Beobachte Dein Baby, um es zu verstehen

Wenn wir uns mit unserem Kind vertraut machen wollen, wenn wir es verstehen möchten, hilft es nicht, möglichst viele Bücher zu lesen oder Studien über die kindliche Entwicklung durchzugehen. Es hilft nicht, dass wir uns von anderen sagen lassen, was wir zu tun hätten. Denn jedes Kind ist ein wenig anders. Normwerte sind die Angaben des Durchschnitts, aber links und rechts davon gibt es viele andere Kinder: langsamere und schnellere, größere und kleinere, dickere und dünnere. Was uns wirklich hilft, wenn wir unser Kind kennen lernen möchten, ist das Beobachten.

Eltern müssen daher keine Babyflüsterer sein, denn dieses Wort geht genau an dem vorbei, was wir eigentlich meinen und was Babys sich wünschen. Eltern müssen Babyversteher werden – nach und nach.

Geborgen wachsen. Wie Kinder glücklich groß werden, S. 59

Zur Ruhe kommen als Eltern

Wir sind es nicht mehr gewöhnt, still da zu sitzen und zu beobachten. Wir bewegen uns, haben mit vielen Dingen gleichzeitig zu tun. Wir sind mit den Gedanken schon beim nächsten Projekt bevor wir eines abgeschlossen haben. „Ich muss noch die Waschmaschine ausräumen.“ höre ich mich sagen während ich das Geschirr in den Geschirrspüler stelle. Doch wenn es um unsere Kinder geht, müssen wir wieder zurück finden zu diesem Zustand der Ruhe, des Beobachtens. Denn dann, wenn wir dies tun, können wir unsere Kinder wirklich verstehen.

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Das Baby im Alltag beobachten

Also nehmen wir uns einmal die Zeit und legen uns neben unser Baby: Wir beobachten, wie es sich bewegt, wohin es blickt und merken, wie weit es schon schauen kann. Wir entdecken, was es selbst entdeckt, was es gerade spannend findet. Vielleicht ein Schattenspiel an der Wand? Wir stellen fest, wie aufregend die Welt eigentlich ist und wie wenig es Bedarf, damit sich das Baby unterhalten fühlt. Wir sehen, wie sich Arme und Beine bewegen, ob die Hände schon gezielt greifen oder noch unschlüssig in der Luft umher wandern. Vielleicht zeigt es uns mit seiner Körperhaltung, dass es jetzt hochgehoben werden möchte? Wir beobachten den Gesichtsausdruck, seine Töne und hören nach und nach die Unterschiede in seinem Ausdruck: es gluckst vor Freude, es ruft, es schreit auf bevor es ausscheidet. Wir lernen die Sprache unseres Babys verstehen. Und selbst wenn es schläft, können wir es beobachten: Ob es tief und ruhig schläft oder ob die Augen sich noch unruhig hinter den geschlossenen Lidern bewegen. Ist es schon im tiefen Schlaf versunken oder nur oberflächlich und noch nicht ablegbar?

Schon fast meditativ ist die Rückkehr zur Beobachtung, zur Langsamkeit. Sie lehrt uns viel über unser Baby, lässt es uns verstehen. Und ein wenig lernen wir dabei auch über uns selbst.

Eure
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