Was hilft beim Zahnen?

Drei Kinder, dreimal Milchzähne bekommen, dreimal den Zahnwechsel erleben. Dreimal Ratschläge, Dinge ausprobieren, Zahnarztbesuche. Und letztlich ist es so, wie es bei so vielen Dingen ist: Jedes Kind zahnt ein wenig anders. Jedes meiner Kinder hat in einem unterschiedlichen Monat den ersten Zahn bekommen: von 4 Monaten bis 7 Monaten. Jedes Kind war ein wenig unterschiedlich dabei: eines hatte immer rote Wängchen, eines immer Schnupfen, manche waren besonders anhänglich, einem anderen merkte man kaum etwas an. Ich habe kleine Zähnchen kennen gelernt, große Backenzähne durchbrechen sehen und einen Zwillingszahn bewundert. 

Wo kommen die Zähne her?

Schon in der Schwangerschaft werden die Zähne angelegt. 20 Milchzähne warten darauf, sich durch das Zahnfleisch zu drängen. Auch hier gibt es wieder Unterschiede von Kind zu Kind: Meistens kommen die Zähne nacheinander mit etwa einem Monat Abstand, bei einigen Kindern kommen aber auch mehrere gleichzeitig. Meist sind es die beiden unteren beiden Schneidezähne, die zuerst erscheinen, dann die oberen beiden Schneidezähne und weitere Schneidezähne. Um den ersten Geburtstag haben Kinder dann oft die ersten 6 Zähne. Das Durchbrechen der 4 Backenzähne ist oft noch einmal besonders schmerzhaft, wenn sich die Haut spannt. Mit 2 bis 3 Jahren ist das Milchgebiss dann komplett ausgestattet.

Mögliche Zahnungsanzeichen

  • Das Baby kaut vermehrt auf Fingern und Händen herum, gerne auch auf Gegenständen.
  • Der Speichelfluss ist verstärkt, teilweise so stark, dass die Bodys ganz nass werden.
  • rotes, geschwollenes Zahnfleisch
  • Unruhe, Unzufriedenheit, Anhänglichkeit, Weinen, Aufschreien
  • gerötete Wangen
  • Schnupfen oder sogar erhöhte Temperatur
  • gestörter Schlaf und häufigeres Aufwachen
  • Veränderung des Stuhlgangs, manchmal grünlich, wunder Po

Zahnen ist ein natürlicher Vorgang

Es tut uns leid, wenn unsere Babys aufschreien und unruhig sind. Als Eltern haben wir den Impuls, unserem Baby zu helfen und es gut durch diese Zeit zu bringen. Natürlich wünschen wir uns, dass es kein Leid erfährt und keine unnötigen Schmerzen durchmachen muss. In den nächsten Jahren werden wir noch viele Situationen erleben, in denen wir die unangenehmen Gefühle des Kindes nicht einfach abstellen können oder sollten, sondern mit ihm gemeinsam durch sie hindurch gehen. Wir helfen unserem Baby durch unsere Angebote, durch Zuwendung, Liebe und Körperkontakt zu lernen, sich selbst zu regulieren. Noch schaffen Babys dies nicht selbst und sind durch eine Regulation von Außen angewiesen. Es ist deswegen gut, wenn wir dem Baby nicht einfach Medikamente geben, damit es einfach „nur“ aufhört zu schreien. Die wirksamste und langfristig beste Methode ist deswegen einfach Zuwendung.

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Mögliche Unterstützung beim Zahnen

  • Zuwendung: Wann immer es dem Baby nicht gut geht, braucht es uns und unsere liebevolle Zuwendung. Ganz besonders dann, wenn es Schmerzen verspürt. Schon allein durch Hautkontakt und die Ausschüttung von Hormonen durch diesen können wir dem Baby ein wenig die Schmerzen lindern.
  • Beißringe: Gibt es aus unterschiedlichen Materialien von Naturkautschuk über Plastik (Achtung Weichmacher) bis Holz
  • Veilchenwurzel, die schmerzstillende Inhaltsstoffe beim Kauen abgibt
  • Bernsteinketten sollen dadurch wirken, dass durch die Körperwärme Bernsteinsäure abgegeben wird, die Schmerzen lindern und die Wundheilung unterstützen soll (Achtung: Strangulationsgefahr und bei Zerreißen verschluckbare Kleinteile). Ihre Wirkung ist jedoch umstritten.
  • Halstücher, die nicht durchnässen, damit die Kleidung des Babys trocken bleibt bei sehr starkem Speichelfluss.
  • Wenn die Haut am Kinn wund zu werden droht durch den starken Speichelfluss, kann sie mit einer Wundschutzcreme/Babygesichtscreme behandelt werden. Auch Lanolin kann hier helfen.
  • Zahngele und Medikamente:
    Zahngele sollen die betreffenden Stellen betäuben mittels eines lokalen Betäubungsmittels, das aufgetragen wird. Meistens sind sie aber nicht hilfreich, wenn das Gel mit der Zunge weiter verteilt wird. Es kann dann auch die Zunge des Babys leicht betäuben und das Trinken erschweren.
    Auch andere Medikamente gegen Schmerzen wie Zäpfchen sind oft nicht wirklich geeignet, um die Zahnungszeit zu begleiten. Sie können zwar kurzfristig Linderung verschaffen, doch sind Schmerz- und Fieberzäpfchen Medikamente, die sich auf den Organismus auswirken und bei starker Nutzung langfristig zu Schäden führen können.
    Einige Eltern möchten das Zahnen durch homöopathische Mittel unterstützen. Bevor jedoch ein bestimmtes Mittel in einer bestimmten Potenz gegeben wird, sollte eine Beratung durch eine fachkundige Person erfolgen.
    Zahnen ist keine Erkrankung, die behandelt werden muss, sondern ein normaler Entwicklungsprozess, den unsere Kinder erleben und den wir als Eltern begleiten und ihnen in der Regulation mit sanften Mitteln und vor allem unserer Zuwendung helfen.

Zahnpflege

Ab dem ersten Zahn ist es gut, mit einer Zahnbürste oder einem kleinen Zahnbürstenaufsatz für den Finger die Zähen zu putzen. Auch kann nun schon der erste Zahnarztbesuch stattfinden, um über Mundhygiene aufgeklärt zu werden und das Kind an die nun regelmäßig stattfindenden Zahnarztbesuche zu gewöhnen. Spezielle Kinderzahnarztpraxen sind auf die Begleitung von Kindern ausgerichtet. Ab dem Alter von sechs Jahren haben Kinder auch einen Anspruch auf Prophylaxeuntersuchungen.

Wenn die bleibenden Zähne kommen

Meist kommen um den sechsten Geburtstag die ersten bleibenden Zähne. Oft sind es die ersten Backenzähne, die hinter den Milchzahnbackenzähnen durchbrechen und erst danach beginnen die anderen Zähne nach und nach auszufallen, da sich die Milchzahnwurzeln auflösen und Platz machen für die bleibenden Zähne. Auch dieser Zahnwechsel kann mit Schmerzen und Unwohlsein verbunden sein oder schlechteren Nächten. Nun können unsere Kinder schon sprechen und ihr Unwohlsein besser formulieren als beim Kommen der ersten Zähne. Aber auch wenn sie schon vergleichsweise groß sind, ist dies ein großer Umbruch und auch hier brauchen sie wieder unsere liebevolle Unterstützung und Zuwendung.

Jedes Kind ist anders, jedes Kind zahnt anders. Wir sollten versuchen, uns in unsere kleinen Kinder hinein zu versetzen, die noch nicht verstehen, warum sie gerade Schmerzen haben und nicht wissen, dass und warum ein Zahn kommt. Sie spüren nur ein noch nicht gekanntes, unangenehmes Gefühl. Es ist unsere  Aufgabe, ihnen diese Zeit ein wenig zu erleichtern mit unserem Verständnis und unserer Zuwendung.

  • katrin

    Wer Schmerzen hat sollte Schmerzmittel bekommen dürfen. Daran wächst man nicht! nur das Schmerz Gedächtnis wird eventuell trainiert. Ansonsten Zustimmung!

  • Wieder ein sehr schöner Artikel von dir…wie immer wunderbar undogmatisch.
    Und mit der schönen Aussage, das Nähe oft mehr bringt als vieles andere.
    Ein bisschen sehe ich es aber auch so wie Katrin: Bei meiner Tochter habe ich auch kaum (eigentlich keine) Schmerzmittel gegeben. Bis eine Kollegin mich nochmal auf das Thema „Schmerzgedächtnis“ ansprach. Seitdem wäge ich mehr ab und in ganz schlimmen Zahnungsphasen gibt es für den kleinen Mann jetzt auch etwas gegen die Schmerzen.
    Aber ansonsten bin ich mal wieder ganz „bei dir“ 😉

  • Laut meiner Pikler-Ausbilderin Anna Czimmek haben die Kinder im Loczy keine Zahnungsbeschwerden gezeigt. Sie führte das auf die konsequente bindungsorientierte Pflege der Kinder zurück. Ihrer Meinung nach zeigen Kinder denen Zahnungsbeschwerden nachgesagt werden eher Zeichen für Unglück und das habe nichts mit dem Zahnes zu tun. Keines meiner Kinder hatte je längere als problematisch anzusehende Zahnungsbeschwerden. Eher äußere Anzeichen wie rote Bäckchen und Speichelfluss. Vielleicht etwas Unruhe. Ich finde es auf jeden Fall interessant, sich Anna Czimmeks Auffassung anzunehmen. Sie anzunehmen ohne es als Vorwurf zu deuten und einfach seinem Kind zugewandt und liebevoll zu begegnen.

  • Christine

    Ich finde am Zahnen lässt sich am einfachsten erkennen wie unterschiedlich Kinder sind. Mein Sohn hat kurz vor dem ersten Geburtstag den ersten Zahn bekommen. Jetzt sind gerade letzte Woche, mit 22 Monaten, die unteren seitlichen Schneidezähne gekommen, die ersten vier Backenzähne sind seit zwei Monaten da. Die gleichaltrige Tochter einer Freundin hatte beim ersten Geburtstag bereits 12 Zähne und jetzt ein vollständiges Gebiss. Auch die Reaktion des Körpers ist sehr unterschiedlich. Den einen merkt man gar nix an, die Zähne scheinen ohne Beschwerden rauszuploppen, die anderen werden wochenlang mit rotem, entzündeten Zahnfleisch gequält, wie mein Sohn. Ohne ein betäubendes Gel würde er noch schlechter schlafen und vor allem kaum was essen, weil es so unangenehm ist. Unsere Liebe und Aufmerksamkeit genügen in solchen Momenten einfach nicht, manchmal sind Schmerzmittel tatsächlich die beste Zuwendung die wir unseren Kindern geben können.

  • Jenny

    Danke für den aktuellen Artikel! Töchterchen zahnt gerade wie wild. Von der Veilchenwurzel wurde mir aus hygienischen Gründen von einer Apothekerin abgeraten. Sie meinte, da können die Keime nur so wachsen und man hat keine Möglichkeit der Reinigung.

    Wie heißt denn die Beißstange die dein Sohn da hat?? Sieht interessant aus.

    • lilysu

      Das ist so eine Übungszahnbürste, gibt es in der Drogerie. Veilchenwurzel kann man meines Wissens nach auch auskochen

  • Ich finde, es gibt Momente, in denen Schmerzmittel eine Hilfe sein können – eine Hilfe nicht nur für die Eltern, die verzweifelt versuchen ihrem Kind zu helfen, sondern vor allem eine Hilfe für das Kind. Zahnende Kinder können manchmal vor Schmerzen, Schnupfen und Fieber kaum in den Schlaf finden – den sie aber so dringend brauchen, um genug Kraft zu sammeln für den nächsten Tag.

  • Katharina Kröll

    Also ich kann dir auf jeden Fall in den Punkten zustimmen, dass alle Kinder unterschiedlich Zahnen und das Zuwendung das beste Hilfsmittel ist.
    Ich habe bei den ersten zwei Zähnen auch versucht nur mit Beißringen und kalten Waschlappen zu helfen.. (mehr oder weniger freiwillig, wie sollte es anders sein, begann es Samstag Abend und ging bis Sonntag mit Schreien und Tränen)
    Es wurde viel gekuschelt und meine Kleine war den fast den ganzen Tag im Tragetuch, immer wenn sie es wollte, bekam sie Nähe. Waschlappen, Beißring und alles haben sie nicht interessiert und nur zu mehr Tränen geführt und Schlaf haben wir Sonntag Nacht erst gefunden, aneinander gekuschelt und am Ende der Kräfte.
    Ich Tendiere auch dazu Tagsüber nichts zu geben, kuscheln und abzulenken so viel wie gebraucht wird.. Aber nachts der Schaf ist einfach Gold wert und ohne funktionieren wir Beide nur sehr schlecht 🙂
    Wir haben bei den weiteren Zähnen auch einige andere Hilfsmittel probiert und sind inzwischen beim Dynexan Zahnungsgel und will auch nicht mehr darauf verzichten.
    Ich denke, bei allen Schmerzlindernden- Mitteln muss man immer abwägen, wann man es gibt und wie oft. Aber bevor meine Tochter vor Schmerzen nicht einschläft und sich quält, finde ich das eine sehr gute Hilfe.
    Meiner Meinung nach muss das jeder Situationsabhängig entscheiden und auch davon, was dem Kind hilft.

  • Jessi

    Ja das stimmt, jedes Kind zahnt anders! Meine Tochter hat den Beißring abgelehnt, ich habe ihr eine Gunmizahnbürste gekauft, die hat sie tagsüber viel benutzt! Zum Abend hin habe ich ihr das Dynexan Mundgel gegeben, bin total begeistert gewesen! Hilft super! Und ich finde das wichtigste daran in Zucker-, Lactose und alkoholfrei! Da können viele andere Präparate nicht mithalten! Meine Maus hat im Oberkiefer sechs Zähne auf einmal bekommen, die anderen waren einfach plötzlichen da! Also auch bei einem Kind kann das zahnen verschieden! Lg