Ein Bild für mich

Zu meinem 35. Geburtstag habe ich mir selbst ein Geschenk gemacht: Ich habe mir ein Tattoo geschenkt. Da ich nun schon so viele Male danach gefragt wurde, wie ich auf das Motiv gekommen sei und warum und wie schreibe ich es Euch heute einmal.

Im Herbst des letzten Jahres habe ich auf der Facebookseite „Mandala Journey“ ein Bild gesehen, das mich in Gedanken nicht mehr los ließ: Es war ein Bild aus der Phillipinischen Mythologie von einer Göttin, die sich in der Unterwelt der Kinder annimmt, die zu früh gestorben sind. Dieses Bild hat mich sehr berührt und ich musste immer wieder daran denken. Trotz des Themas drückte es für mich Geborgenheit aus.

Die Zeit verging und es kam der Tag, an dem ich merkte, dass ich mit meiner Familie ganz angekommen war. Das Gefühl, unbedingt noch einmal schwanger werden zu müssen, hatte ich nicht mehr. Ich fühlte mich als Einheit mit meiner Familie und war glücklich, diese beiden Kinder zu haben, mit denen ich für immer verbunden bin. Wohin uns der Weg auch führt, wenn sie auch größer werden, ich bin immer ihre Mutter, bin immer da an jedem Tag da. Auch wenn sie später einmal groß sind, vielleicht in andere Städte oder Länder ziehen. Ich bleibe da für sie.

Und so entschloss ich mich, mir als Abschied vom Kinderkriegen und für das Gefühl des Angekommenseins und des Muttergefühls ein Tattoo zu schenken. Ganz für mich. ich entschied mich dafür, es auf meinen rechten Unterarm machen zu lassen, weil dies auch meine gebende Hand ist: bei der Arbeit, wenn ich mit Familien arbeite und auch für meine Kinder. Und weil ich an Tagen, an denen es mal mies läuft, einfach darauf blicken kann und damit immer meinen kleinen Glücksmoment mit mir herum trage.

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Das Bild, das mir nicht mehr aus dem Kopf ging, suchte ich wieder heraus. Diese Verbundenheit auf dem Bild und die Nähe waren, was ich mir selber vorstellte. Aber natürlich entfernt von Kummer und Sorge. Ich zeichnete also auf Basis dieser Vorlage mein eigenes Bild: die Mutter mit ihren beiden Kindern, darum eine grüne Ranke für Wachstum und Naturverbundenheit. Das Bild hängte ich über meinen Schreibtisch und schaute es jeden Tag an: Würde ich es für immer auf meiner Haut tragen wollen? Dort hing es so einige Monate.

Vor 10 Jahren ließ ich mich zum ersten Mal tätowieren. Und obwohl das Studio inzwischen umgezogen war, arbeitete meine damalige Tätowiererin noch immer dort. Ich machte einen Termin – lange im Voraus, denn es ist ein beliebtes Studio. Der Termin rückte näher und ich wusste, dass es die richtige Entscheidung ist mit dem richtigen Bild.

Am Tag der Tätowierung brachte ich die Vorlage mit. Wir verkleinerten und vergrößerten sie auf dem Kopierer bis wir die passende Größe gefunden hatten, dann wurde das Motiv auf den Arm übertragen. 4 Stunden später ging es wieder nach Hause. Und ja: Es hat geschmerzt. Es heilte ab, verschorfte allerdings an einigen Stellen und musste nachgestochen werden.

2 Monate nach dem ersten Termin ließ ich es dann nachstechen. Dazu kam ein Spruch, den ich vor vielen, vielen Jahren einmal in der Schule gelesen hatte in Bertold Brechts „Leben des Galilei“: „Im Winter und Sommer, nahe und fern, solange ich lebe und darüber hinaus“

Und so ist es.

Eure
Susanne_clear Kopie

  • Ramona / jademond.de

    <3

  • Amra

    Wie ist das nach Deiner Sicht mit Stillen und Tätowieren?
    Einige Tätowierer lehnen tätowieren in Schwangerschaft und Stillzeit ja ab.
    Da ich noch Stille warte ich im Moment..

    • Ich sage mal stellvertretend was dazu: Die Stillberaterinnen vom Stillen und Tragen-Forum haben mir die Auskunft gegeben, dass Tätowieren in der Stillzeit in Ordnung geht. Die nötige Hygiene natürlich vorausgesetzt. Ich selbst stille noch und habe mich zwei Mal tätowieren lassen in dieser Zeit. Allerdings habe ich da schon nicht mehr voll gestillt – in der Vollstillzeit wäre mir das Tätowieren schlichtweg zu anstrengend gewesen.

  • Frau K.

    Was für ein wunderschönes Bild und Tattoo!
    Die absolut richtige Entscheidung
    Glück auf
    Frau K.

  • BerlinBound

    Das ist ein wirklich wunderschönes, aussagekräftiges Bild, und ein so schön passender Spruch dazu.

  • Bella von FreiRaumKind

    Eine tolle Geschichte zu einem tollen Tattoo. Sehr bewegt hat mich der Spruch. Ganz große Gefühle!!!