Wie wir Eltern wurden und Paar blieben – 7 Jahre Ehe

Ich werde manchmal gefragt, was es ist, was Paare die erste Zeit mit Kindern überstehen lässt. Die Zeit, in der sich alles ändert, in der alle ihre neuen Rollen finden müssen. Was meinst Du, was es ist, was uns diese Jahre, die nun hinter uns liegen, zusammen gehalten hat?

Ich denke oft, dass es gar nicht stimmt, dass sich nur am Anfang alles ändert. Denn es ändert sich immer alles. Für uns war die Geburt unseres ersten Kindes eine große Veränderung: Ein kleiner Mensch in unserer Mitte, der auf einmal auch da war, der ein eigenes Temperament mitbrachte, der eigene Bedürfnisse hatte, die auch erst einmal in ihrer Erfüllung zu vielen Teilen viel wichtiger waren als unsere. Unser Wunschkind. Wie sehr wir beide uns dieses Kind gewünscht haben! Du warst dabei, bei der Geburt, hast meine Hand gehalten, hast mit mir getönt, während ich in der Wanne lag. Wir beide waren aufgeregt, ein wenig unsicher. Aber ich habe Dir dies alles nicht angemerkt. Wie ein Fels standes Du neben mir und hast mich gehalten. Du hast unsere Tochter zuerst gesehen.

Wir hatten Freunde, die von uns gingen, weil wir nicht mehr so lebten wie sie. Weil wir abends lieber beieinander blieben in unserer kleinen Familie. Und Freunde, die für immer gingen. Wir hatten aber auch Freunde, die neu dazu gekommen sind. Und solche, die unseren Weg nachgegangen sind und auch Kinder bekommen haben. Es hat sich ein bisschen verändert, unser Freundeskreis. Wir feiern Partys nicht mehr mit Alkohol in Badewannen, sondern mit Zusammenkünften, die nach dem Mittagsschlaf um 16 Uhr anfangen und so lange gehen, bis eben alle müde sind – das ist meistens gegen 21 Uhr der Fall.

hochzeitshände

Wir haben neue Wege finden müssen für die Arbeit, für die Kinderbetreuung. Bei unserem ersten Kind und besonders auch, als unser Sohn sich ankündigte: Manchmal geht das Leben andere Wege als die, die man sich ausgemalt hatte. Wir haben zusammen überlegt, wie wir den Alltag gestalten können. Zusammen haben wir neue Pläne gemacht. Mal musste der eine etwas kürzer treten, mal der andere.

Es war oft nicht einfach alles zu vereinbaren: Job und Familie. Und wenn wir ehrlich sind, arbeiten wir jeden Tag ein neues Konzept aus. Wir haben versucht, uns dabei nicht aus den Augen zu verlieren. Die kleinen Inseln in unserem Alltag haben wir für uns gefunden: ein Mittagessen hier, ein gemeinsames Frühstück da, ein Abend zusammen auf dem Sofa, aneinandergelehnt. Eine Hand, die die andere hält. Ein Kuss. Vielleicht nicht mehr so stürmisch wie vor 9 Jahren, als wir uns kennen lernten. Vertraut. Geborgen.

Ob es Krisen gab in dieser Zeit? Oh ja, die gab es. Es gab Todesfälle, es gab Probleme, es gab Krankheiten. Es gab Sorgen und Existenzängste. In diesem Jahr mussten wir ein dunkles Tal zusammen durchwandern, aber wir blieben immer Seite an Seite. Du und ich. Und auch wenn es manchmal nicht einfach war, haben wir aufeinander vertraut.

Ich sehe nicht mehr aus wie vor 9 Jahren und ich bin mir nicht sicher, ob ich heute in mein Hochzeitskleid passen würde. Ich bin weicher geworden – in vielerlei Hinsicht. Die Haare sind noch, wie sie damals waren. Die Hände sind rauer vom vielen Sandkuchenformen. Ich trage jetzt eine Brille. Um meine Augen herum finden sich die ersten Fältchen. Glücklicherweise sind die meisten davon vom Lachen. Denn Lachen, das ist unsere geheime Kraft. Wir finden uns darüber immer wieder.

Was es nun ist, was das Paar bleiben beim Elternsein unterstützt, das kann man so einfach nicht in Worte fassen. Es ist so viel und kann doch so wenig sein. Denn es kommt nicht auf die Menge an, auf die Masse an Zeit zu zweit. Es ist, wie wir diese Zeit gestalten, wie wir einander zuhören, wie wir uns um den anderen kümmern. Wie wir Anteil nehmen am Leben des anderen, auch wenn die Dinge um uns herum sich manchmal überschlagen. Und es ist Humor. Immer wieder ein leises Lächeln in den Mundwinkeln. Das sind die Dinge, die uns sein ließen, was wir sind und waren und hoffentlich für unser Leben bleiben werden.

9 Kommentare

  1. Aada K. Lopez

    Das spricht aus der Seele! Abgesehen von den 9 Jahren, kann ich meinen Mann und mich als Paar und unsere Kinder hier absolut wiederfinden. Unvorstellbar wie es ohne all das wäre. 🙂

  2. „Und es ist Humor.“ – tatsächlich glaube ich auch, dass es genau das ist. Die Fähigkeit, den anderen ernst zu nehmen, ohne alles andere (und sich selbst) immer zu ernst zu nehmen. Und gemeinsam lachen können… total richtig. Total wichtig!

  3. Michaela Braun

    So wunderschön poetisch geschrieben! Ganz herzliche Glückwünsche zum Hochzeitstag.
    LG, Micha

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