Wachsen als Mutter

Heute ist mein 35. Geburtstag. Vor 6 – zählt man die Schwangerschaft dazu eigentlich fast 7 – Jahren trat mein erstes Kind in mein Leben. Kürzlich schrieb ich einen Brief an eine junge Mutter, die ich beim Spaziergang gesehen hatte. Und dieses Gefühl beim Betrachten von ihr und all den Gedanken, die ich für sie hatte, nahm ich noch lange mit. Dann saß ich bei einem Workshop, den ich für Eltern gab und erzählte von Elternschaft. Wie das so ist, wie der Alltag so verläuft. Um mich herum saßen viele Mütter, die viel jünger waren als ich. Und ich spürte auf einmal: ich bin keine junge Mutter mehr, ich bin herausgewachsen.

Ich bedauere nicht, älter zu werden. Ich genieße es. Ich altere gerne. Natürlich ärgere ich mich über mein Bindegewebe und die Fältchen unter meinen Augen hin und wieder. Aber insgesamt mag ich das Älterwerden, weil ich gerne lebe. Ich spüre gerne nach, wie ich von Jahr zu Jahr entspannter werde, wie mich viele Dinge viel weniger aufregen, wie ich ruhiger werde.

Dass ich ruhiger und entspannter geworden bin, liegt im Wesentlichen an meinen Kindern. Ich habe in den letzten Jahren so unglaublich viel von ihnen gelernt. Sie haben mich zu der Person gemacht, die ich jetzt bin – obwohl man doch so oft hört, dass es die Eltern wären, die ihre Kinder formen. Für mich jedenfalls ist es ein gemeinsamer Weg, ein gegenseitiges Lernen und Entwickeln. Ich bin, wer ich bin, auch durch meine Kinder. Viele andere Dinge haben mich zweifelsohne ebenfalls beeinflusst, aber nichts in dieser Weise, wie sie es taten.

Und da stehe ich heute mit meinen Fältchen und meinen beiden Kindern an der Hand. Ich bin nicht mehr beunruhigt, wenn meine Kinder fiebern oder über Ohrenschmerzen klagen. Ich erinnere mich noch gut an die ersten Erkältungen meiner Tochter und meine Sorgen um sie. Ich lasse sie auch mehr laufen, rennen, klettern. Das Pflaster habe ich in meiner Tasche und meistens sehe ich an ihren strahlenden Augen, wie sehr sie es genießen, sich auszutoben und zu erproben – während ich anfangs noch so ängstlich war und Sorge trug um jede Schramme meines Kindes.

Heute bin ich eine Mutter, die auf beiden Beinen steht. Ganz sicher, ganz in sich ruhend. Denn ich habe meinen Weg gefunden, unseren Weg. Ich habe meine feste Meinung zu meinem Weg: wie lange ich stille und warum, wie lange ich trage und warum oder wie lange Kinder im Elternbett schlafen dürfen. Ich bin als Mutter erwachsen geworden, obwohl ich selber auch so oft an mir zweifelte und dachte, ich würde nie meinen eigenen Weg finden. Doch ich habe es, so wie es alle Eltern tun im Laufe der Zeit. Denn wir alle wachsen an und mit unseren größten Geschenken.

Eure
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Zu meinem 35. Geburtstag habe ich mir selber ein Geschenk gemacht: Ein Bild für die Mutter, die ich geworden bin. Ein Bild, das ich bei mir trage auf diesem Weg, jeden Tag.

6 Kommentare

  1. Liebe Susanne!
    Von Herzen alles Gute zum Geburtstag und viel Freude und Gesundheit im neuen Lebensjahr!
    Ein ganz tolles Geschenk hast Du Dir da gemacht 🙂
    Feiert noch schön Eure Geburtstagswoche <3

  2. Katrin Reimann

    Oh wie schön. Das Tattoo gefällt mir sehr gut. Du bringst es genau auf den Punkt. Ich bin dank meiner Kinder so geworden, wie ich heute bin: vor allem viel gelassener und mit dem Gewissen, den Sinn des Lebens gefunden zu haben.

  3. Ganz herzlichen Glückwunsch und einen wundervollen Tag mit Deinen Lieben! So ein schönes und persönliches Geschenk! Du hast es bestimmt selbst entworfen, oder?

  4. Maike Coelle

    Herzlichen Glückwunsch. liebe Susanne! Auf dass das neue Lebensjahr viele gute Momente bringe und der eine oder andere lang gehegte Wunsch in Erfüllung gehe! Hab einen wunderschönen Tag!

  5. Sandra Schneider

    Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag. Ich wünsche Dir dass all die liebevollen Worte die du in deinen Artikeln mit uns teilst und den Mut den du gerade jungen Eltern machst vielfach zu dir zurückkehrt! Das Bild ist bezaubernd!

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