Wie ich durch meine Kinder Gelassenheit lernte

Gelassenheit_1

Vielleicht kennt Ihr diese Tage, an denen man denkt: „Heute läuft alles schief. Ich hätte im Bett bleiben sollen mit den Kindern.“ Und wisst Ihr was? Ja, Ihr hättet im Bett bleiben sollen. Nach 1617 Tagen Elternschaft, davon 318 Tage als zweifache Mutter, kann ich das sagen. Es gibt so Tage, an denen einfach nichts klappt. Dabei hatte man es so schön geplant. Man hat Termine, Verabredungen oder möchte einfach nur pünktlich das Kind in den Kindergarten bringen. Aber es geht nicht. Warum? Weil wir nunmal nicht alleine sind und selber über unser Leben bestimmen. Es gibt da diese kleinen Menschen, die eine ganz eigene Weltsicht haben und eine eigene Vorstellung davon, wie der Tag laufen soll.

Es ist Mittwochmorgen. Ich habe es geschafft rechtzeitig aufzustehen, um sogar noch morgens zu duschen. Die Kinder liegen noch im Bett und schlafen. Das sind die besten Morgen: Die Kinder schlafen nebeneinander friedlich weiter, obwohl ich schon wach bin und nicht mehr neben ihnen im Bett liege. Der Tag verläuft nach meinem Plan. Während ich mir die Haare einschäume, höre ich den Sohn erbost aufschreien, denn er hat nun doch gemerkt, dass ich nicht mehr da bin. Der Mann geht zu ihm, trägt ihn dann ins Bad. Zerknirscht werde ich von beiden angesehen, die Tochter stapft hinterher. Kein langes Duschen also heute, aber immerhin sauber. Die positiven Dinge sehen. Nun also zum nächsten großen Tagesereignis: das Frühstück. Der Mann bereitet wie jeden Tag den Tisch vor. Brot, großer Obstteller, Tee. Sein Plan für das Frühstück. Die Tochter hatte einen anderen. Sie ist verärgert, dass es keinen Mozarella zum Frühstück gibt. Auch für die Kleidung hat sie heute eine andere Idee als wir: Es müssen die pinken Socken sein, die aussehen wie Papas. Aber die Socken sind in der Wäsche. Unser Plan ist es, ihr andere Socken anzuziehen. Nach 15 Minuten Diskussion, weinen und Füßeverstecken schwenken wir um und holen die Socken aus dem Wäschekorb.

Vielleicht sagt jetzt jemand „Na, dann hat sie ja jetzt gewonnen!“ Es geht aber nicht um gewinnen oder verlieren. Es geht darum, dass Menschen eine bestimmte Vorstellung davon haben, wie der Tag abläuft. Auch Kinder haben Erwartungen. Das sieht man bereits an ihrem Spiel. Schon Babys lieben Spiele, in denen sie wissen, was als nächstes passiert. Gleich taucht Mama wieder hinter dem Tuch auf! Und die Großen sind manchmal so vertieft in ihre Planung, dass das eigentliche Handeln in den Hintergrund gerät „Und in Spiel bist Du dann die Mutter und Du gehst einkaufen, weil…“. Wir alle haben Erwartungen – und alle unterscheiden sich.

Was also tun, wenn verschiedene Erwartungen aufeinander treffen? Wenn es möglich ist, Kompromisse finden. Manchmal geht das, manchmal nicht. Unverhandelbar ist zum Beispiel Sommerkleidung im Winter, Süßigkeiten am Abend und Haare rosa färben. Doch drum herum um diese Dinge gibt es einen Bereich der Verhandlungsbasis. Wie sonst sollten Kinder das Bilden von Kompromissen lernen?

Ganz besonders oft ermahnen mich diese Situationen aber auch, dass ich selber einen Gang zurück schalte. Ich bin Mutter und habe zwei Kinder. Zwei kleine Kinder, die noch nicht schnell laufen können, die sich nicht schnell anziehen können, die nicht schnell zur Straßenbahn rennen können. Ich habe mir abgewöhnt, Bussen/Straßenbahnen/S- und U-Bahnen hinterher zu rennen. Ich gehe nie über rote Ampeln – selbst wenn die Kinder nicht dabei sind. Ich versuche so gut es eben geht, meine eigenen Erwartungen runter zu schrauben. Denn mal ehrlich: Ist es wirklich wichtig, exakt pünktlich zu sein? Darf man Socken nicht an zwei Tagen hintereinander tragen? Und ja: An manchen Tagen, da lass ich einfach alles liegen. Da setze ich mich – nach Überwindung meines eigenen inneren Antreibers – einfach in das Spielzimmer und bin bei meinen Kindern oder wir gehen noch einmal zusammen ins Bett. Das ist für mich nicht einfach, aber es letztlich ist es doch der einfachere Weg – und der schönere.