Die Einsamkeit zu zweit – über die einsamen Mütter

Da liegt es nun, dieses wunderschöne Baby. So zart, so rosig, so schön. Man streicht mit sanften Händen darüber. Man schaut es an, stundenlang. Doch irgendwann kommt der Moment, an dem das Anschauen nicht mehr reicht. Vielleicht kommt gerade noch die Hebamme einmal am Tag. Vielleicht ist aber die Zeit der Besuche im Wochenbett schon vorbei. Der Partner geht wieder arbeiten. Die Freundinnen sind ebenfalls beim Job. Ein schales Gefühl stiehlt sich ins Herz: Einsamkeit zu zweit – gibt es das?

Ruhe in der Wochenbettzeit tut gut: Sich Zeit nehmen, um den neuen Menschen begrüßen zu können. Sich Zeit nehmen für die Veränderungen als Frau, als Paar. Ankommen in einem neuen Leben. Doch dieses Ankommen bedeutet nicht Abschottung. Es bedeutet, achtsam umzugehen mit Ressourcen. Es bedeutet, nicht jederzeit jeden Gast hinein zu lassen, aber Gäste empfangen zu dürfen. Es bedeutet, nicht die Gäste bewirten zu müssen, sondern es sich gut gehen zu lassen. Aber es bedeutet nicht Einsamkeit.

In der letzten Zeit höre ich immer wieder einen fast beängstigten Ton von werdenden oder frischen gewordenen Eltern, wieviel Besuch noch in Ordnung sei, wieviele Menschen kommen dürften. Man wolle das Baby nicht überfordern. Nur kein Schreibaby bekommen, so hört man heraus. Die Angst vor der Überforderung des Kindes geht um.

Nicht selten geht diese Angst jedoch auf Kosten eines anderen Menschen: der Mutter, die mit ihrem nur wenige Wochen altem Baby zu Hause ist. Sie traut sich nicht hinaus, sie lädt keinen Besuch zu sich ein. Sie ist froh über die Termine der Hebamme, sehnt sie vielleicht sogar herbei. Allein zu Hause mit einem Baby, das kann neben aller Romantik auch ziemlich einsam ein. Denn auch wenn die Zeit des Wochenbetts eine Schonzeit ist, ist sie eigentlich keine einsame Zeit.

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Sich in das Bett legen mit dem Kind und zugleich umsorgt werden von anderen ist das, was Mütter in dieser Zeit eigentlich brauchen. Mehr noch als die regelmäßigen wohltuenden Hebammenbesuche, aber weniger als aufdringliche Verwandte. Eine sanfte Weise des Umsorgtwerdens, unaufdringlich. Das Essen, das bereitet wird, der Einkauf, der besorgt wird. Das Bad, das einmal kurz gesäubert wird – gerade jetzt im Wochenbett mit empfindsamen Körper. Einen Menschen haben, mit dem man reden kann: über Freude und Sorgen, über das Gefühl des Glücks oder auch das Vermissen des selbigen. Eine erfahrene Schulter zum Anlehnen, ein freundliches Gesicht zum Lachen. Eine Hand, die Handgriffe zeigt, die man selber noch nicht kannte. Ein beruhigender Blick, der Hoffnung gibt.

Nein, die Wochenbettzeit ist keine Zeit der Einsamkeit – oder sollte es nicht sein. Es ist eine Zeit des Ankommens in einer neuen Art in der Gemeinschaft. Die Frau ist nun Mutter, Teil einer neuen Gemeinschaft. Sorgsam an die Hand genommen sollte sie werden, auf ihren neuen Schritten begleitet. Nicht gezogen oder geschoben. Nicht verurteilt oder behandelt. Sie ist vielleicht noch neu hier, aber Teil von vielen. Wir alle kennen unsere ersten Schritte. Wir alle standen einmal da. Und deswegen ist es so wichtig, dass wir neue Mütter gut und sicher begrüßen in diesem neuen Leben und ihnen zeigen: Du bist nicht allein!

Wie ging es Euch?
Eure

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14 Kommentare

  1. sofakante

    Du triffst meine Angst ziemlich gut. Ich bekomme in 3 Wochen (also so ungefähr) ein Kind und ich hab weniger Angst davor, dass ich überfordert sein werde von zu viel Besuch, sondern gerade auch, dass ich einsam sein werde, wenn mein Mann dann wieder arbeiten muss und ich mit dem Kind alleine bin. Gestern erst hab ich unter anderem dazu einen Blogpost geschrieben. https://sofakante.wordpress.com/2015/06/25/3-wochen-und-3-tage/

  2. Sarah - Schwesternliebeundwir

    Wunderbar beschrieben. Leider habe ich es bislang noch nicht erleben können, dass jemand diese umsorgende Rolle gut bewältigt. Bei uns gab es nach den Geburten immer nur entweder diesen vollkommen überfordernden Verwandschaftsbesuch oder eben keinen Besuch.

  3. Bella Berlin

    So wahr. Als ich das las, wurde mir wieder ganz anders, denn ich erinnerte mich an meine Zeit im Wochenbett: teils einsam, aufdringliche Verwandte, keine Hilfe außer „wir gehen mit deinem 7 Tage altem Baby raus, dann kannst du dich ausruhen oder Wäsche machen“. Damals war ich wie im Nebel und dachte, das muss so sein. Heute erst weiß ich es besser und wünschte manchmal, ich könnte die Zeit zurück drehen. Aber nun weiß ich wenigstens, wie ich es in Zukunft nicht mehr machen werden.

  4. Siebe Susanne. Du schreibst sehr treffend. Nach (zu) viel Besuch und Trubel beim ersten Kind wählte ich beim zweiten Kind ganz bewusst die „Einsamkeit“. Es war wunderbar. Ich habe das Glück, dass Eltern und Schwiegereltern nahe sind (räumlich und emotional). Bei Bedarf war da also immer jemand, der einspringen konnte/wollte. Für einen Spaziergang mit Hund und grossem Kind. Für ein rasches Aufräumen. Für einen Kuchen.
    Ein grosses Sommerfest war schon lange geplant, das Mädchen war noch keine Woche alt. Ich liess die Leute feiern auf unserm Hof und blieb ganz entspannt in meinen Privaträumen. Dann hatte ich Lust, mich dazuzugesellen, das schlafende Baby im Tragetuch. So viel Liebe, so viel zartes Willkommenheissen. Um mich dann wieder still und leise zurückzuziehen, als es uns reichte.
    Mein Glück war und ist wohl zu grossen Teilen von meinem Gefährten abhängig, der die Arbeit des Mutter-Seins voll erkennt. Mehr noch als ich selbst. O-Ton Gefährte: „Dein Job: Stillen. Das kann ich nicht. Den Rest kann ich machen.“ (Baby rumtragen, Baby wickeln etc, kochen, einkaufen, Haus putzen, Tiere versorgen,…). Das muss man dann nur noch annehmen können. Ich kanns. 😉
    Liebe Grüsse, Martina

  5. Ich hatte Glück, denn da unser Sohn Anfang Dezember geboren wurde, konnte mein Mann problemlos seinen ganzen angesparten Resturlaub aufbrauchen und war bis ins neue Jahr bei uns zu Hause. So konnte er mich im Haushalt entlasten und ich mich ganz an meine neue Rolle gewöhnen. Und ich konnte immer auf meine beste Freundin zählen, deren Tipps und Ratschläge als zweifache Mutter mir wirklich sehr geholfen haben. Ich muss aber auch zugeben, dass ich mich die ersten Wochen auch bewusst eingeigelt habe und die Zeit mit meinem Kind genießen wollte. Mag sein, dass da auch die besondere Weihnachtsstimmung reinspielte.

  6. Liebe Susanne,

    ja die Einsamkeit mit Kind kenne ich auch. Zwar nicht aus dem Wochenbett aber seit mein Sohn ca. 6 Monate alt war. Mein Mann ist arbeiten oder mit seinen Freunden unterwegs. Meine Freundinnen hingegen sind mit sich und ihren unterschiedlichen Leben beschäftigt. Manchmal habe ich das Gefühl neben meinem Kind zu vereinsamen. Natürlich liebe ich ihn und genieße auch die Zeit mit ihm aber ich habe dennoch Sehnsucht nach ein wenig Abwechslung und Ansprache.

  7. Silvana Leber

    Ich wurde schon eine Stunde nach der Geburt von meinem damaligen Mann alleine gelassen mit der neuen Situation. Umsorgt würde ich nicht. Wochenbett gab es auch keins für mich. Dafür viel Arbeit, viel Dreck.
    Meine Hebamme war super sympathisch und lieb. Wir verstanden uns sehr gut. Allerdings würde ich auch von ihr nach zwei Wochen alleine gelassen. Es gab keinen Anlass noch länger zu betreuen. Alles lief perfekt sagte Sie.
    Ich hatte nicht wirklich die Zeit mich mit meiner neuen Situation anzufreunden. Ich wurde in das Leben als Mutter hinein geschubst.
    Vier Wochen nach der Geburt hieß es dann wieder für mich „arbeiten“
    Vollzeit, mit Kind.
    Und jetzt ……..
    15 Monate später fühle ich mich immer noch alleine und einsam.
    Kaum ein sozialkontakt ist geblieben.
    Andere Mutter mit Kinder habe ich auch nicht kennengelernt.
    So sehr bin ich eingespannt in die Rolle als Alleinerziehende, selbstständige Unternehmerin mit Kind.
    Wenigstens mein Kleiner ist unter Gleichgesinnten und merkt nichts von dem Spagat seiner Mutter jeden Tag
    In diesem Sinne
    Liebe Grüße
    Eure Silvana

  8. Mein mann ging bereits am nachsten tag arbeiten. Eigentlich dachte ich, es sei kklar, dass er nicht von unserer seite weichen würde. Er brachte am nächsten morgen nur eine tüte croissants in die klinik u verließ sich drauf, dass meine mutter ja eh käme. Ich kam samstags aus dem krankenhaus u montags arbeitete er wieder. Natürlich „weniger“, nur bis 16 uhr. Meine mutter war dann da fur mich, aber sie warso angsterfüllt, dass ich selbst im umgang mit meinem angst bekam. Ich wollte sie nichtmehr um mich haben. Also räumte ich wenige tage später mit schmerzhaftestem dammschnitt u baby auf dem arm die spülmaschine aus. Während meine schwiegermutter – vom zum endbindungstermin geplanten urlaub (!) zurück – in der küche saß u sich von mir kaffee kochen ließ u mir unentwegt erzählte, dass sie vier wochen nach der geburt schon taufe gefeiert habe u hierfür alleine fünf gefüllte braten gemacht hätte. Das gefühl allein gelassen zu werden, obwohl jmd da ist, habe ich noch heute. Ich habe diese ersten wochėn nie vergessen u sie belasten unsere beziehung noch immer…

    • Marie Theres

      Boah…. Ich kann gut verstehen, wie allein gelassen du dich gefühlt habe musst. Und diese Mütter, die so wenig mütterliches an sich haben, ärgern auch mich.
      Ich hoffe, wir werden unseren Kindern in dieser Phase des Wochenbettes besser zur Seite stehen, fürsorglich, liebe- und verständnisvoll.
      Ich wünsche euch, dass falls es ein nächstes Wochenbett geben sollte, ihr besser kommuniziert, was vom jeweils anderen erwartet wird.
      Unsere Hebamme hatte mich damals dabei sehr gut unterstützt.

  9. Miriam Müller

    Für mich war das Wochenbett alles andere als schön. Eigentlich habe ich mich jeden Tag gefragt „Was habe ich getan? Wann wird das besser?“ Eine depressive Phase tat ihr übriges dazu.
    Mein Mann hatte einen neuen Job, Urlaub war also nicht drin. Somit war ich nach ein paar Tagen auf mich allein gestellt tagsüber. Nach Feierabend hat mein Mann mich umsorgt, das war super. Nur tagsüber… Ich habe echt auf den Abend gewartet.
    Geholfen hat mir, auch auf Anraten meiner Hebamme, Termine auszumachen. In der Stillgruppe waren wir nach 2,5 Wochen Babymassage nach 6 Wochen. Generell tat es und tut es auch nach 8 Monaten gut, unter Leute zu kommen. Als generell geselliger Mensch, der von heute auf morgen in ein Loch fällt, war das meine beste Therapie.

  10. Liebe Susi, mir geht es ähnlich zumindest was die Dorfsituation angeht. Wir sind auch aus Leipzig aufs Dorf gezogen und so sehr ich die Ruhe genieße ( bis auf die ständigen unangemeldeten Schwiegerelterbesuche, die nur mal Vorbeischauen wollten ?) fehlt es mir einfach mal schnell in die Stadt zu gehen – Einfach Kind ins Tuch und laufen, einen Kaffee trinken und Menschen um sich haben. Auch gibt es auf dem Dorf keine Angebote für Mams so dass mich das „gekutschte“ in die Stadt…Kind rein und raus aus dem Auto einfach nur noch nervt.

  11. Meine Zwillingsjungs waren zwei Jahre alt im Sommer als mein „einlingsmädchen“ geboren wurde. Kaiserschnitt, 35 Grad, mein Mann arbeiten, Schwiegermutter und meine Mutter hatten sich gestritten wer hier die bessere Oma war, und schliesszeit der kita meiner jungen war auch. Ich konnte kaum krauchen und war so Ultra gestresst und hatte solche schmerzen. Es war ein Albtraum. Ich werde es nie vergessen. Alle Kinder sind aufgrund dieser extremen Zustände krank geworden und mussten auch umsorgt werden. Dinge die ich kaum leisten konnte…Ich habe keine Ahnung wie ich das durchgehalten habe.
    Irgendwann wurde es besser…. Ich bin überrascht aber Menschen sind zäh, Mütter erst recht.

  12. Ich habe vor der Geburt viel übers Wochenbett und die empfohlene Ruhe gelesen und dann gedacht ich nach das dann so wie ich es brauche. Die erste Woche war ich wirklich nur am Liegen wg Dammschnitt. Ich wurde toll umsorgt, meine Oma kam mit Grießklößchensuppe „zum Stärken“. Haushalt konnte ich auch mal ignorieren. Der Schnitt ist dann gut verheilt und ich hatte Lust auf Ausflüge und Treffen. Meine Kleine hat es von Anfang an genossen unterwegs zu sein und von meiner großen Verwandtschaft bewundert zu werden. Ich lese oft, dass viele Frauen und Familien alleine sind (bei Krankheit etc.) und bin dann umso froher über meine Großfamilie. Daher will ich auch gern noch mehr Kinder damit sich dieses positive Familien-sein weiter trägt 😊

  13. Ich kann euch verstehen denn mir geht es nicht anders. Habe 2 Kinder die Große ist 9 und der Kleine ist 8 Monate. Wochenbett? Was ist das? Da mein Lebensgefährte selbstständig ist war ich schon nach dem zweiten Tag zuhause allein. Musste auch alles alleine bewältigen da meine Mutter nicht so kann wie sie möchte und meine Schwiegermutter nichts von Pamperswechseln hält. Wir leben in einem 3 Gerationen Haus was nicht einfach ist. Denn hier kert jeder vor seiner Tür und Enkelkinder werden nur betreut auf Anfrage oder wenn sie nicht mehr in die Hose machen. Somit hatte ich alles allein an der Backe. Ich wollte den kleinen auch einmal die Woche zu meiner Mutter bringen aber mein Lebensgefährte meinte nein das möchte er nicht. Helikoptervater?
    Aber er nimmt sich seine Freizeit geht Angeln oder auch mal einen Trinken oder ist bis 20 Uhr Arbeiten. Wir haben bis jetzt in 8 Monaten gerade einmal einen Abend zu zweit was unternommen. Nicht gerade viel. Viele Freunde habe ich dadurch auch nicht mehr. Ich fühle mich dadurch sehr einsamm und allein gelassen.

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