Der Verlust der Pünktlichkeit

Gestern habe ich mich mit einer Freundin getroffen und ich war ganze 5 Minuten zu früh an unserem Treffpunkt. Während dieser Minuten dachte ich darüber nach, wann ich eigentlich zuletzt pünktlich gewesen war – und mir fielen viele Verabredungen ein, an denen ich es gerade nicht war.

Ich bereite das Losgehen mit den Kindern meist wirklich vor: Ich lege Essen für unterwegs zurecht, für Autofahrten Ausmalbilder und (nicht ausgetrocknete) Stifte, in der Umstellungsphase nach den Windeln nehme ich vorsichtshalber Wechselwäsche für den Sohn mit. Ich bin bereit. Und dann passieren diese unvorhersehbaren Dinge, die doch jedes Mal irgendwie ähnlich sind: Wir wollen wirklich raus gehen, Schuhe sind angezogen. Das Kind findet seine Mütze aber nicht. Oder das andere Kind muss doch noch einmal auf die Toilette. In der Zwischenzeit hat das Kind die Mütze gefunden, vermisst aber die Lieblingspuppe. Das andere Kind hat inzwischen bemerkt, dass es ja doch die Umhängetasche mitnehmen wollte – aber wo war die doch gleich? Nachdem Mütze und Puppe gefunden sind, hat das Kind Durst. Nein, unterwegs möchte es nicht trinken, sondern aus dem Lieblingsbecher.

Auf dem Weg – wohin er auch führt – ergeben sich dann weitere Zeitverschlinger: Das Kind, das zu Hause nicht auf der Toilette war, muss nun dringend. Das andere Kind hat Hunger. Die Schürze der Lieblingspuppe ist unbemerkt abgefallen und wir müssen den ganzen Weg zurück laufen.

public

Merkwürdigerweise verhält es sich auch nicht viel anders, wenn ich einmal allein das Haus verlasse. Zumeist gibt es – sobald ich fertig im Türrahmen stehe – diverse wichtige Gründe, mich aufzuhalten: Niemand kann je das Lieblingskuscheltier wieder finden außer mir. Oder ich hatte doch versprochen diese eine Geschichte vorzulesen, ganz bestimmt! Und es gibt herzzerreißende Abschiedsszenen mit vielen Küssen und Umarmungen und Diskussionen, wann genau und ob zum Schlafengehen ich wieder da sei.

Und so komme ich zu spät. Nahezu immer. Nur zu einer Sache komme ich nie zu spät: Nach Hause.

Eure
Susanne_clear Kopie

1 Kommentare

  1. Lustigerweise komme ich OHNE Kind noch viel sicherer zu spät als MIT, weil ich immer denke „ohne Kind muss ich ja nicht früher anfangen mich bereit zu machen, denn ich muss ja kein Kind anziehen, nichts einpacken, etc“ aber dann kommen eben die Dinge wie: Dem Mann noch sagen was das Kind zu essen bekommt, der Oma sagen wo der Schlafsack ist, wann er ins Bett soll,…
    Wenn ich MIT Kind losgehe, plane ich vorher schon Extrazeit mit ein. Anfangs hat die auch immer gereicht, so dass ich tatsächlich mit Kind immer überpünktlich war, inzwischen denk ich mir immer wir sind schon so fix und eingespielt dass ich dann doch zu wenig Zeit einplane, oder das Kind arbeitet eben dagegen, was als er noch kleiner war noch nicht so der Fall war, da gab es eben noch kein „noch was trinken“, „Kind läuft nochmal die Treppe hoch und ich komm nicht hinterher“ etc.

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