Wenn kleine Hände größer werden…

Manchmal wenn wir unterwegs sind, halte ich nur noch eine Hand, die meines kleinen Sohns. Meine Tochter läuft neben mir her, rennt manchmal vor, fährt Rad oder Roller. Immer seltener schiebt sich ihre nun schon so viel größere Hand als früher in die meine. Irgendwann wird es wohl das letzte Mal sein. Oder vielleicht nicht das letzte, sondern nur noch eines der noch wenigen Male. Sie ist groß, so groß. 

Wie oft habe ich mir in den letzten 6 Jahren gewünscht, dass sie schon größer ist? Dass ich eben nicht mehr ihre Hand halten muss bei so vielen Dingen. Dass sie alleine einschläft, dass sie nicht trotzig andere Wege gehen mag? Jedes Alter hat seine Herausforderungen an uns Eltern. Seine Zeiten, in denen wir uns wünschen, dass diese „Phasen“ bald vorüber gehen. Sie gehen vorüber. Es kommen neue, andere. In der Zwischenzeit werden sie größer und die Phasen werden komplexer. Sie zeigen mehr und mehr ihre Bestrebungen der Autonomie: Dinge alleine machen, allein mit Freunden spielen, allein Wege zurück legen, allein in der Küche das Frühstück machen oder etwas kochen. Dinge allein erledigen, ohne Hilfe der Eltern, wird zu einer immer größeren Forderung und dies immer weiter von uns weg, allein, ohne Blickkontakt, aus der hörbaren Reichweite. Irgendwann kommt das Übernachten bei FreundInnen, allein – und gerade wollten sie doch noch unsere Hand zum Einschlafen halten?

Hand

Jedes Händehalten, das wir hatten, zeigt sich später darin, dass diese nun großen Hände Dinge allein machen möchten. Mit unseren Händen, die so warm und weich und liebevoll die Hände unserer Kinder hielten, haben wir es ihnen ermöglicht, später allein ihre Hände zu gebrauchen. Wir haben ihnen Kraft und Vertrauen darüber geschenkt.

Es ist nur eine leise Ahnung davon, wie es einmal sein wird, wenn sie wirklich ausfliegt. Ein kleines Gefühl, das nun doch schon da ist und mich daran erinnert, wie unendlich kostbar diese ersten Jahre sind, in denen sie noch ganz bei uns sind, an uns hängen, uns bedingungslos lieben und ihre kleinen Hände in die unseren schieben. Ein Gefühl dafür, wie kurz und vergänglich diese Zeit ist.

Eure

Susanne_clear Kopie

  • wolpertingerin

    Danke! Deine Texte helfen mir immer wieder, Zweifel auszuräumen wenn ich Nachts in jedem Arm ein Kind liegen habe!

  • sunshine

    Danke! Mir geht es gerade genauso… Ich kann es aber nicht so wunderbar in Worte fassen;-) Danke dafür! ❤️

  • sunshine

    Genau so geht es mir gerade auch – ich kann es aber nicht so schön in Worte fassen;-) Danke dafür!!!

  • sabethfaber

    Liebe Susanne, ich bin nun 24 und obwohl es in meiner Teenagerzeit natürlich eine Phase gab, in der Zuneigungsbekundungen ganz out waren, halte ich auch jetzt noch manchmal die Hand meiner Mutter. Wahrscheinlich auch, weil ich weiß, dass es ihr Freude macht und weil es mir nich mehr peinlich ist, Zuneigung auch offen zu bekunden, sei es eben damit oder mit spontanen Umarmungen.
    Und, ich schäme mich nur ein kleines bisschen, als ich mit 17 in der Nacht vor meiner ersten Abiprüfung gar nicht schlafen konnte, habe ich mich ins Bett meiner Mutter gelegt und wir haben ein bisschen geredet und sie hat mich im Arm gehalten. Ich weiß, dass es ihr viel bedeutet hat, auch wenn ich das erst später verstanden habe.
    Auch, wenn deine Kinder größer werden, die Liebe bleibt trotzdem immer da.