„Das 3. läuft dann so mit…“

Seit fast 2 Wochen sind wir nun Eltern von 3 Kindern. Wenn mich Freunde und Bekannte fragen, wie es so läuft und ich ihnen sage, dass es eigentlich ganz gut ist, wir uns gut einleben und das Baby sehr entspannt ist, sagen viele: „Ja, das dritte Kind läuft dann so mit!“ Und jedes Mal, wenn ich das höre, zucke ich ein wenig zusammen. Nein, das dritte Kind läuft nicht so einfach mit. Das dritte Kind ist ein Kind wie die anderen, möchte gesehen und gehört werden. Es läuft nicht einfach so mit. Aber wir Eltern.

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Jedes Kind hat das Recht darauf, kennen gelernt zu werden. Jedes Kind ist einmalig, ist besonders in seiner Art, seinem Temperament, seinem Ausdruck. Es ist ein eigenständiger Mensch, anders als andere. Und genau als dieser Mensch sollte es auch angenommen werden. Wir müssen uns nicht fragen, was dieses Kind gleich macht mit anderen (auch wenn wir natürlich immer auch vergleichen), sondern vielmehr dahin kommen, zu sehen, wer dieses Kind eigentlich ist, was es gerade anders macht als andere, was seine persönlichen Charakterzüge sind. Wir müssen nach und nach verstehen, wie es sich ausdrückt, wie es seine Bedürfnisse anmeldet und wann es das gerne tut. Wenn wir es vorurteilsfrei so wahrnehmen wie es ist, können wir es verstehen lernen und so miteinander in einen guten und langfristigen Austausch kommen – bei jedem Kind aufs Neue.

Kinder können nicht einfach im Alltag mitlaufen, weil wir ihnen eben genau das geben müssen: unsere Aufmerksamkeit und unsere Zuwendung. Dennoch scheint mir die Kommunikation mit jedem Kind einfach zu werden. Aber nicht, weil es das Kind von sich aus einfacher machen würde aufgrund der Geburtsfolge. Es sind vielmehr wir Eltern, die einfach so mitlaufen. Viele Dinge  haben wir schon gesehen oder erlebt: Milchstau, Kinderkrankheiten, Wachstumsschmerzen, abfallende Nabelschnüre, Milchschorf, Ausschlag. So schnell kommt nichts Neues hinzu, das wir noch nicht durchgestanden hätten. Wir sind entspannter geworden als beim ersten Kind, ruhiger. Wir warten ab, nehmen uns Zeit. Vielleicht auch gerade, weil uns die Kinder gelehrt haben, dass wir sie einfach annehmen müssen wie sie sind. Unsere Erwartungen an ein kleines Baby interessieren diesen kleinen Menschen einfach nicht. Er ist einfach da. Und je mehr wir gelernt haben, genau das anzunehmen, desto einfacher wurde es.

Schließlich sind also wir Eltern es, die einfach mitlaufen. Wir begleiten unsere Kinder, wir laufen mit ihrer Entwicklung mit. Wir sind ihnen ganz nah, hören bei jedem einzelnen Kind wieder zu, verstehen aber immer besser. Und selbst wenn wir nicht verstehen, haben wir gelernt, dass das Zuhören manchmal schon reicht.

Eure
Susanne_clear Kopie

 

10 Kommentare

  1. Wieder sehr schön geschrieben. Es wäre doch eine traurige Vorstellung, wenn das (dritte) Kind einfach nur mitlaufen darf. Vermutlich haben einige der Eltern, sich jedoch einfach falsch ausgedrückt, weil ihnen gar nicht bewusst war, dass sie selbst es waren, die so gut mitgewachsen und entspannter geworden sind.
    Ich wünsche euch jedenfalls weiterhin ein gutes Ankommen und Kennenlernen. ?
    Liebe Grüße
    Sabrina

  2. Wunderschön geschrieben – ja und es stimmt: Jeder Mensch ist einmalig und ein Geschenk Gottes. Gute Wünsche und liebe Grüße!

  3. Mich hat bei unserem dritten Kind schockiert, wie abwertend Menschen über dieses neue Leben reden (“War das geplant?“ ist auch so ein Kommentar).

    Jeder Mensch ist einzigartig und ein Wunder, jedes Kind ein Geschenk.

  4. Ein sehr schöner Text und so wahr! Wir haben nur 2 Kinder, aber auch da merke ich, dass ich die Gedanken der Kleinen jetzt in der Autonomiephase besser nachvollziehen und annehmen kann, damit kommt es wesentlich seltener zu dollen Wutanfällen- ein großer Vorteil! Da hatte es Ihr Bruder schon wesentlich schwerer mit uns! Euch weiterhin eine gute Kennenlernzeit!

  5. Eigentlich ist es doch auch ziemlich widersinnig zu glauben, ein ganz neuer Mensch würde aus den Erfahrungen der Geschwister, die vor ihm da waren, lernen. Natürlich sind es die Eltern, die gelernt und sich weiter entwickelt haben!

  6. Katrin Rosendahl

    Ich finde auch, das hast Du sehr richtig und shcön ausgedrückt! Ich habe nur zwei Kinder, aber habe diesen Spruch – teils auch als Imperativ ausgedrückt: „Das zweite Kind muss dann halt so mitlaufen“ – auch schon so oft gehört und war darüber immer etwas frustriert. Und es stimmt einfach nicht. Die haben doch keinen Chip im Gehirn, der ihnen sagt „Du bist das zweite/dritte/etc. Kind, Du darfst möglichst nie weinen und wenn, dann nur, wenn gerade das ältere Kind ruhig und zufrieden ist und Mama Zeit hat, sich Dir allein zu widmen.“ Dieser Spruch unterstellt ja auch, dass die Aufgabe der Eltern mit dem zweiten/dritten/etc. Kind einfach ist, aber so habe ich es überhaupt nicht empfunden. Ich fand es wirklich extrem schwer und anstrengend, beiden Kindern gleichzeitig gerecht zu werden, auch weil ich den Großteil des Nachmittags – nach der Kita bis ca. 19.30h – alleine mit den Kindern war.

  7. Maike Coelle

    Danke für diesen schönen Text! Du hast so oft einen anderen Blick, der gerade rückt, was „man so sagt“ bzw. oft hört. Genau so wie Du es beschreibst, ist es: Wir Eltern sind die, die dazu lernen. Deswegen wird es einfacher mit jedem Kind. DANKE!!

  8. Ich bin drittes Kind meiner Eltern und mein Gedanke dazu ist oft der: ich hatte das Privileg, mitlaufen zu dürfen.

    An mir wurde viel weniger herumexperimentiert und ich hatte früh sehr viele Freiheiten, genau durch dieses „Mitlaufen“. Ich durfte Gesprächsthemen, Ausflüge und Geschichten miterleben, die wahrscheinlich meinem Alter oft nicht entsprachen, aber genau das ist eben dieser Reichtum, den ich als drittes Kind auch so empfinde. Ich hab so viel gesehen und mich mit vielem früh auseinandergesetzt.

    Insofern ist das Mitlaufen eben auch eine Ressource.

  9. ein sehr gelungene Perspektive auf diesen allzu leicht gesagten Satz. ich finde auch, dass es die Eltern sind, die sich mit jedem Kind mehr immer mehr als Eltern verstehen und durch ihre Erfahrungen Sicherheit ausstrahlen. Es gibt nicht mehr so viele Ängste wie noch beim ersten Kind und vielleicht auch nicht mehr so viel Veränderung im Vergleich zu der Zeit „davor“. Kein Kind darf untergehen in einer Familie, jedes Kind ist besonders und anders. Sie sind nicht dazu da sich anzupassen, nur mitzulaufen.
    Ich bin das vierte von fünf Kindern und musste häufiger Mal mitlaufen. Das hat mich damals natürlich nicht gestört, als Kind ist das, was da ist Normalität. Aber Kinder bleiben nicht Kinder und wenn ihre Bedürfnisse länger nicht gehört wurden, dann wirkt sich das vielleicht später auf die Beziehung zu den Eltern aus. Die Probleme und Herausforderungen kommen dann später.

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