Hören und verstehen als Handlungen im Familienalltag

Wenn ich darüber schreibe, wie wichtig es ist, die Kinder in schwierigen Situationen zu verstehen und die Ursachen ihrer Handlungen zu ergründen, werde ich immer wieder gefragt: „Ja, aber wenn ich nichts daran ändern kann, was bringt es dann?“ oder „Ja, aber manchmal muss das Kind da eben einfach durch.“ Ja, das stimmt. Manchmal können wir an Situationen nicht groß etwas ändern. Manchmal können wir aber Kleinigkeiten ändern mit großer Wirkung. Und ganz oft ist das Verstehen eigentlich schon die Handlung. Und deswegen ist es so wichtig.

Wenn ich im Alltag gestresst bin oder die Tage ganz anders laufen, als ich es möchte, ist manchmal daran nichts zu ändern. Ich  – als Erwachsene – muss durch diese Tage hindurch. Ich beiße manchmal die Zähne zusammen, wenn es keine anderen Lösungen gibt. Aber auch dann, wenn sich an den Umständen nichts ändern lässt, bin ich froh um die Menschen, denen ich mein Leid klagen kann. Ich bin froh, abends meinem Mann zu sagen: „Puh, das ist gerade sehr anstrengend alles und ich kann nichts ändern.“ Und er schaut mich an und bestätigt es. Er nimmt mich wahr, versteht. Auch wenn er nicht helfen kann, tut es gut, sich verstanden zu fühlen, gesehen zu werden. In den Arm genommen zu werden, um nicht allein zu sein.

Auch unseren Kindern tut es gut, gesehen und verstanden zu werden. Sicherlich können wir nicht alle Wünsche erfüllen – und müssen es auch nicht. Aber wir können ihre Bedürfnisse anhören. Manchmal können wir dann, wenn wir die Gründe verstanden haben, vielleicht doch etwas ändern. Vielleicht auch nur eine Kleinigkeit. Wie bei der Bahnfahrt: Es war zu viel erwartet, dass das Kind nun auch noch lange ruhig sitzen kann und es brauchte etwas mehr kindliches Spiel. Etwas mehr Kindgerechtes in dieser Situation. Und das zu erkennen, hat ein wenig geholfen und konnte die Situation erleichtern.

Und wenn wir gar nichts ändern können, dann sind wir einfach da. Wir sagen: „Hey, ich verstehe Dich. Du bist nicht allein. Es tut mir leid, dass es gerade nicht anders geht. Wir gehen da jetzt zusammen durch. Denn zusammen ist man weniger allein.“ Und darauf kommt es doch irgendwie an – bei uns Erwachsenen und auch bei den Kindern.

Eure

 

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