Mit Kind auf Weltreise – eine Familie geht ihren Weg

Mit großen Augen, verwunderten Gesichtern und Stirnrunzeln werden wir angeschaut, wenn wir Menschen von unseren Plänen erzählen. Mit einem Einjährigen auf Weltreise? Und wie lange? Macht das denn der Arbeitgeber mit? Viele Fragen, auf deren Antwort nur noch ratlosere Gesichter folgen. Denn wir haben uns entschieden, unser ganzes Leben zu einer Weltreise zu machen. Wir möchten nicht mehr sesshaft werden, sondern ortsunabhängig arbeiten und unserem Sohn die größtmögliche Freiheit bieten.

Wenn die Eltern Weltenbummler sind

Das Fernweh und der Wunsch nach mehr Freiheit und Unabhängigkeit reiften schon länger in uns. Bereits 2013 waren wir zu zweit auf einer einjährigen Weltreise. Damals noch ungebunden und kinderlos hatten wir die aufregendste und einfach tollste Zeit unseres Lebens. Wir waren von erster Sekunde an Weltenbummler mit Leib und Seele und so unendlich glücklich auf der Reise wie man es nur sein kann. Dieses gemeinsame Jahr hat uns als Paar noch mehr zusammenwachsen lassen und wir haben wahnsinnig viel über uns und den jeweils anderen gelernt. Wir fühlten uns rundum wohl in unserer Haut und genossen jeden Tag unseres Abenteuers!

Ein Jahr nach unserer Rückkehr kam unser Wunschkind Demian zur Welt. Wir hatten wieder feste Jobs, ein Haus mit dazugehöriger Finanzierung und sogar einen Hund.  Die Weltreise bzw. die Erinnerungen daran sind wieder in den Hintergrund gerückt und wir beschäftigten uns mit dem Wichtigsten in unserem Leben – unserem Baby und der neuen Rolle als Eltern. Nichts deutete darauf hin, dass unser Leben noch eine ganz andere Wendung nehmen würde.

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Unser Sohn – unsere größte Antriebskraft

Es ist so wunderbar, Babys bei ihrer Entwicklung zuzuschauen. Der erste bewusste Blick, das erste Lächeln, das erste herzhafte Lachen. Wir sahen unseren Sohn an und unweigerlich schwirrten uns immer mehr Gedanken durch den Kopf, wie er sich wohl entwickeln wird. Welche Talente wird er haben? Was wird ihm besonders Spaß machen? Und natürlich auch: wie können wir ihm die besten Eltern sein und ihn am besten auf seinem Lebensweg unterstützen? Bedingungslose Liebe – die bekommt er zu 100% und sie ist wohl auch das wichtigste, was ein Mensch von klein auf mit auf seinen Weg bekommen kann. Wir haben bei unserer „Erziehung“ (das Wort benutze ich sehr ungern, denn wir möchten nicht „erziehen“, sondern eine innige Beziehung zu unserem Kind aufbauen und ihm ein Vorbild sein) instinktiv bedürfnisorientiert gehandelt. Unser Sohn schläft im Familienbett, mit seinen 11 Monaten wird er noch sehr viel gestillt, wir tragen viel usw. Erst später haben wir herausgefunden, dass es dafür den Begriff „Attachment parenting“ gibt.

Wir liebten unser neues Familienglück mit jedem Tag mehr und hatten den großen Wunsch, noch mehr Zeit miteinander verbringen zu können. Denn Steffen, mein Mann, war natürlich wieder arbeiten und somit den größten Teil des Tages außer Haus. Wir erinnerten uns wehmütig an die wunderbare Zeit auf unserer Weltreise. Das Gefühl der Freiheit, des entspannten und glücklichen Miteinanders, der Möglichkeit sich jeden Tag treiben zu lassen und das zu tun, worauf man gerade Lust hatte. Und im Endeffekt ist es genau das, was wir uns so sehr für Demian wünschen. Dass er die Welt mit all den wunderschönen Orten, Menschen und Tieren erkundet und dabei seine Eltern immer an seiner Seite hat. Kein Papa mehr, der erst um 5 von der Arbeit kommt, sondern der immer da ist, wenn er ihn braucht. Wir wünschen uns, dass unser Sohn hautnah Menschen verschiedener Kulturen kennenlernt und weltoffen, ganz ohne Vorurteile, aufwächst. Er soll naturnah groß werden, möglichst weit weg von der Konsumgesellschaft, die hier in Deutschland absolute Überhand hat. Es wird wahllos gekauft und gehortet und man verliert absolut den Blick für das Wesentliche. So vieles fühlte sich für uns bei genauem Hinsehen falsch an und letzten Endes fanden wir den Mut zu sagen: Wir geben der verrückten Idee eine Chance und begeben uns als Familie auf eine open end Weltreise!

Als Familie auf Weltreise – Jobs, Haus, Kredit, Finanzierung & Co.

Von heute auf morgen ist so ein Vorhaben natürlich nicht realisierbar. Und dadurch, dass wir bereits ein Haus mit der dazugehörigen Finanzierung haben, wird es nun nicht unbedingt leichter. Wir haben allerdings Rücklagen gebildet, die wir ursprünglich z.B. für den Ausbau des Hauses nehmen wollten. Aber auch so haben wir seit dem Entschluss zur Weltreise sehr sparsam gelebt und das, was möglich war, zurückgelegt. Den Hausausbau haben wir nun teilweise vereinfacht und haben dadurch mehr Geld für unsere Reise, die Kredittilgung und den Aufbau eines Online-Business übrig. Denn natürlich wollen und müssen wir langfristig unsere Lebensunterhaltkosten selbst decken können. Wir haben einige Ideen für unsere Selbstständigkeit, die wir nach und nach umsetzen und hoffen, dass wir dadurch wieder Einkommen generieren werden. Für den Anfang haben wir also ein kleines Polster aus Erspartem, das uns erlaubt, unsere Reise zu beginnen. Nicht zuletzt deswegen starten wir gerade in Südostasien. Denn hier lässt es sich sehr günstig leben, wenn man es richtig anstellt. Genügend Erfahrung haben wir aus unserer einjährigen Weltreise und wissen genau, worauf wir uns einlassen.

Steffen war in seinem Job schon länger nicht mehr glücklich und es war für uns absehbar, dass er sich bald nach etwas anderem umschauen würde. Also verlässt er die Firma zum Ende des Jahres. Ich selbst bin Hausfrau und habe keinen laufenden Arbeitsvertrag.

Wir bleiben in Deutschland gemeldet und behalten vorerst auch unser Haus. Wir möchten keine voreiligen Schlüsse ziehen und erst einmal schauen, wie es uns allen auf der Reise geht. Die Option, es zu vermieten lassen wir uns auf jeden Fall offen. Hierbei wird auch entscheidend sein, ob und wie schnell wir wieder Geld verdienen.

Keine Angst, unseren Hund Carlos haben wir bei dem ganzen Vorhaben nicht vergessen! In den warmen Monaten werden wir mit unserem Wohnmobil durch Europa reisen und da darf unsere Wasserratte & Balljunkie natürlich mit! Wenn wir in Asien sind, ist Carlos bei meinen Eltern untergebracht, die er sehr gut kennt und bei denen er öfter Urlaub macht. Auf jeden Fall wird er dort wahnsinnig verwöhnt werden (wie ich meine Eltern so kenne) und wir dürfen nach unserer Zeit in Asien bestimmt einen sehr verhätschelten Hund wieder in die Arme schließen!

Wir haben schon so viele verschiedene Meinungen zu unserem Vorhaben gehört und sind wirklich für jeden Denkanstoß dankbar. Wir wissen, dass es für viele unvorstellbar ist und wir verstehen absolut, dass wohl nicht viele so einen Weg wählen würden. Aber für uns fühlt es sich zu 100% richtig an. Seit wir diese Entscheidung für unsere Familie getroffen haben, sind wir so glücklich und ausgeglichen wie nie zuvor. Natürlich können wir nicht sicher sagen, wohin der Weg uns führt, aber für zählt das Hier und das Jetzt. Und ganz getreu dem Motto „Lieber etwas riskieren, als ewig zu bereuen, sich nicht getraut zu haben“ entdecken wir ab Januar als Familie die große weite Welt.

Über die Autorin:
Alina ist 29 Jahre alt, verheiratet mit Steffen und hat einen einjährigen Sohn. Derzeit stecken sie in den Vorbereitungen ihrer Weltreise und bloggen darüber auf wanderlustbaby.de. Wanderlustbaby gibt es auch hier auf Facebook und hier auf Instagram

  • Stephanie Schulz

    Ihr werdet ganz gewiss eine tolle Zeit haben. Ich selbst bin vor über einem Jahr mit meinem Sohn ausgestiegen aus Deutschland und habe keine Tag bereut. Seitdem reisen wir sogar ohne Geld um die Welt oder besser gesagt aktuell noch durch Asien weil es so schön ist. mein Sohn ist sechs Jahre alt und Freilerner. Was Kinder auf einer solchen Reise mitnehmen ist unbezahlbar und auch die Kleinsten haben etwas davon. Mag sein, dass sie sich nicht an die Reise erinnern aber es wird definitiv ihren Charakter formen. ich bin schon früh mit meinem Sohn gereist und heute ist er super flexibel, weltoffen und selbstbewusst.
    Ich wünsche euch Dreien eine ganz tolle Reise und freue mich auf spannende Berichte.

  • Sara Redolfi

    Ich finde es wirklich unglaublich toll, wenn man die Zwänge und Erwartungen der Konsumgesellschaft abschütteln und hinter sich lassen kann. Ohne Zweifel bewundernswert. Ich hoffe aber, es ist auch eine kritische Anmerkung erlaubt? Ich selber bin als Kind viel umgezogen und es hat mir nicht gutgetan. Immer wieder rausgerissen zu werden, keine Wurzeln zu haben…. Für Erwachsene toll, aber für Kinder weniger. Ich selber arbeite jetzt beim Auswärtigen Amt, werde aber nicht ins Ausland gehen, solange mein Sohn minderjährig ist. Außer er wünscht sich im Teenageralter explizit einen Auslandsaufenthalt, möchte ich ihm bieten, ohne „Einschnitte“ in seinem Leben seine eigene Person zu werden. Zu viele Umzüge (oder auch nur einer) können (müssen natürlich nicht) für Kinder sehr traumatisch sein… Vielleicht sprecht ihr nochmal mit Freunden, die als Kinder umgezogen sind? LG Sara von http://www.wasichnocherzaehlenwollte.de