Es gibt keine größere Liebe

Als Eltern von zwei Kindern haben wir schon viele anstrengende Zeiten mitgemacht: durchwachte Nächte, in denen ein Kind nicht schlafen konnte, weil gerade die Zähne kamen. Nächte, in denen ich ein Kind stundenlang durch die Wohnung trug, weil es aufrecht besser atmen konnte wegen einer Erkältung. Tage, an denen Kinder krank waren, einen Entwicklungsschub hatten oder unerklärlicherweise viel Nähe und Aufmerksamkeit von uns brauchten. Ich kenne nicht die Anzahl dieser Nächte, habe sie nie notiert. In den Phasen, in denen es schwere Zeiten gab, erscheinen sie mir weitaus mehr als die glücklichen Tage. In glücklichen Zeiten hingegen erscheint es, als wären die anstrengenden Tage nur ein seltener Schatten.

Sie gehören beide zum Elternleben dazu: die guten und die schlechten Zeiten. Manchmal wechseln sie sich ab, manchmal dauert eines eine längere Zeit lang an. Manchmal ist es nach einer langen, problemlosen Phase besonders schlimm, wenn eine schwierige Phase kommt und man sehnsüchtig auf die vergangene, so einfache Zeit blickt. Immer ist alles im Fluss, immer wechseln sich Hoch und Tief ab.

Und dann gibt es diese Momente, in denen man weiß, wofür sich all die durchwachten Nächte, all die Sorgen und einfach alles lohnt. Manchmal ist es nur ein kleiner Augenblick, eine Millisekunde im so hektischen Alltag. Das kranke Kind, das sich im Bett hin und her wirft, so unruhig schläft, dass man selbst kaum ein Auge zu tun kann. Es wacht kurz auf, schaut einen mit diesem wissenden Blick an. Diesem Blick, der uns zu sagen scheint, dass diese Augen schon alles gesehen haben und eine ganz alte Seele hinter ihnen steckt. Ein Blick, der bis ins Innere zu gehen scheint. Eine kleine Hand streckt sich aus, berührt das Gesicht und ein Lächeln huscht über das Gesicht des Kindes bevor es wieder im Schlaf versinkt.

Und Du sitzt da, dankbar für diesen Augenblick. Für diesen kleinen Moment, der das Herz aufgehen lässt. Du spürst: Es gibt keine größere Liebe als in diesem kleinen Moment, der alles andere wie wegzaubert. Du möchtest ihn einfangen, diesen zarten Moment und ihn für immer behutsam in den Händen halten. Du bewahrst ihn ganz tief im Herzen, diesen Moment und kostest ihn immer wieder nach.

Eure

Susanne_clear Kopie

1 Kommentare

  1. Schwups habe ich gerade ein Tränchen im Auge! Genau so war es heute Nacht als der kleine Kuscheltiger wegen dem Schnupfen unruhig schlief und öfter wach wurde. Er suchte nach meinem Gesicht, meinem Arm, meiner Hand, hauptsache Körperkontakt und dann schlief er, wenn auch etwas schwerer atmend beruhigt ein, da er wusste, Mama ist da und alles ist soweit gut.
    Es ist ein wundervolles Gefühl dass die Kleinen sich so sicher fühlen!

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