Noch einmal Mama auftanken – wenn Kinder Geschwister werden

Nun kommt also bald das dritte Kind. Zwei Kinder sind schon da und wollen momentan mehr als sonst gesehen werden. Mehr als sonst geht es um Ressourcen, um Zuwendung, um Liebe, um Spielsachen, um neue Kleidung, um Ostergeschenke – auf ihrer Seite. Auf meiner Seite geht es mehr als sonst um Verstehen, Annehmen, Aufmerksamkeit, Zuwendung, Aushalten, Innehalten.

Erst vor kurzer Zeit schrieb ich über das Annehmen und Sehen und gerade jetzt wird mir so deutlich, wie wichtig es ist. Im Alltag immer, aber gerade auch jetzt. Es sind die letzten Tage, in denen meine Kinder nur zu zweit sind. Bald schon werden sie mit einem kleinen Baby ihre Zeit teilen müssen. Ein Baby, das erst einmal ganz da ist, gesehen werden möchte und so viel Zuwendung braucht, um dieses neue Leben hier in unserer Familie kennen zu lernen und seinen Platz darin zu finden. Und dennoch sind da bereits zwei Kinder, die auch ihren Platz haben, ihren Platz nun neu finden müssen und denen dieses neue Kind erst einmal fremd ist, das nun ihre Mama so viel in Besitz nimmt.

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Wie muss es sich anfühlen, wenn auf einmal ein anderer Mensch so nah in das Leben eines Kindes tritt? Ein Mensch, der Aufmerksamkeit benötigt und bekommt? In Büchern über Familien mit mehreren Kindern wird manchmal der Vergleich angeführt, wie es wohl wäre, wenn unser Partner auf einmal einen anderen Erwachsenen mit nach Hause bringt und sagt: „Schau mal, das ist die Renate, die wohnt jetzt auch hier. Ich hoffe, Ihr vertragt Euch gut.“ Und Renate legt sich mit ins Familienbett, kuschelt sich zu allen Situationen dazu. Doch der Unterschied ist: Wir sind Erwachsen. Wir können diskutieren, protestieren und würden es wohl auch tun. Unsere Kinder sind unsere Kinder. Sie können sich meistens noch nicht ausdrücken wie wir. Ihr Protest sieht anders aus, hat andere Farben und andere Töne. Manchmal sind diese Töne auch ganz leise, aber sie sind da. Sie sind auf unsere Liebe, unsere Zuwendung angewiesen und brauchen sie auch weiterhin. Sie können nicht einfach gehen. Deswegen liegt es an uns, dass wir sie gerade jetzt ganz sehen, ihre Töne verstehen und ihnen ihre Ängste nehmen. Sie sind eben keine kleinen Erwachsenen, sondern Kinder. Und wenn ein Geschwisterkind neu dazu kommt, sind sie noch einmal kleiner und bedürftiger und sensibler als sonst.

Was also bleibt zu tun, wenn ein so großer Wandel im Leben ansteht? Einfach das, was immer zu tun ist: Da sein und annehmen. Natürlich ist das in den letzten Schwangerschaftstagen und -wochen manchmal nicht einfach, wenn die Kinder besonders bedürftig sind und es scheint, als würden sie selber noch einmal Baby werden. Doch führen wir uns einfach vor Augen: Sie sorgen sich. Sie wollen wahrgenommen werden und sich das sichern, was sie am meisten brauchen: unsere Liebe. Und unsere Aufgabe ist es, ihnen zu vermitteln, dass sie diese auch immer haben werden. Egal wie alt sie sind, egal wie viele Geschwisterkinder kommen.

Eure
Susanne_clear Kopie

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