Ein Familienbett mit mehreren Kindern

Ich werde oft nach dem Schlafen im Familienbett gefragt. Viele können es sich nicht vorstellen, wie man gemeinsam gut Schlaf finden kann, wenn Eltern und Kind in einem Bett schlafen. Wenn es zwei Kinder mit Eltern sind, sind viele noch verwunderter und drei Kinder – das halten viele für unmöglich. Doch auch das ist machbar. Dass Kinder überhaupt in eigenen Betten schlafen, ist nämlich auch noch eine recht junge Entwicklung und das gemeinsame Schlafen im Familienbett eigentlich lange Tradition gewesen.

Familienbett – ein Kann, kein Muss

Kein Familienmitglied ist gezwungen, im Familienbett zu schlafen. Es ist eine Option und bei uns gibt es für die größeren Kinder auch separate Schlafplätze, die sie nutzen können. Der Schlaf ist ein ganz wichtiger Teil unseres Lebens, er muss wohltuend sein und soll ein Gefühl der Erholung vermitteln. Das findet man nur dort, wo man sich wirklich wohl und sicher fühlt. Gerade kleine Kinder haben oft noch das Bedürfnis, in der schützenden Nähe der Eltern zu sein, die über ihren Schlaf und ihr Wohlergehen wachen. Deswegen ist es so wichtig, Kindern die Wahl zu lassen und ihrem Gespür dafür, wo sie gut schlafen können, zu vertrauen.

Das Familienbett ist für alle Familienmitglieder ein Kann, kein Muss. Wenn sie soweit sind, ziehen die Kinder von sich aus. Oft ist das um das im vierten oder fünften Lebensjahr der Fall, kann aber auch länger dauern je nach Temperament des Kindes und Umweltfaktoren. Entweder, man richtet dann nach Anmeldungen dieses Bedürfnisses neue Schlafplätze ein oder hat diese schon länger als Möglichkeit vor Ort. Es ist ein Schritt auf einem Weg, den die Kinder selber gehen. Für alle Familienmitglieder bedeutet auch, dass sich natürlich auch die Eltern wohl fühlen müssen mit dem Familienbett. Jeder sollte seinen Schlafbedürfnissen nachkommen können.

Geschwister im Familienbett

Auch mehrere Kinder können im Familienbett schlafen. Es wird davon abgeraten, sie direkt nebeneinander schlafen zu lassen, da sich das größere Kind auf das kleine hinaufrollen oder es mit einer Decke bedecken könnte. Wenn sie allein sind, sollten sie deswegen nicht nebeneinander liegen.

Unsere Lösung für die Kinder sah folgendermaßen aus: Nachdem das zweite Kind geboren war, haben wir alle zusammen das erste Kind ins Bett gebracht. Wir Eltern sind dann mit dem Baby wieder aufgestanden (was vorher gegenüber dem ersten Kind auch kommuniziert wurde). Das Baby schlief dann bei uns Erwachsenen bis wir alle zusammen schlafen gingen und das Baby neben mir in der Nacht lag. Als das zweite Kind größer wurde und auch abends im Familienbett allein weiter schlafen konnte und wollte, haben wir eine Trennung unter das Bettlaken eingefügt, so dass die Kinder nicht übereinander rollen konnten und dennoch die Luftversorgung nicht beeinträchtigt wurde. Sie schliefen beide im Schlafsack ohne Decke, ohne andere Dinge, die ein Zudecken begünstigt hätten. Später bestand die Abtrennung nur aus einigen Kissen und oft lagen sie nachts zusammen oder hielten sich sogar an den Händen im Schlaf. Ich denke, dass diese Nähe und das gemeinsame Schlafen etwas beigetragen hat zu ihrer guten Beziehung. Morgens wachten sie zusammen auf, konnten kurz im Bett spielen oder einer weckte den anderen. Kleine, schöne Momente des Geschwisteralltags, die neben den manchmal anstrengenden Streitereien bestehen.

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Der Schlafplatz für das neue Baby

Das nächste Baby kam, wieder kehrten wir zu unserem erprobten Rhythmus zurück, dass das Baby bei uns blieb bis wir schlafen gingen. Das große Kind zog in der Zwischenzeit aus dem Familienbett aus, es war von sich aus weit und hat jedoch immer die Möglichkeit, bei Bedarf zurück zu kommen. Unser Familienbett bauten wir so um, dass es genug Platz hatte und viele Möglichkeiten bot, in der Nähe zu schlafen. Das Baby bekam einen eigenen Platz am Rand des Familienbetts mit mir neben sich. Ein beständiger Platz hilft dem Baby, seinen Raum zu erkennen und zu wissen, was hier passiert. Wickeltisch und Schlafplatz  sind meist die beiden ersten bekannten Orte des Babys, an denen es eine Vorahnung von dem entwickelt, was dort passiert. Der Schlafplatz ist kein Ort, an dem gespielt wird. Hier passiert nichts Aufregendes, sondern es gibt Ruhe und die Möglichkeit, Schlafen zu dürfen und sich zu entspannen. Unsere Haltung trägt ganz wesentlich dazu bei, ob der Schlaf als wohltuend und entspannt wahrgenommen wird oder als Zwang. Bei uns gibt es keine anregenden Mobiles oder anderes Spielzeug am Schlafplatz. Es ist ein begrenzter Bereich, immer gleich bleibend, ohne Decken und Kissen. Wir schlafen immer bei geöffnetem Fenster und es wird nicht geheizt, so dass die Zimmertemperatur in kalten Monaten 18°C nicht übersteigt.

Jedes Kind hat seine Zeit

Kinder ziehen von sich aus aus dem Familienbett aus. Irgendwann, wenn sie bereit dazu sind. Manchmal passiert es, wenn sie ein Geschwisterkind bekommen, weil sie sich mehr Ruhe wünschen. Manchmal passiert es einfach so, von heute auf morgen. Jedes Kind hat seine Zeit und geht nach seinem Tempo vor, wenn wir Eltern den Raum dafür lassen. Manchmal gibt es Zeiten, in denen doch wieder mehr Nähe benötigt wird, wenn gerade viel passiert, ein großer Entwicklungsschritt ansteht oder es andere Erlebnisse gab. Meistens haben Kinder ein gutes Gespür dafür, wann sie mehr Zuwendung brauchen und können das klar kommunizieren.

Ein Familienbett hat viele Vorteile und viele Ammenmärchen, die man darüber hört, sind unzutreffend. Für Eltern kann es einfach eine Erleichterung sein, weil die Kinder nachts in der Nähe sind und schnell versorgt werden können bei irgendwelchen Bedürfnissen. Wichtig ist jedoch immer, dass sich alle damit wohl fühlen.

Eure

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