Mit Kindern im Wald – Spielort und Schule

Ich gehe gerne im Wald spazieren und höre dem Flüstern der Bäume zu. Das Rauschen, wenn der Wind durch die Bäume geht erinnert mich an meine Kindheit: Wie ich im Garten meiner Großmutter in der Mittagszeit auf einer Decke im Schatten lag, um zu ruhen. Oder wie ich mit meinem Vater an jedem Sonntag einen Waldspaziergang machte. Wir fanden Himbeeren, die er in seinem Stofftaschentuch nach Hause trug. Wir sahen Füchse und Frösche, die er einfing. Als ich anfing, mit meinen Kindern diese Waldausflüge meiner Kindheit nachzuleben spürte ich, wie viel sie wirklich bedeuten. Dass sie mehr sind als „nur“ schöne Erinnerungen der Kindheit, sondern die Möglichkeit bieten, sich als Kind zu erfahren, zu erproben und zu lernen.

„Mama, nimm bitte ein Notizzettel mit und einen Stift. Ich möchte, dass Du die wichtigen Dinge aufschreibst!“ sagt meine Tochter. Ich denke schon wieder an meine Kindheit. Diesmal an das Buch „Hallo Mister Gott, hier spricht Anna!“, in dem es von der kleinen Anna heißt:

„Schreib das auf, schreib das für mich auf“, rief sie. Und ich schrieb das Wort in großen Buchstaben auf ein Stück Papier. Sie starrte das Wort mehrere Minuten lang an, wie um es nie mehr zu vergessen. Dann verschwand der Zettel in einer ihrer vielen Schachteln.

Auch wir schreiben also die wichtigen Dinge auf. Auf Zettel und Notizblätter. Nach dem Waldspaziergang lässt sich lesen „Großer schwarzer Käfer“, „Was ist das für eine lila Blume?“ „Holztreppe hoch gelaufen“, „133“. Die Dinge, die für Kinder Bedeutung haben sind manchmal ganz andere als die, denen wir Erwachsene Bedeutung beimessen.

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Im Wald hören und sehen wir Tiere. Welches Tier macht wohl das pochende Geräusch? Im letzten Jahr hat die Tochter verwundert festgestellt, dass Frösche ja gar nicht „Quak“ machen. Wohin laufen die Ameisen? Schaffen sie es, den Käfer zu bezwingen und warum tun sie das überhaupt? Was ist das für ein Käfer?

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Auch Bäume und Blumen werden in ihrer Vielfalt bestaunt. Sind welche davon giftig oder kann man sie mit nach Hause nehmen? An manchen Tagen nehmen wir auch Tier- oder Pflanzenbücher mit in den Wald, um ihre Namen zu bestimmen und zu sehen, ob sie giftig sind oder nicht.

Auf geraden Wegen gehen ist im Wald manchmal für kleine Füße schon eine Herausforderung, doch quer hindurch umso mehr. Wie hoch müssen die Beine gehoben werden? Balance halten, um nicht um zu fallen, wenn man über einen Baum steigt oder darüber läuft. Umsichtig auf den Hochstand klettern und abwechseln die Beine hoch ziehen.

Was hält die Natur für uns bereit? Auf einem Grashalm kann man Musik machen. Moos, Stöcker und Steine nehmen wir mit nach Hause für den Jahreszeitentisch. Und so erleben wir den Lauf der Jahreszeiten nochmals bewusster: Im Frühling werden andere Sachen eingesammelt als im Sommer, Herbst oder Winter. In ihren kleinen Rucksäcken schleppen sie ihre Schätze nach Hause. Wieviel Kraft kostet es wohl so ein kleines Kind, einen riesigen Stock durch den ganzen Wald zu schleppen? Zu Hause wird das Gesammelte gemeinsam arrangiert, ausgetauscht gegen die Dinge der vergangenen Jahreszeit.

Der Wald bietet so viel Anregung, so viel Aufregung, so viel Spiel und Entdecken. Und selbst wenn wir die gleichen Routen gehen, ist er jedes Mal ein wenig anders. Er lebt und entwickelt sich durch seine Bewohner. Diese Löcher im Boden sind wohl von Wildschweinen? Die Rinde an diesem Baum hat beim letzten Mal noch nicht gefehlt. Die Kinder werden größer und erfahren den Wald im Laufe der Zeit auf andere Arten, klettern höher, schaffen Neues.

Als Mutter begleite ich sie auf ihren Wegen, schaue ihnen zu und nehme wahr, wie sie sich entwickeln. Ich sehe, wie sie mit der lebendigen Natur umgehen und ein Bewusstsein bekommen für das Leben, das da außerhalb der Stadt stattfindet. Und ich erinnere mich an mich selbst und wünsche mir, dass sie diese Ausflüge im Herzen bewahren wie ich es tat und eines Tages mit ihren Kindern an der Hand durch den Wald streifen.

Liebt Ihr auch die Spaziergänge im Wald?
Eure

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3 Kommentare

  1. Lena B.

    <3 Jaaa <3 Der Wald ist hier quasi um die Ecke und groß und klein lieben ihn und das, was sich dort entdecken läßt <3

  2. Ich liebe den Wald. Leider ist bei uns kein richtiger Wald, sondern nur der Englische Garten und die Isarauen. Aber da Nepomuk ja sowieso noch nicht laufen kann, schiebe ich ihn eben durch diese Gefilde. Ich finde es wichtig, dass Kind viel Kontakt zur Natur haben, auch oder gerade wenn man in der Großstadt lebt. Nach der Krippe würden wir ihn gern in einem Waldkindergarten anmelden, dass erscheint mir sinnvoller, als in einen Kindergarten, der vielleicht nicht mal eine kleine Freifläche hat. Vielen Dank für diesen tollen Beitrag und die Erinnerung, wie wichtig die Natur für uns alle ist.

  3. Wir haben da gar nicht unbedingt einen speziellen Ort. Ich finde, der Plänterwald ist gut besuchbar, da so gut angebunden, aber auch der Grunewald hat schöne Ecken, die sich gut mit Kindern erobern lassen.

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