Unser Landhaus – Natur und Tiere für die Kinder?

Einer der wesentlichen Gründe dafür, ein Haus auf dem Land zu kaufen, waren natürlich unsere Kinder. Nicht nur wegen des Platzmangels in der Stadt und der steigenden Mieten hier, sondern besonders, um ihnen Naturerfahrungen ermöglichen zu können: zu jeder Jahreszeit im Wald sein, über Wiesen laufen, Pflanzen sammeln und natürlich mit Tieren zusammen sein. Pferde pflegen und reiten, Schafe füttern, frische Eier von frei laufenden Hühnern vom Nachbarn holen. Ich habe es mir so romantisch vorgestellt, wie die Kinder all diese schönen Seiten des Landlebens kennen lernen. Aber Natur hat eben nicht nur die schöne Seite. Manchmal zeigt sie auch ihr schonungsloses Gesicht und genau das haben wir nun schon einige Male gesehen.

Zunächst jedoch zu den wirklich schönen Naturseiten des Landlebens. Denn natürlich laufen die Kinder über Wiesen, sammeln Blumen, aus denen wir im Sommer Löwenzahnhonig machen, machen Gänseblümchenketten und erkunden die Pflanzenwelt mit ihren kleinen Blumenbüchlein. Sie springen in den See, sammeln im Sommer Blaubeeren und im Herbst Pilze im Wald. Sie reiten tatsächlich und holen Eier und füttern die Schafe und bestaunen die kleinen Lämmchen.

Kürzlich waren wir im Wald, um Pilze zu sammeln. Der Herbst war trocken und weit und breit kein Pilz zu sehen, weshalb wir immer tiefer in den Wald gingen, schon etwas entfernt von unseren sonstigen Wegen. Der Weg war von Farn überwachsen und wir liefen an einem verrotteten kleinen Holzhaus vorbei, das mich ein wenig gruselte. Mein Mann war der Meinung, er würde hierhin mit den Kindern eine gruselige Nachtwanderung machen können. Wenn wir ehrlich sind, werde ich das niemals zulassen. Aber der Gedanke an eine Nachtwanderung in die Tiefe des Waldes passt natürlich auch zu all den schönen Seiten des Landlebens. Wie wir jedenfalls alle durch das Unterholz stapfen und die Kinder schon ein wenig schlechte Laune von der Ermangelung an Pilzen bekommen, sehen wir auf einmal etwas großes Weißes durch das Gebüsch brechen und vor uns über den zugewucherten Weg springen. Mit staunenden Mündern müssen wir alle dort im Wald gestanden haben bis unser Mittelkind rief „Ich hab ein Einhorn gesehen!“. Mein Mann behauptet ja, es sei ein weißer Hirsch gewesen. Er wurde allerdings von der restlichen Familie überstimmt, die die Meinung des Sohns teilt: An diesem Nachmittag haben wir im Wald ein weißes Einhorn gesehen und ich glaube, es kann kaum eine zauberhaftere Kindheitserinnerung geben.

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Ein ähnlich besonderer Moment ergab sich einige Wochen später, als wir früh am Morgen das Haus verlassen wollten. Herbstnebel lag auf der Straße, es war noch dunkel. Während wir unsere Sachen zusammen suchten, räumte mein Mann das Auto ein und rief uns auf einmal. Es war ein Anblick, wie man ihn wohl nicht vergisst. Im trüben Schein der Straßenlampen stand ein Dammhirsch vor unserem Haus. Er ging auf das Auto zu, sah sich ein wenig um und stand in der Gegend herum. Vielleicht war er ebenso überrascht von unserem Anblick wie wir von seinem. Er schaute uns noch ein wenig an, bevor er sich umdrehte und langsam zurück ging Richtung Wald. Mit den Kindern sprachen wir noch lang über dieses Ereignis und die Frage, was der Hirsch wohl eigentlich bei uns wollte.

Als ich den Hirsch vor unserer Tür sah, dachte ich im zweiten Moment allerdings nicht mehr an die Schönheit dieses Momentes, sondern daran, ob das Tier vielleicht Tollwut hätte und deswegen so nah an unserem Haus wäre. Und wenn ja, beißen Hirsche dann auch? Denn das Landleben ist nunmal nicht nur idyllisch schön. Der Fuchs läuft mit einem toten Huhn über die Straße oder lässt es im Vorgarten der Nachbarn liegen. Und auf unsere neue Untermieterin, Spinne Elvira, die mir kürzlich über den Weg krabbelte und aufgrund ihrer Größe ein eigenes Zimmer verdient hätte, bin ich auch nicht gut zu sprechen. Nachdem wir uns kurz anblickten, hat sie sich nämlich irgendwo versteckt. Ich habe sie nicht wieder gefunden und fürchte nun, es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie mir wieder begegnet. Sollten Lebensmittel aus dem Kühlschrank fehlen, bin ich mir nun sicher, dass es Elvira war, die mit ihren langen, haarigen Beinen sicher mühelos den Kühlschrank öffnen kann.

Dass die Natur auch ihre dunklen Seiten hat, lernten wir in unserem ersten Sommer auf dem Land. Das Haus befand sich noch in einem ertragbaren Zustand bevor wir alle Wände versetzten und die Heizung entfernten und der Garten war gut betretbar und noch nicht mit Lehm und Gestein vollgestellt. Die Kinder hatten hier ihren Spielbereich für die Zeiten, in denen wir nicht in der „richtigen Natur“ waren.

„Mama, es stinkt hier“, ermahnte mich eines der Kinder eines Tages. Ich dachte an unser Gulliproblem und maß dieser Äußerung nicht besonders großen Wert bei, denn der Abfluss müsste eigentlich in Ordnung sein. Am Wochenende darauf hatte sich der Gestank so weit entwickelt, dass ich ihn nun doch wahrnahm. Er waberte geheimnisvoll durch unseren Garten und es war ein Gestank, den ich noch nicht kannte. „Mama, ich will mit dem Wasser spielen, aber das Wasser stinkt so.“ Natürlich waren es die Kinder, die uns auf die Spur des Gestankes brachten. Und im Wasserbottich fanden wir die Ursache: ein ertrunkener Maulwurf, der seit über einer Woche darin lag. Wir starrten auf den Grund der Zinkwanne und die Kinder und ich entschieden, an dieser Stelle zurück zu treten und diese Naturerfahrung ihrem Vater zu überlassen. Solltet Ihr jemals in einer ähnlichen Situation sein: Verlasst den Garten. Denn der Gestank wird nicht besser, wenn das Tier aus dem Wasser geborgen ist.

Die Natur auf dem Land ist wunderbar. Aber für ein Stadtkind wie mich auch erst einmal gewöhnungsbedürftig an vielen Stellen.  All die Freiheit, der Blumenduft, der Geruch der Pilze im Herbst sind schön. Unsere Kinder lernen hier eine Welt kennen, die wir sie selbst aus unserem Leben in Berlin nicht kennen.  Sie erfahren und entdecken auf ihre ganz eigene Weise. Und wie es immer so ist, gibt es nicht nur das Schöne zu sehen und zu lernen, sondern alle Facetten des Lebens. Für mich bedeutet dies ein viel größeres Umdenken und erfordert mehr Entspanntheit als für die Kinder. Aber wenn ich mich frage, ob alle Elviras und raubende Füchse und Maulwürfe es wert sind, komme ich doch immer wieder zur dem Urteil: ja.

Eure

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  • Ina Altmann-Oettel

    Da ist das schöne in Norwegen hier ist die Natur der Stadt viel näher. Wir wohnen in der Stadt, mit über 20000Einwohner damit unter den 15-20 grössten Städte Norwegens u. hier kommt der Elch schon mal bis zur Mülltonne u. frisst im Winter gerne die Äpfel die dann unter dem Schnee liegen, die Rehe springen auch rund ums Haus u. ein Dachs wohnt ebenso im Garten 🙂 !Ich finds sympathisch das eure Spinne Elvira heisst, wie meine Schwiegermutter 😉 , mehr sag ich nicht dazu.
    http://weissblaurot.org

    LG Ina

  • Hanna F.

    Ich würde auch nicht mehr in die Stadt ziehen wollen. Auch wenn wir nicht ganz so ländlich wohnen wie ihr und noch keine solch „unleckeren“ Erfahrungen gemacht haben, mag ich das Leben im Dorf lieber. Kürzlich in der Großstadt sind mir wieder die Menschenmassen und das Gewusel aufgefallen, das muss ich nicht mehr täglich haben.
    Liebe Grüße
    Hanna

  • Kathrin

    Ich komme vom Dorf und beide Elternpaare von uns leben auf dem Dorf in Häusern. Wir haben uns in der Stadt kennengelernt und sind dann gemeinsam in eine größere Stadt gezogen, in der wir auch unsere Kinder bekommen haben und immer noch leben. Ich genieße die Wochenenden auf dem Dorf auch sehr, genieße jedoch die Vorteile, die eine große Stadt im Alltag bietet sehr bewußt! Vor allem die kürzeren Wege, fast alles wichtige in Laufentfernung oder mit dem Rad erreichbar! Und die kulturelle Vielfalt! Ebenso haben meine Kinder immer andere Kinder zum spielen! Man braucht im Alltag kaum das Auto! Daher werden wir sicher noch lange in der Stadt wohnen bleiben! Aber wir können ja auch „zur Erholung“ jederzeit aufs Dorf 😉🍀

  • Man oh man, musste ich beim Lesen lachen;)
    Ich bin ein typisches“Dorfkind“ und mit so manch unangenehmen Naturerfahrungen vertraut (Spinnen mag ich aber trotzdem nicht: Meine Katze frisst sie jedoch gerne…auch gruselig, vor allem wenn man zusieht, aber wenigstens leben sie so nicht lange bei uns).
    Ich möchte all das auch nicht missen…auch die eher ekligen oder manchmal auch grausamen Erfahrungen (was wir hier im Garten schon gefunden haben nachdem die Katze oder Marder auf Jagd waren…uhhh).
    Während ich bei Natursendungen aus dem Raum gehe, wenn ein Tier jagd, findet es meine Tochter scheinbar völlig natürlich.

    Ein total sympathischer Text 🙂
    Ganz liebe Grüße
    Bianka

  • Ich bin auch ein richtiges Dorfkind und mich wird es wohl nie in die Stadt ziehen… Dafür liebe ich es hier einfach zu sehr. Und für Kinder ist es einfach nur toll! Ich freue mich schon darauf, meinem Sohn den Wald zu zeigen, Baumhäuser zu bauen, nachts zum See zu fahren… ich habe es früher geliebt! Und manchmal kommt mir sogar bei Güllegeruch kurz der Gedanke: „Ach wie schön, wie früher!“. Das gibt sich aber meistens, sobald der Geruch auch den letzten Winkel des Hauses erreicht hat 😄

  • Selina ebert

    Hallo liebe Susanne,
    ich lese auch immer mit. Tolle Artikel schreibst du. Wir wohnen auch in Brandenburg, genauer in oberkrämer und sind im Sommer oft auf der Suche nach einem schönen See. Wie heißt euer See an dem ihr immer baden geht?
    Beste Grüße aus oberkrämer

  • Sonja

    Liebe Susanne,
    wir sind vor einigen Jahren aus der Stadt aufs Dorf gezogen und wohnen seither in dem von uns selbst kernsanierten Bauernhaus. Wir bauen unser Gemüse selbst an, haben einen großen Obstgarten und pressen von den Äpfeln Saft. In unserem Obstgarten halten wir zudem 10 Hühner und noch 9 Bienenvölker. Unsere 19 Monate alte Tocher liebt die frische Luft, unseren großen Garten und vor allem Tiere (ganz besonders unsere Katze) über alles. Mein Mann ist Jäger und bezüglich der Tollwut soll ich Dir folgendes schreiben. Seit 2008 ist Deutschland frei von (terrestrischer) klassischer Tollwut, diese wurde früher hauptsächlich von Füchsen übertragen. Bei Pflanzenfressern wie dem Hirsch gab es eh so gut wie keine Tollwut. In Deutschland gibt es derzeit nur noch die Fledermaus-Tollwut, die wie der Name schon sagt von Fledermäusen übertragen wird.
    Ich freue mich weitere Episoden und Erfahrungen von Dir auf Deinem wunderbaren Blog zu lesen.
    Herzliche Grüße Sonja

  • Anna

    Hach, klingt schön! 🙂 Meine Tochter wünscht sich auch sehr, auf dem Land zu leben. Leider würde ich da eingehen, daher ist das keine Option.