„Mama, ganz ehrlich… Die Weihnachtsgeschenke kommen von Euch, oder?“

Heute war es soweit. Dieser Tag, an den alle Eltern denken, den alle Eltern ein wenig fürchten. Die Tochter saß am Küchentisch und malte vor sich hin, griff sich eine andere Farbe und sagte beiläufig: „Mama, an Weihnachten kommen nicht die Englein, sondern die Eltern legen die Geschenke hin!“12von12_November10

Peng! Fast fiel mir die Tasse aus der Hand, die ich gerade abtrocknete. Das kann nicht sein, sie ist doch erst 5. Wer hat ihr das gesagt, ging es mir durch den Kopf und ich versuchte, noch etwas Zeit zu schinden. „Was meinst Du?“ „Mama, ganz ehrlich, macht Ihr das?“ Hin und her ging es in meinem Kopf. „Mit wem hast Du denn darüber heute gesprochen im Kindergarten? Wer hat das denn gesagt?“ Noch etwas mehr Zeit heraus holen und überlegen. „Niemand, das hab ich selbst überlegt!“ es klingt schon etwas beleidigt. Doch, ich traue Ihr natürlich solche Überlegungen zu. Sie fragt nach einer ehrlichen Antwort – das hat sie noch nie und wir haben uns als Eltern entschieden, nicht zu lügen. Genau daran denke ich jetzt gerade: Wie ich kürzlich mit meinem Mann darüber sprach, dass wir die Kinder nicht anlügen und er sagte: „Lügen heben wir uns nur für ganz wichtige Situationen auf.“ Ist das jetzt eine wichtige Situation? Oder nicht? Soll ich ihn mal kurz anrufen, denn schließlich geht es hier ja um ein wichtiges Fest und davon, was ich nun sage, hängt viel ab.

„Was möchtest Du denn? Wer soll Dir die Geschenke bringen?“ Ich versuche es doch noch einmal mit etwas Hinhalten, denn vielleicht löst sich die Situation ja auch so. „Ich finde beides schön, wenn es Englein gibt und wenn ihr was schenkt. Beides ist gut.“ Okay, das heißt, dass sie es schon einmal nicht schlimm findet, wenn die Englein es nicht sind. Sie malt weiter an ihrem Bild. „Nun sag, Mama, legt ihr heimlich die Geschenke hin?“ Ich setze mich zu ihr an den Tisch, genau gegenüber und lege ihr meine Hand auf den Arm, schaue ihr in die Augen. Habe ich sie nicht gerade erst geboren? Sie ist schon so groß, hat ihr eigenes Bild von der Welt, stellt Fragen und überlegt. „Weißt Du, es ist wirklich so, dass wir die Geschenke hinlegen. Aber die Geschichte mit den Englein ist so schön. Es ist wie ein Märchen.“ Sie nickt und lächelt. Sie ist erleichtert, weil sie Recht hatte mit ihren Gedanken und ihrem Gefühl und ich erzähle ihr von der Sache mit Jesus, Maria und Gott und dem Glauben an die Engel.

„Engel gibt es nicht wirklich.“ sagt sie verstehend. Da betritt der Sohn polternd den Raum, zieht sich auf seinen Hochstuhl und schaut die Schwester an. „Doch! Hab is sehn! Da daußen!“ schreit er und zeigt aus dem Fenster. Sie schaut ihn an, mit ihrem Wachsstift in der Hand, schaut auf ihr Bild und meint „Wenn Du meinst…“

So groß ist sie also schon. Und so weit, dass sie ihre eigene Geschichte kennt. Lügen müssen nicht sein. Wenn sie die Wahrheit einfordert, ist sie alt genug dafür. Auch das bedeutet das Elternsein: Loslassen können und anerkennen, dass sich die Kinder entwickeln und groß werden.

Habt Ihr auch schon an diese Frage gedacht? Und was würdet Ihr tun?
Eure

Susanne_clear Kopie

9 Kommentare

  1. Ach Gott, sind sie mit 5 wirklich schon so groß??? Ich bekomme beim Lesen schon Panik 🙂
    Das regt mich jetzt zum Nachdenken an denn: Ehrlich gesagt haben wir uns noch nicht einmal geeinigt, was wir erzählen werden! Unsere Tochter ist gerade zwei geworden und da wird es wohl in diesem Jahr soweit sein, dass wir uns für Engeln/Christkind/Weihnachtsmann oder eben die Wahrheit entscheiden müssen. Nachdem wir gerade die Geburtstagsgeschenkeflut überstanden haben, will ich da an Weihnachten auf jeden Fall einiges einschränken. Also vielleicht bringt wirklich nur an Heiligabend das Christkind einmal ein, zwei Geschenke?
    Mal sehen.
    Liebe Grüße
    Juila

  2. Meine Tochter (3) hat mich gestern während der Autofahrt gefragt: „Mama, bekomm ich auch mal ein Baby?“ Ich: „Wenn du mal erwachsen bist und einen lieben Papa für das Baby gefunden hast, dann kannst du sicher auch ein Baby bekommen, wenn du das möchtest“. 30 Sekunden Stille. Dann: „Wie kommt das denn da raus?“ (Mein erster Gedanke: Puh…! Gott sei Dank hat sie nicht gefragt wie es rein kommt…) Also: „Durch die Mumu der Mama kommen die Babys aus dem Bauch raus.“ Tochter: „Sind die dann so soooo klein (der kleine, süße, dicke, schmuddelige Daumen und der Zeigefinger zeigen einen Abstand von etwa 1,5 Zentimeter)?“ Ich (schmunzle heimlich): „Nein, die sind dann schon ungefähr so (zeig) groß, aber die Mumu kann dann ganz weit aufgehen, so dass das Baby durch passt.“ Weil ich ehrlich sein wollte, habe ich ihr auch erzählt, dass es bei uns anders war und dass das bei manchen Mamas manchmal nicht klappt. Wie bei uns. Und dass ein Arzt dann hilft und Mamas Bauch ein kleines bisschen aufschneidet und das Baby dann da raus holt. Danach wird der Bauch wieder zugenäht (ich hab mich beim erzählen selbst erschreckt und mich gefragt wie furchtbar sich das für sie anhören muss – aber da war es schon zu spät…). Nach kurzer Stille: „Tut das weh?“ Ich: „Nein. Man bekommt eine Spritze, wie Conni im Krankenhaus, als ihr Bein gebrochen war, und dann merkt man das gar nicht. Nachher tut es etwas weh, aber ich hab dann Medizin bekommen. Außerdem hab ich mich die ganze Zeit so gefreut, dass du aus meinem Bauch zu mir raus gekommen bist, dass mir das gar nichts ausgemacht hat.“ (Ok – fast gar nichts…). Mindestens eine Minute Schweigen. „Das kann ich mir gar nicht vorstellen…“. Ich: „Kann man sich auch schwer vorstellen. Konnte ich mir auch nicht richtig vorstellen, bis es so war… Aber für mich wars nicht so schlimm, weil ich so froh war, dass du da warst…“. Ende der Konversation, aber noch sehr ungewohnte 3 Minuten Ruhe im Auto…
    Ich hab mich so erschreckt, dass sie sich schon über sowas Gedanken macht und danach fragt. Und war so unvorbereitet… Ich frag mich seitdem ob ich wohl zu weit gegangen bin mit meiner Schilderung und ob ich mir den Sectio-Teil vielleicht besser noch hätte aufheben sollen… Für später. Naja, jetzt ist es zu spät. Und meine Narbe juckt seitdem…

  3. Unsere Grosse ist 7 und es gibt ihn doch den Weihnachtsmannmann, bisher wahrscheinlich .. sie zweifelt denke ich , der Tag wird kommen …

  4. Oh je, Tränchen in den Augen beim lesen… Ich glaube, ja ich glaube ich hätte auch so reagiert wie du. Erst erschrocken, dass es soweit ist und dann, naja die Wahrheit. Aber dass in jedem Märchen eben auch ein Stückchen „Wahrheit“ liegt. Zum Glück hab ich noch etwas Zeit bis dahin, unser Zwerg ist ja erst 8 Monate alt und er wird erst einmal den Weihachtsmann kennenlernen. Aber auch das erst nächstes Jahr…

  5. Daniela Schramm

    Unser Großer hat zwar schon mehrere Male nachgefragt, ob es denn
    wirklich sein kann – aber ich denke, er will die Wahrheit noch nicht
    hören und wehrt sich innerlich dagegen, in letzter Konsequenz die ganze
    Geschichte einzufordern – er ist fast 9! Und ich glaube, er möchte
    weiter dran glauben und seine Illusion für sich behalten – auch das ist
    okay. Und wir rauben ihm auch nicht seine Fanatsie…

  6. Hör bloß auf, ich bin noch nicht sowei!!! Ich liebe Weihnachten sehr und habe noch mit 8-9 daran geglaubt, vielmehr wollte ich einfach daran glauben. Puh, das würde mich echt traurig machen und ich habe überlegt, wie ich reagiert hätte. Hinhalten, Gegenfragen stellen, ablenken, Suggestivfrage stellen 😉
    Aber wenn ein Kind so insistiert wie Deins, hätte ich wohl auch nicht gelogen, das ist mir ebenso wichtig. Wenn nicht jetzt, wann sollen unsere Kinder dann lernen, daß Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit das Wichtigste im Miteinander sind? Dafür würde ich dann auch das Christkind opfern. (heul) 🙂

  7. Tanja von Zuckersüße Äpfel

    Oh je, oh je! Meine Kleine ist auch 5 Jahre alt und ich befürchte beim Lesen, dass wird auch auf uns zukommen. Schon im letzten Jahr gab es so komische Momente, zögernd, überlegend. Und nun, ein ganzes Stück älter, denkt sie viel über die Welt und Zusammenhänge nach. Ehrlich, mir wird ganz anders wenn ich daran denke! Hoffe, sie lässt sich noch Zeit mit dieser Frage.

    Liebe Grüße, Tanja

  8. Der Große Junge glaubt irgendwie noch immer dran, dass an Weihnachten Magie passiert. Und auch wenn er es weiß, dass die Erwachsenen hinter allem stecken, ließ er sich auch nach der „Aufklärung“ durch einen Freund, die letzten Jahre doch immer mitreißen.
    Das wird bei euch bestimmt auch so sein!

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