Eltern sein, Paar bleiben – 5 Anregungen für Verliebtheit im Familienalltag

Seit 13 Jahren sind mein Mann und ich zusammen und haben in diesen Jahren sehr viel zusammen erlebt und durchgemacht. Es wäre falsch zu sagen, wir hatten immer nur rosige Zeiten. Es gab auch viele schwere Momente, Zerreißproben und Zeiten, in denen wir mehr Eltern waren und weniger Paar. Nun wird das letzte Kind größer und die Paarzeiten werden wieder mehr. Rückblickend können wir unsere Elternjahre wie Wellen betrachten in Hinblick auf die Paarzeiten: je kleiner die Kinder waren, desto weniger.  Langsam sind die Zeiten wieder angestiegen und dann bei der Geburt des nächsten Kindes wieder zurück gegangen. Nun, nach dem letzten Kind, pendeln wir uns wohl auf einem recht gleichmäßigen Niveau langsam ein. Was uns aber durch die Zeiten brachte mit weniger gemeinsamen Momenten, waren über die Jahre und drei Babyzeiten ein paar wichtige Punkte, von denen wir nie abgewichen sind.

1. Erzähl mir Deinen Tag

Gerade dann, wenn ein Elternteil zu Hause ist und das andere arbeitet, könnte der Alltag oft kaum unterschiedlicher sein. Andere Tagesabläufe, andere Rituale, unterschiedlicher Grad und unterschiedliche Art an Fremdbestimmung. Was aber immer wichtig ist, ist Wertschätzung dem anderen gegenüber für das, was er heute erlebt hat. Dabei spielt es keine Rolle, ob es ein Geschäftsmeeting war oder ein selbst gemachter (oder gekaufter) Babybrei: Wertschätzung für das, was wir tun, ist wichtig – egal, was wir tun. Deswegen ist es hilfreich, sich einmal am Tag wirklich zu zu hören und nachzufragen: Wie war eigentlich Dein Tag? Was hast DU erlebt, was hast Du gemacht? Schon allein durch Zuhören drücken wir Wertschätzung aus. Wir nehmen Anteil am Leben des anderen, wir sind miteinander im Gespräch. Selbst dann, wenn wir selbst denken, dass es vielleicht gerade heute nichts aufregendes zu erzählen gibt, lohnt es sich doch, den Tag kurz in Worte zu fassen. Für uns selbst und den Menschen, der nicht dabei war.

2. Sich als Team verstehen

Ein Team kann zusammen arbeiten in Hinblick auf eine Sache, aber es kann sich auch ergänzen. Manche Teams sind gut, weil sie immer gleich sind, andere, weil sie sich ergänzen. Genau so kann es auch in Familien sein: Es muss nicht sein, alles zusammen oder in der gleichen Art zu machen. Jeder bringt in eine Familie persönliche Vorlieben und Abneigungen ein, jeder hat seine Schwerpunkte und Dinge, in denen er oder sie besonders gut ist. Diese Punkte gilt es, heraus zu finden, einzusetzen und gleichwertig zu verteilen: Einer wäscht gern ab, eine liest gern vor, eine macht gern Wäsche, der andere bringt die Kinder gern ins Bett. Während einer mit einer Tätigkeit beschäftigt ist, kann der andere etwas anderes tun.

3. Erst ich ein Stück, dann Du…

Familienleben kann anstrengend sein. Der Arbeitsalltag auch. Es ist gut, wenn wir nicht in die „Aber meins ist viel anstrengender“-Falle tappen, sondern gegenseitig unsere Tätigkeiten anerkennen und uns auch gegenseitig Freizeiten und Erholung gönnen: Heute hast Du einen freien Abend, morgen ich. Dieses Wochenende kann ich ausschlafen, nächstes Du. Als Team funktionieren wir dann, wenn jeder die Chance hat, auf Ressourcen zurück zu greifen und sich zu erholen, um wieder Kraft zu tanken.

4. Die kleinen Dinge im Alltag

Gerade am Anfang der Elternschaft muss sich alles erst einspielen – auch die Zeiten zusammen und die Organisation des Alltags. Vielleicht ist es gerade nicht möglich, auf die früheren Alltagsrituale zu zweit zurück zu greifen. Aber dafür lassen sich vielleicht im Alltag andere Kleinigkeiten finden: kleine Inseln des Miteinanders. Heute mal zusammen essen gehen in der Mittagspause. Morgen mal ein längeres Frühstück zusammen. Ein langer Spaziergang und sich an den Händen halten während das Baby in der Trage auf dem Rücken schläft. Diese Momente sind wichtig. Und auch wenn vielleicht das gemeinsame Abendessen allein im Restaurant noch etwas warten muss, gibt es auch mit Familie drum herum schöne Momente der Zweisamkeit – vielleicht etwas kürzer, aber dafür mehr.

5. Aufmerksam bleiben

Wenn ein Kind in eine Familie kommt, dreht sich viel erst einmal um den Familienzuwachs und wir kommen schnell in die Versuchung, unsere eigenen Bedürfnisse und generell die der erwachsenen Menschen hinten an zu stellen. Aber gerade dann, wenn es uns vielleicht schon schwer fällt, die eigenen Bedürfnisse zu sehen und zu formulieren, ist es gut, wenn ein anderer uns darauf aufmerksam macht. Deswegen ist es hilfreich, aufmerksam zu bleiben: An die Dinge zu denken, die den anderen erfreuen, auch wenn es nur Kleinigkeiten sind. Oder daran zu denken, dass der/die andere sich vielleicht gerade zu sehr selbst vergisst und liebevoll daran zu erinnern, für sich selbst zu sorgen.

Und was sind Eure Tipps?
Eure

3 Kommentare

  1. Wertschätzung für den anderen und dessen Tätigkeit. Das ist für mich definitiv einer der wichtigsten Eckpfeiler, um als Paar zu „überleben“.
    Man fällt auch als Mama so schnell in das Muster „hast du eigentlich eine Ahnung, wie anstrengend das ist den ganzen Tag allein mit dem Kind/Kindern“. Ich habe meinem Mann gerne immer mal wieder insgeheim und auch offen das Arbeiten gehen als „Ruhezeit“ angelastet. Dabei weiß man ja aus eigener Erfahrung, dass Vollzeit arbeiten keine Erholungszeit ist.
    Daher ist reden und Wertschätzung was der andere tut (das auch auszudrücken ihm/ihr gegenüber), so wichtig.

  2. Julia B.

    Verena spricht mir aus der Seele, ich bin auch der Meinung das es enorm wichtig ist sich gegenseitig wertzuschätzen und die Tätigkeiten seines Partners nicht abzuwerten.
    Wir versuchen auch einmal im Monat zu Zweit essen, frühstücken oder spazieren gehen oder Ähnliches zu unternehmen.
    Deinen aufgezählten Punkten kann ich auch nur zustimmen Susanne,
    Teamwork ist im Job und in der Familie so wichtig, sich nicht in den Rücken zu fallen sondern gegenseitig den Rücken stärken. Den Partner einfach mal in den Arm nehmen und sagen „ich find es super was du leistest, du bist toll, danke für …“
    Und das man nicht nur den Kindern Aufmerksamkeit und Anerkennung widmet, sondern auch seinem Parnter.

  3. Chantal

    Sehr gute Punkte!
    Für mich ist es wichtig, dass jeder Partner sich darauf einlässt, den anderen in seiner neuen Rolle und Identität auch neu kennenzulernen. Ja, man ist nicht „nur“ Mama oder Papa, aber eben doch überwiegend, man wächst und verändert sich mit dem/den Kind/ern und wer sich darauf einlässt, kann seinen Partner als Elternteil seines Kindes neu wahrnehmen, wertschätzen und sich in diese liebevolle, fürsorgliche und starke Person neu verlieben.
    Diesen Gedankengang verdanke ich meinem Partner, der mir ganz klar vermittelt, dass ich für ihn als Mutter noch anziehender bin – nicht trotz sondern gerade durch die Veränderung, die das Leben mit Kind bedeutet. Dafür bin ich ihm unendlich dankbar.

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