Ich fühl wie Du… oder doch nicht?

Manchmal ist das gar nicht so einfach zwischen den Geschwisterkinder, wenn sie sich nicht verstehen. Oder zwischen Kindern auf dem Spielplatz. Und zwar nicht nur nicht verstehen im Sinne von Streiten, sondern nicht verstehen im wahren Sinne des Wortes: Sie verstehen nicht, was der andere sagt und denkt und darum streiten sie. Denn ein Kind ist noch kleiner und kann sich noch nicht in das andere hinein versetzen.

 

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„Ich war heute mit Mama baden, stimmt’s?“ fragt der zweijährige Sohn seine Schwester. „Nein.“ antwortet sie logischerweise, denn schließlich war sie Am Vormittag woanders und weiß nicht, was wir gemacht haben. „Aber stimmt’s, Mama?“ fragt er mich. „Ja, stimmt.“ „Siehst Du. Wir waren baden, stimmt’s?“ Eine ewige Diskussion entsteht, denn die große Schwester versucht zu erklären, dass sie das ja nicht bestätigen kann.

Im Alltag vergessen wir nur allzu oft, dass sich unsere Kinder noch nicht unbedingt in uns hinein versetzen können. „Ich hab Dir doch aber gesagt, dass Du das nicht anfassen sollst!“ Ja, das haben wir vielleicht, aber der Drang unseres Kindes, die Neugierde ist so groß, dass es das eben doch tut. Und außerdem denkt es, dass wir natürlich auch so denken. Dass Kinder sich in andere hinein versetzen können, passiert nämlich erst nach und nach ab etwa 1,5 Jahren. Selbst im Alter von 3 Jahren fällt es ihnen noch schwer, zu verstehen, dass andere Menschen nicht die gleichen Informationen haben wie sie selber. Theory of mind, heißt die Fähigkeit sich in andere hinein versetzen zu können.

Als Erwachsenen fällt es uns nicht so schwer, dies zu verstehen und uns selber dazu zu ermahnen, unsere Kinder richtig zu betrachten mit dem Wissen, dass sie das eben nicht können. Und immer wieder müssen wir auch berücksichtigen: Auch diese Entwicklung verläuft in Zeitfenstern und ist von der Natur aus vorgegeben. Wir können ihr einen Rahmen geben, wir können unterstützen, aber wir können sie nicht wild befördern. Auch hier gilt. Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Wir brauchen  – wie immer – auch hier Geduld.

Unter Geschwistern ist das aber noch etwas schwerer, denn vielleicht sind gerade sie beide in Phasen, in denen sie noch nicht ganz verstehen können, dass der/die andere nunmal nicht denkt/fühlt/handelt wie sie selber. Warum gibt er mir nicht das Spielzeug, schließlich will ich es! Das Kind denkt gar nicht daran, dass das Kind gegenüber etwas anderes wollen würde als ihm genau dieses Spielzeug tatsächlich zu geben. Es erfordert Fingerspitzengefühl, diese Situationen zu begleiten. Denn: Die Kinder verstehen es einfach nicht! So sehr wir bei einem zweijährigen Kind auch an die Vernunft appellieren mit „Nun lass aber das andere Kind auch schaukeln, denn es möchte so gerne!“ – sie verstehen es noch nicht. Langsam und Stück für Stück bringen wir ihnen Regeln nahe für das Zusammenleben, für die Gemeinschaft und für die Ausbildung ihres eigenen moralischen Handelns. Dabei können wir immer wieder schauen, wie sich die Situation entwickelt. Kinder ihre Konflikte selber austragen lassen, eigene Lösungen zu finden und ihnen im Notfall zur Seite zu stehen. Oft bringt das mehr, als sich von vorn herein einzumischen und zu bestimmen. Dem größeren Kind erklären, dass das kleine einfach die Welt noch ganz anders sieht. Und natürlich warten…

Wie macht Ihr das?
Eure

Susanne_clear Kopie

1 Kommentare

  1. Hier sind ja alle drei mehr oder weniger in der gleichen Phase. Das eine Jahr macht einerseits viel aus und andererseits auch nichts. Mit „reinversetzen“ hat es hier noch keiner besonders.

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