Den Moment auskosten – sie werden so schnell groß

„Leg ihn doch mal ab“, sagt mir meine Freundin. Ich sehe mein Baby an, wie es so warm und weich in meinem Arm liegt. Ich möchte es gar nicht ablegen. Dieses Baby ist wahrscheinlich das letzte Baby, das ich in meinem Leben gebären werde. Das letzte, das ich stillen werde, das letzte, dessen süßen Babyduft ich einatme. Ich möchte die Zeit auskosten, es nah bei mir haben und jede Sekunde dieses Wachsens genießen.

Ich weiß, wovon ich spreche: In einem Wimpernschlag sind meine anderen beiden Kinder groß geworden. Eben hatte ich noch die Augen geschlossen und lächelte über den ersten positiven Schwangerschaftstest, und im nächsten Moment stehen zwei große Kinder vor mir, reden in vollständigen Sätzen und springen durch Pfützen. Mit jedem Kind verfliegt die Zeit schneller, werden Momente von Momenten verfolgt und man merkt kaum, wie die Tage und Wochen vergehen bis plötzlich wieder eine Kleidergröße mehr benötigt wird.

Wie oft dachte ich in den letzten Jahren: Es ist eine Phase, es ist eine Phase, es geht vorbei. Und es ging vorbei und sie waren wieder etwas größer. Der Wunsch danach endlich wieder durchzuschlafen, endlich wieder keine Shirts mit angedauten Muttermilchresten zu tragen, endlich wieder allein einen Tag verbringen… Und dann, als das zweite Kind schon groß war und ich längst schlief und mich traute, wieder weiße Oberteile zu tragen, und ich dachte, dass kein weiteres Baby mehr kommen würde, kam das Vermissen: Das Vermissen dieses Geruchs, den nur ein Baby verströmt. Dieser Duft, der direkt vom diesem kleinen, mit Flaum bedecktem Kopf aufsteigt. Das Vermissen der kleinen, weichen Hände, die sich um einen Finger legen und sich beherzt festhalten. Das Vermissen der großen Augen, die voller Vertrauen blicken und beim Stillen immer kleiner werden.

Deswegen weiß ich nun mehr denn je um die Kostbarkeit dieser Zeit. Sie geht vorbei, diese Babyzeit mit all den anstrengenden Momenten, aber auch all der Zauberhaftigkeit der ersten Male und süßen Glücksmomente. Natürlich kommen andere, wunderbare Erfahrungen hinzu, aber die Zeit schreitet voran und was vergangen ist, das ist vergangen. Sie werden immer größer, aber nie wieder kleiner.

Lasst Euch nichts einreden, haltet sie, liebt sie, beküsst sie. Es ist Eure Zeit. Und auch ich halte und lächel und liebe und küsse und lasse nicht los, weil es zu schön ist und viel zu kurz.

Eure

Susanne_smooth Kopie

 

13 Kommentare

  1. Da kullerten mir fast ein paar Tränen runter. Im Moment empfinde ich es ganz genau so. Während ich bei meiner Tochter noch vermehrt das Bedürfnis hatte, etwas mehr Zeit für mich zu haben, fällt es mir bei meinem Sohn zunehmend schwerer ihn abzugeben. Er wird wohl mein letztes Baby sein und ich werde schon jetzt wehmütig, wenn ich sehe wie er jeden Tag ein Stück größer wird und ein bisschen mehr kann. Hinzu kommt das Gefühl, bei meiner Tochter die Babyzeit nicht genügend genossen zu haben. Im Moment hätte ich gerne 10 von meinem kleinen Babyjungen und er soll bitte immer so klein und süß und zauberhaft bleiben.

    • Genau so empfinde ich es auch gerade! Ich vermisse schon jetzt die vielen Momente der letzten acht Wochen, die ich so nicht wieder erleben werde und versuche jede Sekunde wie ein Schwamm aufzusaugen und für immer zu speichern.

  2. Ja, wirklich so wahr. Mein Baby ist bald kein Baby mehr und ich denke jetzt schon so oft, dass ich mein Baby noch öfter hätte tragen sollen und noch öfter innehalten hätte können.

  3. Ich sage mir jeden Tag neu, dass ich nicht sentimental werden möchte und die Entwicklung und das Groß-Werden meiner Kinder bejahen möchte. Und das tue ich auch.
    Und trotzdem ist es wirklich bemerkenswert, wie schnell die Zeit vergeht. Und wie viel schneller sie mit jedem Kind vergeht.
    Und deswegen fällt es mir immer leichter die Zeit einfach zu genießen – mitten in der unaufgeräumten Wohnung, zwischen den Wäschebergen, dem Abwasch und all den Kastanien, Bauklötzen und Kinderbüchern.

    • Heidrun Schwartz

      vielleicht muß man ja neben dem bejahen des großwerdens auch manchmal das zurücklassen einer schönen phase betrauern. also nicht ewig aber vielleicht muß man mal paar tränchen verdrücken, wenn was schönes vorbei ist und dann ist das bejahen auch wieder leichter. 🙂 <3

  4. Trinemitzweimäusen

    Da kommen mir die Tränen du hast sooo recht und trotz des genießens vergeht die Zeit bis zum nächsten Entwicklungsschritt wie im Flug trotz tragen stillen und ganz viel kuscheln oh man wo ist das letzte halbe Jahr geblieben. Es geht gefühlt doppelt so schnell beim zweiten. Meine Tochter ist auch noch soo früh dran und entdeckt die Welt schon auf allen vieren.

  5. Knurrlotta

    Dieser Text hat uns die Rührungstränen in die Augen getrieben. Unser Töchterchen wird Freitag sechs Wochen alt und hat abends große Schwierigkeiten, runterzukommen. Manchmal kommt sie auch tagsüber schlecht zur Ruhe. Gestern zum Beispiel hatte ich sie den ganzen Tag im Tuch, was ich überhaupt nicht schlimm finde, sondern meist sogar genieße – obwohl es bei der schwülen Hitze natürlich etwas schwieriger war. Es kam aber leider dazu, dass ich mich permanent bewegen musste. Der kleine Seismograph wurde sofort unruhig, wenn ich mich mal ruhig hingesetzt habe. Also rumlaufen, hopsen auf dem Pezziball, schaukeln, stillen, am Finger nuckeln lassen… Und abends hat sie dann noch eineinhalb Stunden untröstlich geschrien, obwohl wir alles versucht haben, sie zu beruhigen.
    An solchen Tagen wünsche ich mir manchmal, dass die 12 Wochen bald vorbei sind, nach denen angeblich die meisten Kinder nicht mehr diese Unzufriedenheitsphasen am Abend haben. Natürlich weiß ich, dass dafür dann anderes kommt…
    Wenn ich solche Gedanken habe, lese ich nun immer deinen Text und versuche, die Zeit wirklich auszukosten, auch, wenn es mal anstrengend ist. Wirklich bewusst am Babykopf zu schnüffeln, den Blick aus den runden blauen Babyaugen beim Stillen zu genießen, das zahnlose Lachen, die kleine, speckige Hand, die sich um meinen Finger schließt. Es ist wirklich eine ganz besondere Zeit. Danke, dass du das so eindrucksvoll in Worte gefasst hast!

  6. Hallo Susanne!
    Sehr gerne lese ich in deinem Blog; dieser Artikel gefällt mir besonders. Kuschelige Babyköpfchen duften wirklich einzigartig!

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