wo wollen sie Freude teilen und wo vielleicht auch Kummer und Sorgen? Hier setzt eine liebevolle Unterstützung an: Ich verhelfe nicht meine eigene Geschichte über, sondern nehme die Geschichte dieser Familie auf und schaue, wo ich sie unterstützen kann. Wenn sie wirklich Hilfe brauchen und dies sagen, biete ich individuelle Hilfe an oder schaue mich nach Unterstützung um.

6. Wirklich helfen

Viele Familien brauchen eher Zeit statt Zeug im Wochenbett: Sie brauchen Zeit, um die Geburt zu verarbeiten und im Bett zu liegen und sich kennen zu lernen. Hilfe ist, anzubieten, mit den größeren Geschwistern zu spielen oder spazieren zu gehen. Hilfe ist, essen zu kochen oder vorbei zu bringen. Hilfe ist, einmal durch die Wohnung zu saugen oder einen Gutschein für eine Putzhilfe für die erste Zeit zu schenken. Hilfe ist es, beim Verlassen der Wohnung den Müll mit hinunter zu nehmen. Es können so kleine Dinge sein. Hilfe ist all das, was die Familie wirklich entlastet und einander näher bringt.

7. Anerkennung der persönlichen Familienentscheidungen

Jede Familie geht ihren Weg. Und immer sieht er ein wenig anders aus. Wir haben in unserer Familie, in unserer persönlichen Situation mit einigen Dingen gute Erfahrungen gemacht, mit anderen schlechte – jede Familie geht ihren ganz eigenen Weg. Wir können liebevoll unsere Empfehlungen mit auf den Weg geben, aber wir sollten immer die Entscheidungen einer anderen Familie anerkennen. Das fängt beim Namen des Kindes an, geht über die Ernährungsweise und Kleidung bis hin zu Tragen, Stoffwindeln oder Abhalten. Und auch wenn wir selbst auf Erfahrungen zurück blicken können, darf diese Familie nun ihre ganz eigenen Erfahrungen sammeln.

Und was sind Eure ganz persönlichen Tipps?
Eure

 

2 Kommentare

  1. Hallo!

    Es passt nicht ganz, da es hier ja konkret um Besuche im Wochenbett geht. Mir fällt aber immer wieder auf, dass ich bei Artikeln über das Wochenbett denke, dass DAS doch gar nicht die schwierigste Zeit für die Familie ist? Bei mir war sie das jedenfalls nicht….Ich war dankbar für die gesetzliche Regelung des Mutterschutzes VOR der Geburt, denn sie gab mir die Möglichkeit, mich in der körperlich anstrengenden Zeit der letzten Schwangerschaftswochen auszuruhen. So war ich zum Zeitpunkt der Geburt ziemlich fit und ausgeschlafen. Das hielt natürlich auch in den Wochen nach der Geburt an. Die Kinder haben in den allerersten Wochen noch sehr viel geschlafen, so dass weiterhin viel Ruhe möglich war. Anstrengend wurde es nach einigen Wochen, als sich langsam aber sicher ein Schlafdefizit aufbaute aufgrund der nächtlichen Unterbrechungen, gleichzeitig waren die Kinder dann tags mehr wach und forderten Aufmerksamkeit. Erst DANN (so nach 3 Monaten?) hätte ich dringend mal jemanden gebraucht, der Essen mitbringt, mal durchsaugt, das Baby mal 2 Stunden mitnimmt…. Im Wochenbett fand ich Besuch sehr schön, egal in welcher Form, die Freude von Familie und Freunden über das neue Baby hat mich immer so gerührt und selbst erfreut (und ja, die Freude wuchs verständlicherweise, wenn der Besuch das Baby halten durfte, und das durfte er immer). Später, als es anstrengender wurde, hatte ich dann keine Lust mehr auf Besuch sondern wäre lieber mal 2 Stunden ganz allein gewesen ; ) .
    Kim

  2. Aufmerksamkeit für alle – ja! Aber nicht nur die Geschwisterkinder brauchen Aufmerksamkeit, sondern vorallem die Mutter. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass von Besuchern sehr viel Aufmerksamkeit für das Baby da war, aber für meine Bedürfnisse so kurz nach einer schweren Entbindung mit OP und viel Blutverlust kaum Verständnis herrschte. Dass fing damit an, dass Besuch DREI Stunden blieb – und sich offenbar nicht vorstellen konnte, dass mein Mann und ich nachts kaum schliefen, weil das Baby alle zwei Stunden trinken wollte. Auch schwierige Gesprächsthemen mit Konfliktpotenzial haben im Wochenbett nichts verloren – die Mama muss sich von der Geburt erholen! Ich würde mir wünschen, dass sich mehr Menschen Gedanken darüber machen, was für ein unglaublicher Kraftakt eine Geburt darstellt und dann der frischgebackenen Mama die nötige Ruhe lassen. Der Mama tut auch ein kleines Present gut, als Anerkennung und Wertschätzung. Mein Baby hat 36 Geschenke bekommen, ich habe 1 Geschenk bekommen. VOn den 36 Geschenken haben wir für die Hälfte keine Verwendung gehabt, aber mir hätte ein kleines bisschen mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung gut getan.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.