Haushalt und Kinder – unser einfacher Weg zur Vereinbarung

Am Anfang des Elternseins hatte ich die Vorstellung, ich könnte das Kind zu den Aufgaben und Tätigkeiten, die ich ohnehin schon hatte, hinzufügen und wir würden als Familie damit zurecht kommen, einen weiteren „Baustein“ in der Bausteinsammlung des Lebens und Alltags zu haben. Mit einem Kind ging das noch einigermaßen gut. Dann kam das zweite Kind, das Kind mit wesentlich stärkeren Bedürfnissen, und es ging schon etwas schwerer. Und dann kam das dritte Kind und wir sahen: Es geht nicht um Vereinbaren, sondern um Prioritäten und um Umverteilung. Es gibt feste Bestandteile im Lebensalltag, die kombiniert werden müssen in einem System und es geht darum, es sich einfach zu machen: im Zusammensein mit den Kindern, in der Partnerschaft, im Job (so gut es geht) und im Haushalt.

Wie Haushalt und „Erziehung“ zusammen hängen

Unser Familienalltag beeinflusst unser Familienleben in nicht geringem Ausmaß: Stress führt zu negativem Erziehungsverhalten. Das gilt nicht nur für den Stress, dem wir ausgesetzt sind durch die Arbeit, durch schwierige Situationen mit unseren Kindern, sondern auch der Stress, der aus uns selbst heraus kommt, weil wir das Gefühl haben, wir müssten etwas besser/ordentlicher/genauer machen. Wir sind heute häufig unter Druck und dieser Druck wirkt sich auf den Familienalltag aus. Unser Blick geht oft auf die Dinge, auf das, was wir erledigen sollten, auf Ordnung. Und dieser Druck im Blick auf die Dinge stellt sich vor den Blick auf die Beziehung und das Zusammensein. „Ich muss erst noch aufräumen“, „Ich muss noch schnell die Wäsche…“ und erst dann kommt das Zusammensein.

Sich den Alltag vereinfachen

Im Familienalltag – und jedem anderen – gibt es Dinge, die nicht nicht gemacht werden können: Abwasch muss gespült werden, Wäsche gewaschen, Schmutz beseitigt werden. Es gibt immer Dinge, die erledigt werden müssen. Daran können wir nichts ändern. Woran wir etwas ändern können, ist das Ausmaß der Dinge, das wir bearbeiten müssen und darin liegt ein großer Reichtum, um Zeit und Energie zu sparen und in die Beziehung und das Miteinander zu investieren. „Es sich einfach machen“ bedeutet nicht, alles liegen lassen zu müssen. Es bedeutet auch nicht, eine Reinigungskraft haben zu müssen, denn gerade in der Elternzeit (und nicht nur dann) ist das Geld in vielen Familien knapp. „Einfach machen“ können wir es uns, indem wir die Aufgaben vereinfachen, das, was getan werden muss, reduzieren und notwendige Aufgaben gut verteilen.

Dinge reduzieren, um weniger aufzuräumen

Wir sind keine Familie, die sich auf den ersten Blick dem Minimalismus verschrieben hat. Ich mag den Jahreszeitentisch mit seinen vielen Kleinigkeiten, die vielen Bücher in unseren Regalen und meine Auswahl an Kaffeetassen. Unsere Wohnung ist nicht rein weiß und mit wenigen schlichten Dingen bestückt: Wir haben viele alte Möbel, die verschiedene Epochen wild kombinieren und über die Jahre immer wieder neu gestrichen wurden. Und dennoch hat das Thema Minimalismus, als ich anfing mich damit zu beschäftigen, mir viele hilfreiche und gute Anregungen für den Alltag gegeben und zu wesentlich mehr Entspannung geführt. Wir haben unseren eigenen Minimalismus entwickelt, passend zu unserer Familiensituation, zu unser Leben.

Ein Pixiebuch ist nicht deswegen schön, weil es das 10. Büchlein ist, sondern weil wir uns die Zeit nehmen, es dem Kind vorzulesen – aber vielleicht erreichen wir dieses Glücksgefühl auch durch ein Buch, das wir schon haben?

Wie in eigentlich allen Konzepten gilt auch hier: Es gibt nicht den einen immer richtigen Weg für alle und ich denke, in jeder Familie kann ganz individuell damit umgegangen werden, wie genau der Alltag vereinfacht werden kann. Für uns führte der Weg zunächst zum Aussortieren: Wir Erwachsenen nahmen in einem ersten Schritt in den Blick, was von den vielen Dingen wir wirklich brauchten. Wir begannen mit dem Aussortieren von Büchern, die wir dann verkauften oder verschenkten, machten weiter über Kleidung und landeten schließlich bei der Küche und sortierten dort die Dinge aus, die wir eigentlich nie benutzten, die wir aber mal geschenkt bekommen hatten oder die „vielleicht doch irgendwann mal sinnvoll sein könnten, aber nur jetzt gerade nicht“. Nach und nach wurde es weniger, ich las auf Blogs und in Büchern Tipps zum Reduzieren und wir merkten: Der Alltag entspannte sich durch Vereinfachung und Reduzierung. Es gab weniger „Ich muss noch“ und mehr „Lass uns zusammen“. Durch das Aussortieren gewannen wir Zeit und Ruhe im Alltag. Die Aufräumzeit am Abend verringerte sich ebenso wie das negative Gefühl, unbedingt noch etwas tun zu müssen.

Dinge langsam reduzieren – So kannst Du beginnen:

  • Suche Dir einen Raum, einen Bereich aus, in dem Du beginnen möchtest: Bad, Schlafzimmer, Küche, Wohnzimmer? Wir haben mit dem Raum begonnen, der uns am übersichtlichsten und einfachsten erschien
  • Beginne nicht mit dem Kinderzimmer: Wir sind Vorbild für unsere Kinder und sollten dann, wenn wir Dinge im Alltag reduzieren wollen, in unserem eigenen Alltag beginnen.
  • Marie Kondo, Autorin von „Magic Cleaning“ empfiehlt, jedes Ding in die Hand zu nehmen und sich zu fragen, ob es einen glücklich machen würde und sinnvoll sei.
  • Sortiere aus, verkaufe, verschenke und lass es auf Dich wirken.
  • Jedes Ding hat seinen Ort: Finde für die Dinge, die da sind, ihren Ort. Dieser Ort muss natürlich für alle Familienmitglieder passend sein: Es hilft nicht, wenn Du für die Brotdosen eine Schublade festlegst und jemand anderes sie immer in den Hängeschrank räumt.
  • Sei entspannt: Wahrscheinlich wirst Du im Laufe der Zeit immer mehr Dinge finden, die ihr eigentlich nicht braucht und mehr dazu lesen und weiter reduzieren. Wenn man den Blick einmal dafür geöffnet hat, beginnt das Nachdenken über das, was man wirklich braucht. Mach es aber entspannt. Manchmal merkt man erst im Laufe der Zeit, was man braucht und was nicht. Es ist kein Wettlauf, sondern es geht um Entspannung des Alltags.
  • Beim Einkaufen nachdenken: Natürlich ist es nicht nur wichtig, aktuell auf- und auszuräumen, sondern das auch im Alltag im Blick zu haben und zukünftige Einkäufe im Blick zu haben: Müssen wir das wirklich kaufen? Ist das wichtig? Gerade im Alltag mit Kindern, wenn man verleitet ist, hier und da noch einen Schnickschnack an der Kasse mitzunehmen, ist dieses Bewusstsein dafür hilfreich. Es geht nicht um die Dinge, die wir den Kindern schenken oder mitbringen, sondern um die Zeit, die wir mit ihnen verbringen.

Familienhaushalt ist Familienhaushalt

Ein weiterer wesentlicher Bestandteil zur Vereinfachung von Haushalt und Familienleben ist der Gedanke: Familienhaushalt ist Familienhaushalt. Es ist nicht die Aufgabe einer einzelnen Person, sich um einen Haushalt zu kümmern, sondern die eines ganzen Systems, in das jeder nach seinen Möglichkeiten seine Kräfte einbringen kann. Für uns bedeutet das: Wir alle sind an allen Dingen beteiligt und machen mit. Und jeder macht das, was er gut kann. Dafür ist zunächst Kommunikation wichtig: Wer macht was besonders gerne und gut? Während mein Mann gerne einkauft und auch die Lebensmittelwochenplanung gut im Blick hat, habe ich eher Stärken und Freude an Wäsche und Kleidung. Und auch die Kinder sind nach ihren Fähigkeiten und Vorlieben beteiligt.

Aufgabenverteilung im Familienhaushalt

  • Haushalt ist die Aufgabe der gesamten Familie
  • Aufgabenverteilung: Wer macht was gerne oder ist in welchem Bereich besonders gut?
  • Kinder sind kompetent und können auch am Haushalt mitwirken von klein auf: Auf kleine Hände können beim Ausräumen des Geschirrspülers helfen oder Socken zusammen finden und -legen. Das Müllwegbringen ist bei uns auch nach Fähigkeiten der Kinder aufgeteilt: das kleinste Kind trägt den kleinen Beutel mit Biomüll, das mittlere Kind die leichten Verpackungen, das große Kind die Flaschen.

Habt Ihr auch Tipps zur Vereinfachung des Alltags oder bereits ähnliche Erfahrungen gemacht?
Eure

5 Kommentare

  1. Schöner Artikel, danke.
    Der Minimalismus ist etwas sehr nützliches. Doch zu 5 manchmal schwierig. Da gibt es viele Kompromisse. Doch ich versuche auch immer wieder zu reduzieren.
    Etwas gutes ist auch, wenn man etwas kauft oder bekommt (z.B. Kleidung) mindestens wieder etwas weg zu geben. So wird es tendenziell weniger.
    Meine Kinder lieben es Fenster zu putzen, das Bett abzuziehen (ich zeihe es jeweils dann frisch an) und dann mit den Bezügen zu spielen, ebenso Boden- und Toiletteputzen.
    Das Entsorgen erledigen wir immer gemeinsam zu Fuss.
    Liebe Grüsse Eva

  2. Eine gute Anregung für die Ferien. Ich empfinde Ausmisten als befreiend, trotzdem hat sich Mal wieder einiges angesammelt.
    Bei uns ist das Socken zusammen legen Aufgabe der größeren Kinder, manchmal spielen wir zusammen Socken Memory.
    Meine älteste Tochter hat im Alltag oft so viel für die Schule zu erledigen, dass nicht mehr viel Zeit bleibt für kleinere Aufgaben im Haushalt.

  3. Frau Kelu

    Ich frage mich bei jeder Neuanschaffung: Macht es unser Leben leichter/schöner? Wirklich? Wenn ja, dann wird es gekauft. Eine Spülmaschine hat so den Weg zu uns gefunden – und, es macht unser Leben viel leichter und tut gut. Jeder räumt nach den Essen etwas Geschirr ein, ungefähr jeden zweiten Tag wird sie angeschaltet.

    Altersentsprechende Bücher finde ich sehr wichtig, genau wie Gesellschaftsspiele für die ganze Familie. Bücher werden oft in der Bücherei geliehen – so ist das Gefühl da, immer mal was neues zu lesen. Gerade Sachbücher werden auch oft gekauft – wir schauen gerne etwas aus dem Alltag in Büchern nach.

    Je kritischer und weniger man einkauft, desto seltener muss auch entrümpelt werden – leider reduziert sich der Haushalt dann ganz von alleine – Kleidung/Schuhe gehen kaputt, Geschirr fällt runter… und irgendwann gibt es dann eine Liste mit „muss-mal-wieder-angeschafft-werden“-Dingen.

  4. Ich komme schon mit einem Kind nicht mal dazu, die Spülmaschine zu befüllen, weil mein Baby (10 Monate) sich sofort an die Körbe in der Maschine hängt. Wie soll ich dann erst Dinge wie Fensterputzen bewältigen? Momentan läuft mein ganzer Haushalt abends – statt Entspannung vorm Schlafengehen. Hilfreich mitarbeiten kann der Kleine ja noch nicht – was also tun?

  5. Es gibt eine solche Theorie der Zone der proximalen Entwicklung von Vygodsky. Wenn Sie einem Kind etwas beibringen wollen, müssen Sie ihm dabei helfen, etwas zu tun, was er kann, aber immer noch mit Schwierigkeiten. Etwas, das über die Grenzen seiner tatsächlichen Entwicklungszone hinausgeht (das kann er jetzt selbst). Zuerst führen Sie mit ihm, reduzieren dann die Größe der Hilfe und am Ende bewältigt das Kind sich selbst – er beherrscht eine neue Fähigkeit. Vergiss das nicht – hilf ihm am Anfang, wirf ihn nicht vor eine schwierige Aufgabe, und wenn er anfängt, alleine zu arbeiten – überprüfe ihn ein paar Mal und vertraue nach einer Weile den gesamten Prozess bis zum Ende an.

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