Was trauernde Kinder brauchen …

Yvonne war untröstlich. „Otto“, die Katze war gestorben. Die Eltern sagten, dass Otto schon sehr alt gewesen wäre. „Wir werden aus dem Tierheim eine neue Katze holen.“ Doch all das minderte Yvonnes Schmerz nicht. Zumindest zunächst.

Trauer zulassen

Kinder trauern, egal wie alt sie sind. Heftig und manchmal lange. Und das ist gut so. Trauern ist das Gefühl des Loslassens. Wer nicht trauern kann, hat Schwierigkeiten loszulassen. Deswegen sollten wir Erwachsene Kinder nicht bremsen, wenn sie traurig sind. „Ist doch nicht so schlimm“, das ist ein Satz des Bremsens. Vielleicht gut gemeint, aber falsch. „Du brauchst doch nicht weinen“, ebenso. Mit jeder Träne verlässt ein Stück des Kummers unsere Seele. Auch der Kinderseele.

Kindern trauern über alle möglichen Verluste, nicht nur, wenn jemand gestorben ist. Auch wenn der beste Freund aus der Kita in eine andere Stadt zieht. Auch wenn sie ein Lieblingsspielzeug verloren haben. Auch wenn der Papa aus der Familie wegzieht … Das Trauern sollten wir akzeptieren. Keine Trauer braucht eine Begründung, jedes Trauern darf sein. Kinder brauchen Verständnis für ihre Trauer und Erlaubnis.

Erwachsene sind auch beim Trauern Vorbilder

Wir Erwachsene sollten beim Trauern Vorbilder sein. Oft denken wir, wir sollten die Kinder nicht mit unserem Kummer und Schmerz belasten. Doch dann lernen Kinder von uns, dass sie ihre Trauer (und vielleicht auch andere Gefühle) verbergen sollten. Gefühle sind wahrhaftig, wir sollten sie teilen. Immer mit Trost, immer mit Geborgenheit, immer mit Anteilnahme. Weder die Kinder noch wir Erwachsene sollten mit der Trauer allein sein. Wenn Trauer geteilt wird, verliert sie ihre Kraft und verläuft wie die Tränen auf den Wangen.

Und wir sollten vermitteln: Mit jedem Verlust verlieren wir etwas, zum Beispiel die Uroma. UND es bleibt etwas: die Erinnerung an viele schöne Begegnungen, der Pullover, den sie gestrickt hat, ihr Lachen … Beides gilt. Das mindert zunächst nicht den Schmerz, doch es lässt ihn zurücktreten. Irgendwann.

Dr. Udo Baer ist Diplom-Pädagoge, Kreativer Leibtherapeut AKL und u.a. Vorsitzender der Stiftung Würde. Auf Geborgen Wachsen schreibt er über die (Gefühls-)Welt der Kinder, ihre Gedanken und die sich ergebenden Herausforderungen. Mehr über dieses Thema findet sich in seinem neuen Buch „Die Weisheit der Kinder

1 Kommentare

  1. Eva Schreiber

    Liebe Geborgen Wachsen. Ich liebe sonst die Artikel, diesen hier finde ich allerdings nicht ganz ausgereift, vorallem an der Stelle, wo gesagt wird, das Trauern loslassen bedeutet. Das stimmt so nicht. Das Konzept des Loslassens in der Trauer ist veraltet, es geht nicht mehr um Loslassen, sondern um die Integration des Verlorenen gegangen Wesens in neuer Form in das Leben. Das wird vorallem interessant, wenn ein Geschwisterkind oder Elternteil verstirbt. Da fühlt sich nämlich Loslassen eher an wie das Wegnehmen der Trauer und des Schmerzes. Und nicht wie trauern.
    Der Artikel scheint mir sehr ängstlich das Thema Verlust anzugehen. Nämlich mit Haustieren. Ein schlimmer Verlust. Aber auf dieser Welt gibt es eine Menge Kinder die ihre Geschwisterkinder oder Eltern verlieren. Ich finde wenn es um Trauer geht und um die Entabuisierung, sollte auch das berührt werden. Nur so als Anregung. Hier dann besser jemand mit Erfahrung in der Trauerbegleitung/Betroffene fragen. Ich weiß das ist ein hartes Thema. Aber auch ein häufiges.
    Liebe Grüße und weiter so!

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