Warum Ferien so wertvoll sind

Die Ferien sind da. Warme Tage, Sommergewitter, Wassermelone, Eis – und die Zeit mit den Kindern. Viel Zeit mit den Kindern, mit allen zusammen. Meine beiden Söhne sind sowieso immer zu Hause, aber mein Schulkind hat nun die ersten langen Sommerferien nach dem ersten Schuljahr. Als Mensch, der viel und gerne plant, habe ich mir eine Liste gemacht mit Dingen, die wir unternehmen können, Aktivitäten und Ausflüge geplant, Pinterest-Pinnwände angesehen mit Ausflugstipps, einen Ferienpass gekauft, Monatskarten für die öffentlichen Verkehrsmittel besorgt. Ich bin vorbereitet. Und dann sitzt es da, mein großes Kind, und hört Hörspiele. Liegt im Bett und malt ein wenig oder liegt einfach und schaut dem Spiel der Sonne an der Zimmerdecke zu.

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Ein wenig bin ich erinnert an das Baby, das ich auch zu Hause habe: Aufregung und Entspannung wechseln sich ab. Ein Baby braucht Ruhepausen nach dem Spiel. Auf die Zeit des Lernens folgt eine Zeit des Ausruhens bevor es wieder in Aktion kommt. Und genau so ist es doch ein Leben lang: Nach anstrengenden Phasen brauchen wir Zeiten der Ruhe, um wieder zu uns kommen. Wir Erwachsenen wünschen uns Urlaub, sehnen uns nach Wellness, wenn es besonders anstrengend ist. Und während wir es bei den Babys noch gut im Blick haben, verlieren wir je größer wir werden diese Ruhepausen aus dem Blick. Schon bei den Schulkindern und viel mehr noch bei uns selbst. Wir verlangen uns oft viel zu viel ab an Kraft, an Engagement und geben viel zu selten dem Wunsch nach, dass nach Anstrengung Entspannung folgen sollte.

Kindergarten ist anstrengend, Schule ist anstrengend. Auch Kinder brauchen vielleicht ab und zu eine Pause. Eine Pause, in der sie nicht Angebote bekommen, sondern in der sie einfach ihren Gedanken nachhängen können. Zeit, um Löcher in die Luft zu schauen und sich mal wieder zu langweilen. Zeit, um daraus Kreativität und Energie zu schöpfen für die Zeit, die wieder kommen wird. Eine Pause, in der sie lernen, wie wichtig und wohltuend Pausen sein können. Damit sie sich vielleicht als Erwachsene auch diese Zeiten gönnen und auf gesunde Weise eine Balance halten können.

Lassen wir unseren Kindern also Raum für das Ausruhen, für das Ankommen und die Entspannung. Beobachten wir sie und nehmen wir wahr, was wirklich ihr Bedürfnis ist und vielleicht ist es ja auch für uns eine wohltuende Abwechslung im Familienalltag, uns gerade nicht um eine großartige Freizeitbeschäftigung zu kümmern, sondern einfach nur da zu sein, Hörspiele zu hören und gemeinsam Löcher in die Luft zu schauen.

Lasst es Euch gut gehen!
Eure

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6 Kommentare

  1. herrurbach

    Und deswegen habe ich seit langer Zeit mindestens einmal die Woche „langweilen“ in meinem Kalender stehen. Damit ich einfach mal Löcher in die Luft starren kann. Für die kleinen Auszeiten.

  2. Wir haben auch gerde einen sehr erschoepften Sohn zuhause, der die erste Woche seiner ersten Sommerferien am liebsten mit Nichtstun verbringt. Man merket richtig, wie sich die Anspannung nun langsam abbaut und zu loesen beginnt. Dazu ist natuerlich, wie bei ihm in allen Ferien, erstmal noch eine dicke Erkaeltung dazu gekommen. Wenn der Stress nachlaesst…

  3. Deine Tochter weiß eben ganz genau, was sie braucht! Und faulenzen hört sich nach einem großartigen Ferienprogramm an. Zumindest für mich, in meinem Urwald aus Umzugskartons….

  4. Ja,wir vergessen es viel zu oft oder fürchten uns vor der Langeweile. Dafür kann sie so erholsam und erdend sein. Schön, dass du uns mal daran erinnerst.

  5. Genau das war auch immer mein Ding: In den Ferien faulenzen und genießen. Es ist besonders irritierend, wenn man dann ein Kind bekommt, dass sich seine Erholung ganz anders holt: Es soll sie ja geben, diese Menschen, die sich durch Bewegung und Sport erholen und mein Kind scheint eins davon zu sein. Ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen, wie dabei Erholung entstehen soll, das macht mir das Annehmen etwas schwer. Allerdings hat es gerade dank deines Artikels überhaupt erst „Klick“ gemacht und ich habe endlich verstanden, dass dies nicht zwingend immer Überdrehtheit ist, sondern die Art meines Kindes sich zu erholen und sich frei von Stress zu machen. Danke liebe Susanne mal wieder für die zündende Idee 🙂

  6. Maria von OstSeeRäuberBande

    Gerade aus dem Großfamilienurlaub zurückgekommen (11 Personen von 1 bis 63 Jahren sowie ein Bauchbaby – nicht meins ;-)) brauchen auch wir Ruhe und Erholung. Das Ferienprogramm deiner Großen klingt da sehr verlockend. Wie schön, wenn das Kind genau spürt, was ihm guttut und es sich nicht irgendwie verpflichtet fühlt, etwas anderes zu machen.

    Und auch, wenn es hier nicht ideal passt, wollte ich dich schon länger etwas zum Thema Schule fragen: Wie gewöhnt man sich an „Schule als Teil des Lebens“, wenn man der Schule eigentlich eher kritisch gegenüber steht? (Wenn das hier schlecht hinein passt gerne auch über meinen Blog) Bei uns steht bald die Einschulung an und ich mag mich an den Gedanken einfach nicht gewöhnen 🙁

    Viele Grüße von der Ostsee,
    Maria

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