Teilzeit – Windelfrei – Jedes Abhalten ist eine Windel weniger

Bei meinem letzten Kind habe ich mit windelfrei angefangen als es etwa 5 Monate alt war. Wir verwendeten von Anfang an Stoffwindeln und ich war und bin eine generell häufig wickelnde Mutter. Denn selbst wenn auch Stoffwindeln heute beeindruckend viel Flüssigkeit aufnehmen können, finde ich es für das Kind unangenehm, es in seinen Ausscheidungen zu lassen. Das gilt übrigens auch bei den noch mehr saugenden Wegwerfwindeln. Beim zweiten Kind merkte ich immer wieder eine ausgesprochene Unruhe und Unzufriedenheit. Eines Tages stellt ich fest, dass das auch mit seinen Ausscheidungen zusammen hing und begann damit, es abzuhalten. Es war hierdurch wesentlich zufriedener und ab dem neunten Monat waren die Signale sehr klar. Es hat zwar noch eine Weile gedauert bis die Windeln weggelassen werden konnten, aber es waren deutlich weniger Windeln, die voll wurden. Ein Konzept, das mich überzeugte und das ich weiter führen wollte.

Nicht in den Ausscheidungen lassen

Babys möchten nicht in ihren eigenen Ausscheidungen liegen oder sitzen. Niemand möchte dies. Auch dann nicht, wenn Windeln diese Ausscheidungen aufsaugen und auch den Geruch nicht mehr so stark werden lassen. Es hat mit Wertschätzung gegenüber dem anderen Menschen zu tun, ihn nicht hilflos in seinen Ausscheidungen liegen zu lassen – das gilt für ältere erwachsene Menschen wie für Kinder. Wenn wir das Baby abhalten oder häufig die Windel wechseln, zeigen wir ihm damit: Ich achte Deinen Körper und Dich, ich nehme Dich ernst. Das Windelwechseln ist dabei mehr als nur ein Akt der Körperpflege. Es kann auch ein wunderbarer Moment sein, um miteinander ins Gespräch zu kommen, um das Baby mit seinem Körper vertraut zu machen. Für diesen Moment sollten wir uns Zeit nehmen, uns und das Kind nicht hetzen. Wickeln muss kein Kampf sein, sondern Bestandteil der natürlichen und alltäglichen Interaktion.

Signale des Babys wahrnehmen

Wir wechseln die Windel, weil unser Baby vielleicht unruhig wird. Es zeigt uns mit seinem Verhalten, dass es sich unwohl fühlt und wir nehmen dieses Verhalten wahr und reagieren darauf. Beim Abhalten des Babys tun wir genau dieses auch: Unser Baby zeigt uns nur schon vorher, dass es ein Bedürfnis hat: Nicht das Bedürfnis, von der vollen Windel befreit zu werden, sondern das, gar nicht erst in die Windel zu machen, sondern sich außerhalb davon  zu befreien. Schon der bekannte Kinderarzt Remo Largo beschreibt, dass Babys vor einer Ausscheidung einen Schrei von sich geben. Darüber hinaus gibt es jedoch auch zahlreiche andere Ausdrucksformen und im Laufe der Zeit wandeln sich die Signale des Babys bis das Bedürfnis immer mehr versprachlicht wird. Auch gibt es bestimmte Momente, in denen es sehr wahrscheinlich ist, dass das Baby ein Ausscheidungsbedürfnis hat: während oder nach dem Stillen/Flaschenfütterung oder auch nach dem Aufwachen. Das Baby hat ein Bedürfnis, signalisiert es und der Erwachsene reagiert darauf mit Abhalten. Es ist also kein Töpfchenunterricht, der stattfindet, sondern einfach die Beantwortung eines Bedürfnisses.

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Alltagstauglichkeit?

Windelfrei bzw. das Abhalten ist im Alltag durchaus machbar. Je näher das Baby bei einem ist, desto einfacher kann man die Signale spüren und darauf reagieren. Auf diese Weise lernt man nach und nach das Baby und seine Kommunikation noch besser kennen. Doch natürlich gibt es auch Momente, in denen es vielleicht nicht klappt. Oder Zeiten, in denen man weniger körpernah ist oder einfach gerade den Kopf mit anderen Dingen voll hat und weniger gut „versteht“. Deswegen werden auch bei „windelfrei“ Windeln als Backup genutzt. Besonders Stoffwindeln sind hierfür natürlich geeignet. Sie sollten schnell zu wechseln sein und praktisch ist es, wenn nur die Einlagen ausgewechselt werden müssen und sich die Windel auch schnell und einfach öffnen lässt, da kleine Babys ihr Bedürfnis noch nicht lange anhalten können.

Es ist möglich, dass das Baby das Abhalten von uns nach einer Weile erwartet und etwas „empört“ auf eine nasse Windel reagiert und uns so ermahnt, es schnell zu säubern. Das ist jedoch auch ein positiver Nebeneffekt. Es verlernt nicht, dass es lieber sauber sein möchte. Es erfährt immer, dass der trockene Zustand richtig und normal ist und muss dieses nicht später erst wieder zurück erlernen. Windelfrei wachsende Babys sind in der Regel schneller ganz windelfrei. Wir müssen ihnen später nicht erst wieder beibringen, dass Windeln eigentlich doch nicht so praktisch sind und sie sich lieber an einem anderen Ort entleeren sollen als die Ausscheidungen bei sich zu tragen.

Und auch sonst hat es weitere sehr positive Vorteile: Abgehaltene Babys sind weniger wund und haben seltener Windeldermatitis. Es hat also durchaus positive gesundheitliche Aspekte, es auszuprobieren.

Teilzeit – Windelfrei: Einfach beim Wickeln mal abhalten

Es ist dennoch auch vollkommen in Ordnung, wenn man sich gegen windelfrei im Alltag entscheidet. Und auch bei mir gibt es Phasen, in denen es einfach gerade gar nicht geht und solche, in denen ich wirklich Zeit und Raum dafür habe. Aber es gibt die kleinen Momente, in denen es immer möglich ist. Einer dieser Momente ist das Wickeln des Babys: Immer wenn es frisch gewickelt wird, halte ich es ab. Denn: Oft entleeren sich die Babys doch sowieso genau in diesem Moment. Und jedes Abhalten ist eine nasse Windel weniger. Es lohnt sich deswegen, es einfach mal auszuprobieren: für den Windelverbrauch/die Windelwäsche, für das Baby und auch für uns als Erwachsene, die auf diese Weise mit dem Baby kommunizieren können. Nicht selten entwickelt sich aus diesem Ausprobieren dann doch noch etwas mehr, vielleicht sogar das Abhalten nachts.  – Oder auch nicht, wie man mag und es passt. Windelfrei macht uns nicht zu besseren Eltern, aber es kann eine wirkliche Erleichterung im Alltag sein. Probiert es doch einfach mal aus.

Eure
Susanne_clear Kopie

 

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