Ich bin bei Dir – Wenn Babys weinen

Die Sonne, der Wind, die Blätter am Baum. Ein Sonnenstrahl, der Dich an der Nase kitzelt. Schattenbilder sind an der Wand gemalt. Die Stimmen Deiner Geschwister, mal laut, mal leise. Das Auto, das vorbei fährt. Hände, die Deinen Körper streicheln, die hoch nehmen, Dich hinlegen. Eine Windel wird abgenommen und eine frische angelegt. Und dann Dein eigenes Lachen, das aus Dir empor steigt und das noch so neu ist. – Du erlebst so viel jeden Tag. So viele neue Eindrücke. Dinge, die Du noch nie gesehen oder erlebt hast. Je mehr Du im Hier und Jetzt ankommst, desto mehr nimmst Du auch davon wahr. Manchmal, in Deinen wachen Momenten, scheint es, als könne man Dir beim Denken zusehen, beim Staunen. Und manchmal ist es auch einfach zu viel. Zu viele Eindrücke, zu viele neue Momente. Du möchtest Dich in Dich, in den Schlaf, zurück ziehen und kannst es aber nicht. Du weinst aus Erschöpfung und wünschst, dass Du endlich schlafen kannst. Ich sehe es in deinen kleinen Augen und bin bei Dir.

Ich bin immer bei Dir: wenn Dein Bauch schmerzt, wenn Du nicht einschlafen kannst, wenn Du traurig bist oder Hunger hast. Ich bin hier und versuche, jedes Deiner Bedürfnisse zu erfüllen – noch bevor es akut wird. Du bist ja noch so klein und verstehst die Welt noch nicht, verstehst nicht, warum Dein Körper Dir diese Signale gibt. Ich bin bemüht zu versuchen, dass die Reize am Tag nicht zu viel werden, dass Du ganz in Ruhe ankommen kannst hier. Und doch geht es nicht immer. Manchmal weinst Du.

Wenn Du weinst, halte ich Dich in meinen Armen. Manchmal lassen sich die Tränen schnell trocknen, manchmal erzählst Du damit eine Geschichte. Es geht mir nah Dich weinen zu sehen und ich wünsche mir so sehr, dass es Dir besser geht. Manchmal komme auch ich damit an meine Grenzen und frage mich, warum Du eigentlich weinst und warum ich es gerade jetzt nicht beenden kann. Manchmal machen mir Deine Tränen das Herz so schwer. Ich bin froh, wenn jemand bei mir ist und ich mich nicht alleine fühle – so wie Du jetzt auch.

Doch letztlich geht es dabei nicht um mein Herz. Es geht um diesen kleinen Menschen in meinem Arm, der mich braucht. Ich bleibe bei Dir, zähle jede Träne. Denn wenn Du eines jetzt brauchst, dann ist es Nähe. Du möchtest erfahren, dass es andere Menschen gibt, die sich um Dich sorgen. Menschen, die sich in Dich einfühlen und versuchen, Dich zu verstehen und so helfen zu können. Du möchtest Dich in den Armen eines lieben Menschen geborgen fühlen und durch die Hormone, die durch diese Nähe ausgeschüttet werden, beruhigt werden. Du möchtest die sanfte Stimme hören, die Du kennst und Dir signalisiert, dass Du nicht allein bist. Die Stimme, die schon immer bei Dir war von Anfang an. Du möchtest gewiegt und geschaukelt werden in umschließenden Armen – so wie Du früher im engen Raum der Gebärmutter geschaukelt und umfasst wurdest.

Du möchtest nicht allein gelassen werden mit Deinem Schmerz oder Deiner Überforderung. Alleinsein bedeutet für Dich, verloren zu sein, abgeschnitten von allem, was Dir helfen könnte, von allem, das Dich am Leben erhalten kann. Jetzt allein zu sein, das würde Dir das letzte nehmen, das Dir helfen kann. Mich.

Und so gehe ich auf und ab mit Dir wenn Du weinst. Bin ganz nah bei Dir und halt Dich fest. Ich gebe Dir Halt. Jetzt und immer wenn Du mich brauchst.

Susanne_clear Kopie

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