Kleine Schritte

Manchmal ist der Alltag so voll, dass ich die kleinen Schritte der Kinder nicht bemerke. An manchen Tagen bin ich nicht so aufmerksam und habe so viele andere Dinge im Kopf. So kommt es, dass an anderen Tagen die kleinen Schritte so groß aussehen. Wenn ich eine Weile nicht richtig hingeblickt habe und die vielen klitzekleinen Schrittchen übersehen habe, dann erscheint es fast, als würden die Kinder von einem Tag auf den anderen einen riesigen Sprung machen.

Gerade vorgestern habe ich einen solchen Sprung bemerkt, der eigentlich in vielen kleinen Schritten ging, die ich nur nicht wirklich wahrnahm. Vorgestern Abend schlief der Sohn zum ersten Mal ohne Einschlafstillen ein. Er sagte „Will ich keine Milch!“ und kuschelte sich ein. Einschlafen konnte er aber erst einmal nicht. Er legte sich mal auf die eine Seite, dann auf die andere. Dann wollte er getragen werden. Ich fragte ihn, ob er vielleicht doch einfach stillen wolle? Nein, das wollte er nicht. Schließlich hat er sich zu seinem Vater auf den Schoß gesetzt und ist zu seinen Lieblingsmusikklängen eingeschlafen.

Es geht hier nicht darum, wie alt mein Sohn ist und ob es Zeit ist für das Abstillen oder nicht. Es geht darum, wie wir manchmal die Kleinigkeiten auf den großen Wegen übersehen und überrascht sind von den Neuerungen. Und es ist auch gar nicht immer schlecht, überrascht zu werden. Denn schließlich können wir auch nicht immer nur aufmerksam sein. Und diese Überraschungen reißen uns dann ein wenig aus dem Alltagstrott heraus und lassen uns kurz Inne halten und wieder genau hinsehen.

Wenn ich nun zurück blicke, sehe ich, wie das Stillen in den letzten Wochen weniger wurde. Wie er nicht mehr gestillt werden wollte unbedingt, wenn er sich verletzt hatte. Er hielt mir die kleine Hand entgegen und sagte: „Musst Du streicheln.“ Und auch am Tag werden nun die Stillmahlzeiten weniger. Kürzlich erst stand ich vor meinem Kleiderschrank und dachte, dass ich mal wieder einen Pullover anziehen möchte, den ich lange nicht getragen habe, weil er nicht stillfreundlich war. Ich zog ihn einfach an und es funktionierte gut so. Der Sohn stillte nicht in dieser Zeit.

Im Rückblick sehe ich nun all die kleinen Schritte, die zu diesem großen Ereignis passen. Ich sehe, wie es sich entwickelt hat, obwohl ich erst einmal gar nicht genau hingesehen habe. Und ich freue mich daran, dass er diesen Weg so selbstverständlich geht. So ganz bei sich und ich an seiner Seite. Manchmal bleibe ich kurz stehen, sehe ihn an und mache eine Pause. Eine Pause, um nachzudenken und anschließend mit ihm Schritt halten zu können wenn er scheint, mich mit seiner Geschwindigkeit zu überholen. Er gibt das Tempo und den Weg vor und ich begleite ihn an seiner Seite. Und so kommen wir voran. Jeden Tag ein kleines Stück.

2 Kommentare

  1. Katharin von emmi und ich

    Witzig, so gaaaaanz langsam schleicht sich das wenigerstillenwollen der
    Kleinen Dame auch bei uns ein und ich bekomme es gerade ganz aufmerksam
    mit weil es für mich so ein großes Thema ist.

    Dafür ist mir
    entgangen wann der Große Junge zur Leseratte wurde und sogar alleine in
    die Bibliothek geht, um sich Nachschub zu besorgen.

    Immer aufmerksam sein geht nicht, aber oft wundere ich mich tatsächlich über Dinge, die dann aufeinmal da sind….

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