Braucht mein Baby einen Nuckel?

Auf fast jeder Erstausstattungsliste steht er drauf: der Nuckel. Als mein Mann und ich vor so vielen Jahren noch kinderlos heirateten, bekamen wir zur Hochzeitsfeier einen Blumenstrauß, in den viele rosa und hellblaue Nuckel gebunden waren als Wunsch für Kinderreichtum. Kinderreich wurden wir, aber in Bezug auf die Nuckel sind wir ganz unterschiedliche Wege gegangen: Eines der Kinder bekam ein Nuckel und liebte ihn, eines der Kinder lehnte den Nuckel ab, obwohl wir es uns als Erleichterung wünschten und das letzte Kind benötigt einfach keinen Nuckel. Gelernt habe ich von meinen Kindern, dass der Nuckel einfach ein Ersatz ist und wir ihn nicht benötigen, wenn ich mich darauf einlassen kann und möchte, das Nuckelbedürfnis des Babys anders zu erfüllen. Und natürlich bedeutet das Einführen einer Sache, an die man das Kind gewöhnt, auch immer, dass es später wahrscheinlich wieder umgewöhnt werden muss.

Wofür brauchen Babys einen Nuckel?

Babys nuckeln gerne. Bevorzugt an dem Ort, den die Natur dafür vorgesehen hat: die weibliche Brust. Sie nuckeln dort, weil sie durch die Muttermilch mit dem versorgt werden, was sie für ihr Wachstum benötigen. Es gibt Phasen, in denen Babys besonders häufig angelegt werden möchten. Nicht, weil sie aus Langeweile an der Brust sein möchten, sondern in der Regel, weil sie Hunger haben. Oft denken Eltern, das Baby könne doch „nicht schon wieder Hunger“ haben oder nicht noch immer, aber tatsächlich brauchen Babys für ihr Gehirnwachstum und auch die restliche Entwicklung viel Nahrung. Wird das Hungerbedürfnis mit einem Nuckel „gestreckt“, kann sich das negativ auf die Entwicklung des Babys auswirken. In einigen Phasen kommt es zu dem besonders häufigen Wunsch nach Nahrung und oft sind gerade abends die Wünsche nach mehr Nahrungseinheiten groß. Als Clusterfeeding bezeichnet man es, wenn Babys sehr häufig hintereinander an die Brust wollen. Ist dies langfristig so und über den ganzen Tag erstreckt, kann es jedoch auch sein, dass das Baby die Muttermilch aus der Brust nicht gut genug entleeren kann und es ist sinnvoll, eine Stillberaterin zu kontaktieren. Zeigt das Baby ein so starkes Saugbedürfnis, ist es also eher ungünstig, ihm einen Nuckel zu geben, denn es möchte nicht nur saugen, sondern genährt werden. Daneben hat das Nuckeln auch einen beruhigenden Effekt auf das Baby. Babys, die einen Nuckel erhalten, werden jedoch oft darauf geprägt, nur über diesen Nuckel beruhigt zu werden und Eltern und Kinder benutzen dann weniger andere Beruhigungsstrategien wie Tragen, sanftes Schuckeln, an der Brust einschlafen lassen, Singen etc. Dies macht es später auch schwieriger, den Nuckel wieder abzugewöhnen (da alternative Verhaltensmuster fehlen) und beschränkt auch die Vielfalt der Interaktion.

Er wird jedoch oft erfolgreich bei Babys eingesetzt, die zu früh auf die Welt gekommen sind (und ihnen hilft, das Saugen schneller zu lernen, damit sie nicht mehr mit einer Sonde ernährt werden müssen und der die Verdauung der Milch unterstützt, so dass sie besser verwertet werden kann) oder bei Babys von Müttern mit sehr starker Milchbildung und kann manchmal auch eine Hilfe sein bei Kindern, die Schwierigkeiten mit der Regulation haben.

Ein Nuckel kann also durchaus hilfreich sein in bestimmten Situationen, ist aber in den meisten Fällen eigentlich nicht erforderlich, weil er nur ein Stellvertreter ist für den eigentlichen Wunsch danach, an der Brust zu sein. Die große Frage ist deswegen, ob die Mutter bzw. die Eltern diesem Wunsch nachkommen will und kann, oder ob sie einen Nuckel als Ersatz anbieten möchte.

Wenn ja, warum und ab wann?

In den meisten Fällen ist der Nuckel also eine recht persönliche Entscheidung der Bindungspersonen, die das Baby betreuen. Und auch wenn die Brust die natürliche Antwort auf das Saugbedürfnis ist, haben Eltern auch das Recht, aus ihren ganz persönlichen Gründen zu entscheiden, dass das Baby nicht nur an der Brust saugt, sondern einen Nuckel bekommt. Die Gründe dafür können sehr vielfältig sein: weil es nicht möglich ist, die Brust immer anzubieten, weil es der Mutter psychisch unangenehm ist (Achtung: stillen sollte nicht schmerzen und nicht längerfristig zu wunden Brustwarzen führen. Ist es der Fall, dass das Stillen physisch unangenehm sein sollte, sollte eine Stillberaterin kontaktiert werden), weil die Eltern männlich sind und keine weibliche Brust für das Nuckelbedürfnis anbieten können, weil das Baby sehr unruhig ist und der Nuckel bei der Regulation unterstützt,…

In den ersten Wochen bietet es sich jedoch bei Stillbabys an, auf einen Nuckel zu verzichten. Bei stillenden Müttern ist es wichtig, dass die Milchbildung gut in Schwung kommt und Angebot und Nachfrage der Milch zusammen passen. Dies reguliert sich dadurch, wie oft das Baby an der Brust saugt. Saugt das Baby an der Brust weniger, weil es viel am Nuckel nuckelt, wird auch weniger Milch gebildet und das Baby erhält weniger Muttermilch (weil weniger gebildet wird und vielleicht auch, weil sein Hungerbedürfnis übergangen wird). Zudem kann es durch das Nuckeln an einem Schnuller zu einer Saugverwirrung kommen. Daher verwundert es auch nicht, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Nuckelgebrauch und früherem Abstillen gibt. Wer lange Stillen möchte, sollte daher eher sorgsam an das Thema Nuckel heran gehen.

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Tipps zum Nuckeleinsatz

Wird später aus den ganz persönlichen Gründen ein Nuckel gewünscht, ist das auch in Ordnung. Allerdings sollte der Einsatz des Nuckels doch betrachtet werden: Wie schon oben erwähnt, sollte immer erst geschaut werden, ob das Baby vielleicht Hunger hat. Hat es das nicht, kann ein Nuckel wohl dosiert eingesetzt werden, wenn wirklich ein Bedarf besteht und er gerade nicht anders bedient werden kann. Langfristig sollte jedoch ein Nuckel kein Ersatz sein für liebevolle Zuwendung. Denn auch wenn er das Baby beruhigt, möchte es eigentlich von uns Zuwendung erhalten in einem Moment, in dem es sich vielleicht überreizt fühlt oder wenn es nicht in den Schlaf findet. Babys sollten deswegen niemals einfach nur den Nuckel in den Mund gesteckt bekommen, damit sie sich endlich irgendwie beruhigen. Der Nuckel kann ein Begleiter der elterlichen Zuwendung sein, aber kein Ersatz. Die Situationen, in denen er eingesetzt wird, sollten von Anfang an begrenzt sein auf solche in der Körpernähe der Bindungsperson. Schließlich würde sich ein Brustnuckelkind auch nur am Körper der Person beim Nuckeln befinden und es nicht notwendig, dass ein Baby beim Spiel immerzu einen Nuckel im Mund hat. Auch Kinder, die am Daumen lutschen, sind zwangsweise in der Nutzung begrenzt: Schließlich brauchen sie die Hände für das Erkunden und können daher nicht fortwährend den Daumen im Mund haben, sondern setzen ihn bewusst ein zur Selbstregulation. Ein dauerhafter und langfristiger Gebrauch des Nuckels wirkt sich nicht nur negativ auf den Kiefer aus, sondern kann auch einen negativen Einfluss auf die Sprachentwicklung nehmen. Studien zeigen auch, dass die Verwendung eines Nuckels Ohrinfektionen begünstigen kann.

Nuckel abgewöhnen

Wenn wir davon sprechen, dass einem Baby oder Kleinkind der Nuckel abgewöhnt werden soll, müssen wir uns zunächst klar machen, dass wir ihm etwas abgewöhnen wollen, was wir selbst ihm angewöhnt haben. Deswegen sollten wir auch nicht erwarten, dass das so einfach und problemlos geht. Wir haben dem Kind eine Beruhigungsstrategie beigebracht mit dem Nuckel und nun muss es an eine andere gewöhnt werden. Das „Abgewöhnen“ ist eigentlich ein „Umgewöhnen“. Und nicht das Kind ist „an etwas Schuld“ oder braucht nun lange für eine Umgewöhnung, sondern es hat sich nur an etwas gewöhnt, was wir ihm beigebracht haben. Wann immer wir also versuchen, Dinge abzugewöhnen und ungeduldig werden oder in die Versuchung geraten, das Kind unter Druck zu setzen oder gar zu bestrafen, sollten wir uns vor Augen führen, dass dies nicht der ursprüngliche Wunsch unseres Kindes war, sondern unsere erwachsene Entscheidung und wir nun ebenso erwachsen die langfristige Umgewöhnung begleiten müssen. Je nach Alter und Temperament des Kindes kann die Umgewöhnung zu neuen Beruhigungsstrategien lange dauern. Wichtig ist meist, das Kind langsam an Alternativen heran zu führen und entspannt zu bleiben. Günstig ist es deswegen, wenn der Gebrauch von Anfang an wie oben beschrieben dosiert wurde und der Nuckel nie zu einem Alltagsgegenstand geworden ist. Dann bedeutet es, dass das Kind langsam und geduldig an andere Beruhigungsstrategien herangeführt werden muss.

Wie sind Eure Nuckelgeschichten? Benutzt Ihr welche?
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  • Barbara

    Das erste Kind verweigerte den Nucki komplett (auch Flasche etc.) und das zweite nahm ihn bis vor kurzem zum Einschlafen in der Trage, Federwiege, Arm… Seit zwei Wochen will sie ihn nicht mehr und spuckt ihn aus und schläft so ein. Ich empfand ihn gerade im Auto als hilfreich, damit sie nicht die Fahrt lang weinen muss (bei 30Min fahrt will ich nicht 4x anhalten und so lange hält sie auch ohne Stillen aus).
    Jetzt bin jetzt ich schon froh, gewöhnt sie sich den selber ab und zeigt mir ganz klar was sie will 🙂

  • Saskia Schuricht

    Unsere Tochter hat erst sehr spät einen Nuckel genommen ( ca. ab dem 4 Monat).
    Sie war zur Geburt sehr groß und schwer und hatte daher Saugprobleme aufgrund mehrere Blockaden. Um ihr das Sagen zu erleichtern, nahm ich das Stillhütchen. Ich stille seit 7 Monaten mit dem Hütchen und habe damit nur positive Erfahrungen gemacht. Auch da es ihr zum Teil als Nuckelersatz diente, nach dem stillen. Da man ja doch irgendwann mal aufstehen möchte nach dem stillen, wenn das Kind eingeschlafen ist und trotzdem noch weiternuckeln lassen möchte, habe ich irgendwann angefangen, ihr einen Nuckel anzubieten (denn sonst säße ich immer noch auf der Couch, mit Kind im Arm was am Stillhütchen nuckelt und schlummert ?). Am Anfang hat sie ihn verweigert (wie auch alle Flaschen, was ich nicht schlimm finde, sie trinkt normal ihr Wasser aus dem Becher oder einer Glasflasche) und erst mit ca. 4 Monaten genommen.
    Meine Tochter benötigt kaum den Nuckel. Manchmal nachdem Stillen möchte sie noch etwas nuckeln. Da gebe ich ihn ihr. Ansonsten wird er nur während der Autofahrt oder mal im Tragetuch benutzt. Wenn sie ihn nicht mag, spuckt sie ihn auch aus. Zum Beruhigen brauchen wir ihn nicht, da gibt es andere Methoden bei uns.

  • Christina Happ

    Unsere Tochter hat ihn von Anfang an abgelehnt. Eine Weile habe ich versucht, ihn ihr anzugewöhnen, es aber dann sein gelassen, weil ich gemerkt habe, dass es ihr einfach nicht gefällt und er sie daher auch nicht beruhigt.
    Was ich nur immer wieder wirklich lustig finde, ist die Tatsache, dass Kinderärzte davor WARNEN, die Brust nicht als Schnullerersatz zu verwenden. Was ist in den Köpfen der Leute eigentlich sch4ief gelaufen??? Das Unnatürliche ist erwünscht, aber das Natürliche nicht?

    • Michaela

      „Warnung vor der Brust als Schnullerersatz“ puh. Was sind denn das für Kinderärzte?

  • Michaela

    Toller Artikel, wie eigentlich der ganze Blog, danke!
    Ich habe nacheinander zwei (Extrem-)Frühchen geboren, beide hatten im Krankenhaus einen Schnuller, er war absolut hilfreich und sie haben ihn geliebt. Half sehr gut zur Selbstberuhigung bei Untersuchungen etc. während sie im Inkubator lagen. Leider kann man auf einer Intensivstation wochen- und monatelang nicht so für sein Kind da und nahe sein wie man das möchte und wie sie das brauchen würden. So war es gut dass sie das Saugbedürfnis ein wenig durch den Schnuller stillen konnten.

    Zuhause hatte der Große den Schnuller noch ein, zwei Monate, dann wollte er ihn nicht mehr. Der Kleine hatte ihn genau 1 Mal, dann kein Interesse mehr. Obwohl ich die gewohnten Frühchenschnuller aus dem Krankenhaus hatte.
    Ich habe beide voll gestillt sobald sie es konnten bzw. stille den Kleinen noch und da sie allgemein relativ ausgeglichen sind fehlt uns der Schnuller gar nicht, wenn ich da im Bekanntenkreis von tränenreichen Abgewöhn-Krisen höre bin ich eigentlich ganz froh darüber. Der Kleine hat auch mit wenigen Monaten schon sehr vielfältig zu lautieren begonnen, ich vermute das wäre mit Schnuller im Mund nicht so gewesen.

  • Kannst du noch etwas zur Frage schreiben, wie man dem Kind bei der Umgewöhnung auf andere Strategien helfen kann?

  • https://uploads.disquscdn.com/images/38127a0bad5fc127396233fd24241c2ff7e2f1b469700b2103fce32be5fbb3b9.jpg Zwar bin ich Still-& Laktationsberaterin, aber meinem 3.Kind gab ich als es ein paar Wochen alt war dennoch ab und an einen Nuckel. Grund: Wie alle meine drei Kinder hatte auch mein Jüngster immer wieder Phasen mit viel Schluckauf. Meine größeren beiden kamen damit gut zurecht. Mein Jüngster litt ziemlich darunter. Nach vielem Herumprobieren war ein Schnuller das einzige was ihm in einer extrem Schluckauf-Attacke half. Unsere Stillbeziehung war gut eingespielt und ich sah -auch als Stillexpertin- in diesem Fall kein Problem auch wenn ich das nicht so geplant hatte;).
    Gerade in den ersten Tagen und Wochen empfehle ich aber trotz dieser eigenen Geschichte, auf einen Nuckel zu verzichten. Zumindest bis sich die Stillbeziehung eingespielt hat und bis man (gerade wenn es das erste Baby ist) die Hungerzeichen lesen kann.
    Danke für den schönen Artikel und danke fürs Verlinken
    Liebe Grüße
    Christina

  • Corinne Büchler

    Unser erstes Kind hat den Nuckel ca. 3-4 Monate genommen, danach konsequent wieder ausgespuckt. So haben wir das gelassen. Dafür hat er früh und viel Sprechen gelernt (sagen zumindest alle Leute in unserem Umfeld). Unsere Kleine (3 1/2 Mo) wollte bis jetzt den Nuckel gar nicht. Beide Kinder werden/ wurden voll und lange gestillt.

  • Katrin Rosendahl

    Während meine Große den Schnuller immer nur ausgespuckt hat (ich hatte gehofft, dass er ihr helfen würde, als alles andere nicht geholfen hat und ich ewig verzweifelt mit dem schreienden Baby auf dem Arm/in der Trage durch die Wohnung gelaufen bin), hat meine Kleine ihn sehr dankbar angenommen. Und zwar nicht als Ersatz. Nein – entgegen der Theorie und anders als meine Große wollte sie wirklich nur stillen, wenn sie Hunger hatte. Wenn sie schrie und ich ihr die Brust anbot, sie aber anscheinend nicht hungrig war, hat das anbieten des Stillens sie nur NOCH MEHR zum Schreien gebracht. Ja, das bloße Anbieten. Sie fühlte sich dann anscheinend falsch verstanden und war ganz verzweifelt über diesen falschen Beruhigungsversuch. Bloßes im-Arm-Halten, Schaukeln, Singen (auch im korrekt gebundenen Tragetuch) half oft alleine aber auch nicht. Aber das alles zusammen mit dem Schnuller – das half immer. Ich habe ihn dann der späteren Zähne zuliebe immer sanft herausgenommen, wenn sie sich wieder beruhigt hatte. Abgewöhnungsschwierigkeiten gab es keine: sie hat den Schnuller ab ca. 5 Monaten immer weniger gewollt und mit ca. 8 Monaten komplett abgelehnt. Was ich nachts dann doch sehr bedauert habe, denn dann war es wie bei meiner Großen in dem Alter: nachts musste ich quasi jede Stunde ewig stillen, ich konnte kaum noch schlafen, fürchtete abends schon die gefühlt nie endende Nacht und war allgemein gerädert. Das hörte auch nicht etwa von alleine wieder auf, sondern ich habe ihr das mit über einem Jahr über mehrere Monate hinweg mühsam abgewöhnt – aber das ist ein anderes Thema.

  • Katrin Rosendahl

    Ach so, das noch: ich habe den Schnuller auch erst mit einem Monat eingeführt. Und eben nur bei Bedarf gegeben und dann nie so lange.

  • Kristin Hoffmann

    Beim großen hatten wir einen Schnuller und er war Flaschenkind. Aber mit 11 Monaten spuckte er ihn zornig aus und wollte ihn nie wieder. War schon komisch, aber wir waren froh das wir ihn nicht abgewöhnen mussten. Und bei der Kleinen wollten wir einen, und sie nahm im 1. Monat den Schnuller, aber nur draußen. Und irgendwann ergab sich keine Gelegenheit mehr für Schnuller, weil ich sie eh nach Bedarf stillte. Sie ist jetzt 6 1/2 Monate und schnullerfrei und sie liebt Ihre Brust.

  • Lali

    Schön und gut, dass ein Schnulli nur gegeben werden sollte „in der Nähe der Bindungsperson“. Ich handhabe das anders und zwar, weil ich manchmal auch andere Dinge zu tun habe, als ausschließlich für mein Baby verfügbar zu sein. Deswegen finde ich den Schnulli so gut, er ersetzt in manchen Situationen, in den ich nicht mit einem meiner Körperteile als Nuckel zur Verfügung stehen möchte, meine Brust.
    Das heißt nicht, dass ich nicht manchmal genau das gerne tue: Auch mal nur zur Beruhigung da sein, das Kind nach Belieben nuckeln lassen. Ich empfinde es auch häufig so, dass Frauen zwar ihr Kind stillen und das tun, weil es gesünder sei, aber um Gottes willen, keine Genuckel wollen. Auch das finde ich komisch, denn mE nach geht „Nur-Nuckel/Saugen“ bei gewöhnten Brustwarzen sehr gut. Fast denke ich aber, dass es für Kinder schlechter ist, wenn di Mutter Dinge tut „die man sollte“ oder Dinge tut, wie sie sein sollten. Denn das, so mein Gefühl, merken Kinder. Ich erlebe oft Kinder, deren Erziehung (ja ich weiß, auch so ein Antiwort) durch die Eltern ich zwar merkwürdig finde, die aber sehr mit sich im Reinen scheinen, weil die Eltern mit „ihrer Erziehung“ bei sich bleiben, mit sich im Reinen sind. Das ist für mich mittlerweile bei allem, was ich tue meine Maxime, dass ich authentisch bin. Das klappt natürlich nicht immer. Und es kann durchaus auch authentisch sein, bewusst zurückzustecken oder die Genervtheit wegzupacken und völlig im Dienste der Kindsbedürfnisse stehen. Aber manchmal geht das nicht und dann ist auch ein Schnulli im Munde meines alleine im Wohnzimmer liegenden (und wohlgemerkt friedlich spielenden Babys) für mich total ok.

    🙂

  • Lali

    …Im Übrigen half mir auch in der StillBEZIEHUNG (mal drüber nachdenken, was das Wort Beziehung bedeutet :)), die Wörtchen „nach Bedarf“. Auch die Mutter bestimmt mit. Bei meinem ersten Kind habe ich alles sehr richtig machen wollen, alles nach Richtlinie, alles nach dem Kind. Dabei habe ich mich vergessen und vieles in der ersten Zeit doof gefunden. War aber meine Schuld, weil ICH mich nicht wichtig gefunden habe. Was wiederum natürlich auf mein Kind zurückgewirkt hat, da ich innerlich oft gefrustet, genervt war. Beim zweiten bin ich manchmal echt „lässig“ und trotzdem gehts uns beiden sehr gut, dieses Mal genieße ich die erste Zeit viiiel mehr und ich denke, das ist richtig. (Mittlerweile bin ich so weit, dass ich auch mal die böse Flaschenmilch geben würde, wenn es für mich (ACHTUNG EGOISMUS!) bequemer wär (mal ausgehen können….) – durch diese innerliche Erlaubnis mir gegenüber denke ich dann oft: Ich könnte ja, also muss ich jetzt nicht unbedingt und kann das gelegentliche „Gefühl des Angebundenseins“gut aushalten.
    Die meisten Eltern heutzutage wollen alles richtig machen und stressen dabei sich und andere, so mein Gefühl. Meine Eltern haben vieles richtig gemacht und einiges falsch, das muss man dann als Erwachsener irgendwann erkennen und gegebenenfalls „betrachten“ und dann daraus lernen. Aber ich werde auch viele Dinge falsch machen. Allein schon, weil ich manchmal zuerst an mich denke, kann das in der Situation falsch für mein Kind sein – oder sich falsch anfühlen, aber langfristig ist das vielleicht besser als eine Mutter, die sich am Ende nicht mehr kennt, weil es nur ums Kind geht. Geht jetzt über den Artikel hinaus, den ich auch sehr gut finde (! :), aber fiel mir in dem Rahmen ein…

  • Lali

    …und zum Thema ungeduldig werden: Ich werde ungeduldig, bin manchmal unbeherrscht. Lange habe ich mich dafür „schuldig“ gefühlt, weil doch ich „die Erwachsene“ bin. Richtig finde ich mittlerweile mich zu fragen, warum ich manchmal so ein „kindisches Verhalten“ an den Tage lege und es nicht schaffe, erwachsen zu sein. Dann kann es aber auch sein, dass ich mal aufhöre, in diesen Kategorien (Kind/Erwachsene) zu denken, wenn ich mein Kind doch eigentlich geborgen aufwachsen lassen will. Geborgenheit bedeutet für mich auch: Die Umgebung kennen. Die Reaktionen der Eltern abschätzen können. Gefühle VERSTEHEN. Reaktionen auch. GRENZEN kennen. Zumindest die persönlichen der Eltern. WUT kennen und haben dürfen. Wie soll ich Wut meines eigenen Kindes ertragen, wenn das Kind meine nicht kennen darf?
    Mittlerweile denke ich, wenn ich wütend war: Ok, muss ich mich entschuldigen? Müssen wir drüber reden, sollte ich dem Kind die Beweggründe kurz erklären?
    Das finde ich viel besser und klappt mit meinem Großen ganz gut. Und es fällt mir leichter, bei seiner Wut zusagen: Hey, ich nehme deine Entschuldigung an, das passiert mir doch auch. Oder: Ich verstehe, dass du jetzt wütend bist. Das ist dann keine Floskel, sondern echte Empathie beiderseits.
    Was ich nicht tue, ist Schlagen. Zum Einen sicherlich, weil ich (fast) nie geschlagen wurde und mich gut beherrschen kann und zum Anderen, weil es mir auch bei keinem erwachsenen Gegenüber in den Sinn käme, zu schlagen, wenn ich mit Worten nicht weiter weiß. Schlagen (können) ist ein Machtgefälle, dem Kinder ausgeliefert sind, denn wir sind stärker. Wut haben wir aber alle und schreien tut mE auch jeder Mensch mal. Schlauer ist natürlich zu sagen: Liebes Kind, ich bin so sauer gerade, ich könnte schreien, aber dafür müsste ich täglich meditieren, glaube ich :)).