Alte Weihnachtsbräuche wiederentdecken – mit der Natur ein Fest des Lichts feiern

Weihnachten rückt näher und während man mehr und mehr mit Adventsbasteleien, Plätzchen backen und Einkäufen für den Heilig Abend beschäftigt ist, beschleicht die/den ein oder andere/n vielleicht auch das Gefühl, dass es nicht so ganz passt, dieses Fest.

Heilig Abend, die Geburt Jesu, der traditionelle Kirchgang am Weihnachtsabend – für Familien, die wie meine Familie nicht an den christlichen Glauben gebunden sind, fühlt sich das Fest vielleicht etwas falsch an. Doch auf Weihnachten ganz verzichten? Auf die Kindheitserinnerungen an diese „staade Zeit“, auf die schönen, aber auch anstrengenden Familientreffen, auf glänzende Kinderaugen?

Nein, ganz auf Weihnachten verzichten kann man sich auch schwer vorstellen. Auch meine Familie und ich hatten diesen Zwiespalt – einmal im Jahr ein kirchliches Fest zu feiern und den Rest der Zeit mit Kirche und Glauben nicht viel zu tun zu haben, erschien uns falsch. Auch lassen wir den Konsumwahn in der Vorweihnachtszeit uns außen vor. Die wenigen Geschenke werden selbst gemacht oder sorgfältig ausgewählt und wir selbst haben keine seitenlangen Wunschzettel. Es gibt  also Seiten an diesem Fest, auf die ich verzichten kann.

Gleichzeitig liebe ich die Vorweihnachtszeit. Der Duft von Plätzchen, das Basteln mit Zweigen, Zapfen, Hausmusik und die Abende bei Kerzenschein über Weihnachtsgeschichten – das alles wollte ich beibehalten. Doch worauf steuern wir dann zu, mit einer verzauberten Adventszeit, wenn nicht auf den Heiligen Abend?

Der Ursprung des Weihnachtsfestes als Anhaltspunkt nehmen

Vielleicht wollt ihr auch versuchen, den Lauf der Jahreszeiten bewusster zu erleben und haltet euch viel in der Natur auf. So lernen wir wieder mehr und mehr, mit dem Kreislauf der Natur zu leben.

Nur ein paar Tage vor Weihnachten, am 21. Dezember, schließt sich der Jahreskreis. Mit dem Tag der Wintersonnwende fand nach heidnischer Sage die Wiedergeburt der Sonne mit all ihrer Lebensfreude statt. Nach dem 21. Dezember werden die Tage wieder länger. Unter der Erde sammeln sich die Kräfte zu neuem Leben und bereiten sich unter den täglich erstarkenden Sonnenstrahlen auf das Frühjahr vor.

Für uns moderne Menschen mag das heute von geringer Bedeutung sein. Die Wohnungen sind in den meisten Haushalten angenehm temperiert, an Nahrung mangelt es uns nicht. Vielleicht macht uns der Mangel Licht und Vitamin D etwas zu schaffen.

Für die Menschen in der Antike jedoch war das Fest der Wintersonnwende ein bedeutender Feiertag ihrer Sonnengottheiten. Und bis ins 20. Jahrhundert war das Ende der kurzen Tage ein wichtiger Ausblick im harten Winter.

Heidnische und christliche Bräuche ins Familienleben einbinden

Es ist nicht so, dass wir in meiner Familie den Heiligen Abend jetzt drei Tage vorverlegen. Wir nehmen die Weihnachtsgeschichte mit Christi Geburt weiterhin mit in unsere Feierlichkeiten auf  und lassen ihr, wie der Wintersonnwende, einen Platz in unserer Weihnachtszeit. Die beiden Festlichkeiten stehen auch geschichtlich in engem Zusammenhang. Die Wintersonnwende wurde als heidnisches Brauchtum 400 Jahre nach Christi Geburt von der Kirche verboten. Da sich die Menschen das beliebte Fest jedoch nicht nehmen ließen, widmete die Kirche das Fest der Geburt Jesu, dessen genaues Geburtsdatum wohl im September oder Oktober liegt.
Die genauen Ursprünge des Weihnachtsfestes sind für mich persönlich nicht relevant. Für mich bedeutet die zeitliche Nähe von Wintersonnwende und Weihnachten lediglich, dass wir auch in der Weihnachtszeit eine weitere Verbundenheit zur Natur herstellen können.

So feiern wir in der Weihnachtszeit nicht nur Jesus, der im christlichen Glauben das Licht in die Welt bringt. Wir feiern auch das Licht, die Sonne, an sich.

In den früheren Bräuchen zur Wintersonnwende gab es kein großes, rauschendes Fest. Vielmehr wurde früher durch bestimmte Rituale um die Sonne getrauert, um danach ihre Wiedergeburt zu feiern. Es war die Zeit des Loslassens und der Besinnung. Das alte Jahr wird verabschiedet, um sich auf das neue Jahr einzustimmen.

Ein Sonnenwunsch-Rad für das neue Jahr

Ein kleines Ritual, mit denen Kinder sich dem Wandel der Dunkelheit zu längeren Tagen und der Kraft der Sonne bewusst werden können, möchte ich euch kurz vorstellen:

Diese Idee lässt sich bei einem Spaziergang in der Natur umsetzen. Gemeinsam als Familie oder auch allein werden Materialien gesammelt, die ein Sonnenrad ergeben.

  • Steine für den Kreis der Sonne
  • Stöcke oder Äste, die von den Steinen zur Mitte hin zeigen und ein Sonnenrad ergeben

Anschließend können noch die Elemente dargestellt werden:

  • eine Feder für die Luft
  • etwas Erde oder Pflanze/ein Zweig für die Erde
  • eine Schale mit Wasser oder Schnee für das Wasser
  • eine Kerze für das Feuer

Wenn ihr vor dem Spaziergang an eine Kerze denkt, kann das jüngste Familienmitglied (evtl. mit Hilfe) die Kerze entzünden. Die Kerze steht in der Mitte eures Sonnenrades. Alle fassen sich an den Händen.

Gemeinsam wird überlegt: Was war gut an diesem Jahr?

Was lassen wir los?

Gibt es etwas, was jeder einzelne als Licht in die dunkle Welt hinaustragen möchte?

Die Wünsche und Gedanken werden laut geteilt und wenn gewünscht, kann mit einem abschließenden Satz (zum Beispiel „Das Licht leuchtet in uns, gemeinsam tragen wir es hinaus in die Welt“) das Sonnenrad umrundet werden.

Naturmaterialien in die Vorweihnachtszeit einbinden

Auch in der Vorweihnachtszeit kann die Natur ein wichtiger Bestandteil sein. Draußen findet sich Moos für die Krippe oder Zweige für die Weihnachtsdeko. Dekoration aus Naturmaterialien kann eine schöne Alternative für gekaufte Deko-Artikel sein. Grüne Zweige, die zu einem Kranz gebunden werden. Zapfen, die mit einer roten Schleife einen Platz an unserem DIY-Weihnachtsbaum finden.

Nicht alles passt, nicht alles muss passen

Weihnachten wird, wie es jeder Tag im Jahr bei jeder Familie ist, bei uns allen ein bisschen anders sein. Manche verbringen ihn traditionell mit Christkind, Gottesdienst und Weihnachtsessen am 24. Dezember. Andere in der großen Familienrunde, oder mit dem Weihnachtsmann und seinen Rentieren am 25. Dezember. Und in anderen Ländern wird gar erst am 06. Januar gefeiert. Jede Familie geht dabei ihren Weg, nimmt die Traditionen auf, die passend erscheinen und versucht zum Jahresausklang Besinnlichkeit und Ruhe in die eigenen vier Wände zu holen.


Ganz gleich, ob ihr Weihnachten mit christlichen oder heidnischen Bräuchen verbringt: Ich wünsche euch vor allem ein friedliches Fest, das euren Wünschen und Bedürfnissen entspricht. Und wenn ihr eine Auszeit vom Familientrubel braucht: Ein Waldspaziergang wirkt oft Wunder…

Eure



Veronika hat Biologie, Naturschutz und Landschaftsplanung studiert und ist Mutter einer Tochter. In ihrer Kolumne „Naturorientiertes Aufwachsen“ berichtet sie von Wegen, auf denen Kindern die Liebe und der Respekt zur Natur als Samenkorn mitgegeben werden können.  Mehr über Veronikas Arbeit und ihre aktuellen Texte zu grünen Themen findet ihr auf ihrer Homepage, Instagram oder Twitter.


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