Wochenende in Bildern 10./11. November 2018

Unser Samstag beginnt zu viert, denn seit Donnerstag ist mein Mann in der Schweiz zum Doktorandenkolloquium. Den Alltag mit drei Kindern allein zu organisieren, ist nicht so einfach und die letzten Tage waren ziemlich aufreibend und durchgeplant. Dennoch starten wir in den Samstag mit einem schönen Frühstück, denn die Kinder haben Pancakes gemacht (und nur ganz kurz ist der Rauchmelder morgens um 8 angegangen). Ein wenig beneide ich aus der Ferne meinen Mann um das Ausschlafen und auch um die Doktorarbeit und überlege, ob ich irgendwann meine eigene Dissertation nochmal angehen werde. Vor vielen Jahren habe ich mich ja dagegen entschieden, aber manchmal bedauere ich die Entscheidung auch.

Nach dem Frühstück geht es zum Markt einkaufen. Als der kleinste Sohn gerade einen Wutanfall bekommt, weil er irgendetwas nicht bekommt und ich mich zu ihm knie, um auf Augenhöhe mit ihm zu sprechen, tritt eine ältere Frau neben uns: „Du musst daran denken, dass bald der Weihnachtsmann kommt und wer unartig ist, bekommt keine Geschenke!“ Der kleine Sohn ist unbeeindruckt davon, der mittlere reißt aber erschrocken die Augen auf. Das hat er noch nie gehört. Ich bitte die Frau darum, bitte einfach weiter zu gehen und sich nicht in unser Familienleben einzumischen während der kleine Sohn weiter wütet. Davon zeigt sie sich jedoch unbeeindruckt und erklärt weiter: „Als Eltern muss man aber hart…“ Um das Schreien des kleinen Kindes zu übertönen, wende ich mich nochmal an sie, obwohl ich nicht die geringste Lust und Zeit dafür habe mit drei Kindern auf dem Markt: „Gehen Sie jetzt bitte endlich weiter. Das hier geht Sie überhaupt nichts an und ich erziehe meine Kinder so, wie ich es für richtig halte.“ Die Frau starrt mich empört an, schüttelt den Kopf, geht weiter, dreht sich um und schüttelt wieder Kopf. Mehrfach hintereinander. Der kleine Sohn beruhigt sich schließlich und freut sich, als Ablenkung auf meinem Sattel sitzen zu dürfen. Bis der andere Sohn plötzlich hervorstößt: „Mama, stimmt das wirklich? Wenn ich was gemacht haben, bekomme ich dann keine Geschenke?“ „Nein, natürlich nicht.“ Glücklicherweise springt mir auch die große Tochter zur Seite: „So ein Unsinn, das war einfach eine gemeine alte Frau. Natürlich hat das nichts miteinander zu tun. Die Frau wollte ihm nur Angst machen, damit er nicht mehr weint.“ Immer wieder denke ich: Es ist doch noch viel zu tun. Vielleicht mache ich ja doch nochmal Flyer für solche Situationen mit dem Inhalt von „Rundum geborgen“ in Kurzform.

Feststimmung glücklicherweise wieder hergestellt: Wir backen zusammen Kekse zu Sankt Martin in Form von Sonne, Mond und Sternen. Der Großteil des Teigs wird wohl direkt ungebacken verzehrt, ist aber bei diesem Mürbeteigrezept auch kein Problem.

Sonntagmorgenfrühstück. Mein Mann ist aus der Schweiz zurück nach vielen Stunden kurioser Bahnfahrten und hat Kaffee und meine Lieblingspralinen mitgebracht. Ein guter Start in den Tag, auch wenn das Frühstück natürlich nach so einer Rückkehr recht turbulent und sehr laut ist – so viele Geschichten sind zu erzählen. Und natürlich auch noch mal bei ihm die Rückversicherung, ob das mit den Geschenken dieses Jahr auch wieder in Ordnung geht oder an der Geschichte der Frau doch etwas dran sei? Es ist schon verrückt, wie sehr so eine Anmerkung einer fremden Person sich im Kopf eines Kindes festsetzen kann.

Betreuungswechsel: Mann und Kinder sind spazieren, ich arbeite bei Kaffee und Kaminfeuer.

Am Abend werden noch Weckfrauen gebacken nach diesem Rezept, die dann zum Abend gegessen werden und morgen auch mit in die Schule kommen. Wie schön Feste und Feierlichkeiten doch begangen werden können ohne Druck und ohne den Kindern Angst zu machen.

Eure

 

18 Kommentare

  1. Hallo Susanne,
    mich machen diese Einmischungen von außen so wütend! Zuletzt war das bei uns im Krankenhaus so, als das Kind wütend (benommen, nach der Narkose) herumwütete und wir unser Versprechen einlösen wollten (Süßigkeitenautomat).
    Selbe Reaktion von gleich zwei älteren Damen.
    Schlimm ist das und nicht hilfreich.
    Flyer sind gut. 😀

  2. „Es ist schon verrückt, wie sehr so eine Anmerkung einer fremden Person sich im Kopf eines Kindes festsetzen kann.“

    Ich bemerke das bei mir aber auch immer wieder. Nicht, dass ich so zweifle, wie dein mittleres Kind, aber an deiner Stelle hätte ich die oben erwähnte Begebenheit auch noch etliche Male durchgespielt. Obwohl ich, wenn ich so reagiert hätte, wie du es getan hast, sicher wäre, dass meine Reaktion für mich in diesem Moment richtig gewesen wäre. Aber ich empfinde solche Zusammentreffen immer als unangenehm. Die Leute meinen es oft bestimmt gut, auch wenn gut gemeint nicht gut gemacht ist. Aber es fällt mir dann häufig schwer, die vermeintlich hilfsbereite Intention (in deinem Falle evtl. eine Mutter zu unterstützen, die alleine mit ihren Kindern unterwegs ist und die es begrüßen könnte, dass der Ärger schnell vorüber zieht) von dem zu trennen, was bei mir ankommt: ungebetene Einmischung in einer völlig ungeeigneten Situation, in der es mir schwer fällt, noch halbwegs nette Konversation zu betreiben, weil meine Kapazitäten gebunden sind und ich da einfach keinen Bock drauf und auch nicht drum gebeten habe. Und ich wünsche dir, dass du dich von diesem Gedankenkarussell frei machen kannst und freue mich, dass du die Begebenheit hier erwähnst, um beispielhaft zu zeigen, was man für Worte wählen kann, um sich aus einer ähnlichen Situation heraus zu manövrieren.
    Herzliche Grüße
    Jane

  3. Liebe Susanne, die Idee mit den Flyern ist super! Und toll, wie deine Tochter die Situation ihrem Bruder erklärt hat. Ich erlebe solche Situationen immer wieder auch mit den Großmüttern der Kinder. Wie kann ich dort angemessen reagieren? Könnte man dort deinen Satz: „Ich erziehe meine Kinder so, wie ich es für richtig halte“ auch anbringen? Oder ist das innerhalb der Familie zu hart? Mir fehlen da leider oft die angemessenen Worte…
    Herzliche Grüße!

    • Ich finde ja immer, dass es gut ist, zu versuchen, die Großeltern und restliche Familie mit ins Boot zu holen. Daher auch das „Rundum geborgen“ Buch. Aber wenn es nicht geht, dann geht es nicht und man muss sich schützen.

  4. Liebe Susanne! Du hast es wieder so schön geschrieben und ich wundere mich so oft über Menschen die der Meinung sind dass sie sich überall einmischen können. Mein Sohn ist 14 Monate alt und wird so gerne, vor allem beim Einkaufen, von den älteren Damen angefasst – ob im Gesicht oder an der Hand. Meine Aufregung und die Bitte es sein zu lassen, verstehen viele nicht…

  5. CharlotteD

    Diese unglaubliche Überzeugung hat unser 2 1/2jähriger letztes Jahr sogar aus dem Kindergarten mitgebracht! In der Formulierung „Der Nikolaus kommt nicht zu bösen Kindern“.
    Ich war so stink sauer! Unser kleiner Junge hatte doppelte Angst, dass der Nikolaus nicht kommt, und dass er „böse“ sei.

  6. Weckfrauen! Sehr toll!

    Und den Satz „Ich mache das mit meinem Kind so, wie ich es für richtig halte.“ habe ich schon bei meinem ersten Kind ein paar Tage nach der Geburt angewenden müssen. Innerhalb der Familie :-/

  7. Weckfrauen! Sehr toll!

    Und den Satz „Ich mache das mit meinem Kind so, wie ich es für richtig halte.“ habe ich schon bei meinem ersten Kind ein paar Tage nach der Geburt anwenden müssen. Innerhalb der Familie :-/

  8. Liebe Susanne,
    es ist schon verrückt, wie Menschen sich einmischen – manchmal im besten Sinne der Zivilcourage und manchmal überflüssig und übergriffig. Wie besonnen du reagiert hast – und deine Kinder! Manchmal schweißt so eine Pieckserei von außen ja noch mehr zusammen.

    Deine Zeilen über die Dissertation Deines Mannes haben mich nachdenklich gemacht. Ich habe meine vor den Kindern geschrieben und profitiere jetzt, in Teilzeit, schon davon. Aber ich denke, alles hat seine Zeit. Und wenn es Dein Wunsch ist oder sein wird, eine Dissertation zu verfassen, dann wird diese Zeit auch kommen.

    Einen guten Start in eine schöne Woche
    Nina

  9. Abgesehen von der absolut indiskutablen übergriffigen Einmischung dieser alten Frau finde ich aber die Reaktion deiner Tochter bemerkenswert und großartig. Wenn unsere Kinder schon in dem Alter unsere Werte so verinnerlicht haben, dass sie sie auch gegen fremde Erwachsene verteidigen, dann haben wir Eltern schon sehr viel erreicht.

  10. Liebe Susanne,
    Ich fände Flyer für solche Situationen auch toll. Wie du es beschreibst – man ist gerade schon voll beschäftigt und hat keine Zeit auch noch die vermeintlich gut gemeinten Ratschläge abzuwehren. Besonders ärgert es mich, wenn sich Leute direkt an die Kinder wenden. So wurde meine 13 Monate alte Tochter schon von wildfremden Menschen angemeckert.

  11. Liebe Susanne, nicht nur , dass ich gern diesen Beitrag gelesen habe und wie auch die Anderen solche Einmischungen kenne und immer hin- und hergerissen bin von dem , was da an mich herangetragen wird und meinen Kindern. Das macht mich oft noch ärgerlicher als diese unbedachten und übereilten Kommentare. So hinterlässt das oft Spuren bei den Kindern und mir. Das einzig positive sind dann die Diskussionen darüber warum man so reagiert und wie es anders laufen könnte und sollte.
    Nun aber noch eine ganz andere Frage, wo gibt es diesen schönen Teller, da ich sofort an unsere besten Freunde denken musste, die die Kinder in der Waldorfschule haben, in der ja dieser Spruch (auf dem Teller) fest zu den Mahlzeiten dazugehört?? Vielen Dank für deine Antwort!
    Liebe Grüße Ulrike

  12. Liebe Susanne, eine Frage: Warum bedauerst du das mit der Dissertation? Hattest du schon eine Frage, der du nachgehen wolltest? Es ist ja viel zusätzliche Arbeit, da würde ich es auch bei einer wirklich spannenden Forschung machen. Unbewusst will man ja auch den schönen Titel tragen, was ja keine sinnvolle Motivation ist… 😉

    • Ich hatte schon meine Dissertation angefangen, damals zu Sprachförderung in Kitas. Tatsächlich merke ich aber immer wieder, dass ein Doktortitel hilfreich sein kann in meinem Bereich. Ich ärgere mich oft in Zeitungsartikeln, dass ich als „Bloggerin“ benannt werde, obwohl ich tatsächlich Fachfrau bin. Ich denke, solch ein Titel würde dem mehr Gewicht geben.

      • Wenn deine Themen nicht bei den Eltern, Erziehern und co. ankommen, ist das wirklich nicht vorteilhaft. Vor allem mit der Bezeichnung „Blogger/in“. Selbst wenn du darüber stehst, das ist verständlich.
        Irgendwann ist die Zeit reif und wenn du eine interessante Fragestellung hast, dann wird es auch klappen!

  13. Linn Brinkmann

    Ich stehe total hinter euch mit eurer Einschätzung, dass Einmischungen von außen ungefragt, dazu noch in dieser Situation nicht in Ordnung sind. Und doch geht mir bei den Worten, dass war „eine gemeine alte Frau“ eine zweite Situation durch den Kopf, die mich nicht mehr los lässt. Meine 84 jährige, halbwegs rüstige Oma leidet an einer Augenkrankheit, die ihr Sehen stark einschränkt. Sie kann nur Umrisse wahrnehmen, trägt das Blindenabzeichen und kann trotzdem dank Lupe noch viele Dinge selbstständig erledigen. Bei ihrem Einkauf letzte Woche in einem Berliner Supermarkt hat sie ausversehen mit dem Wagen eine Frau berührt. Hinterher hat sie dann bemerkt, dass diese schwanger ist. Sie hat sich sehr entschuldigt und dabei auf ihre Augen verwiesen. Die Frau wiederum war so aufgeregt, dass sie zu meiner Oma wütend sagte: „So etwas wie sie, sollte nicht mehr das Haus verlassen“. Meine gestandene Oma verließ daraufhin weinend das Geschäft und war selbst bei unserem Treffen noch sehr traurig“.
    Ich freue mich sehr, dass Frau Mierau ihren Wunsch nach Nicht- Einmischung bestimmt, aber vor allem gewaltfrei formuliert hat. Für mich ist die Geschichte meiner Oma eine Erinnerung daran, wie wichtig es ist als Erwachsene gewaltfrei zu kommunizieren. Denn auch die schnellen, daher gesagten Wörter „alte Frau“ können verletzen.

  14. Liebe Susanne,
    Wenn Du mal einen solchen Flyer verfasst hat, würde ich mich freuen, wenn Du diesen hier veröffentlichen magst. Ich bin in solchen Situationen nämlich leider viel zu oft zu perplex um angemessen zu reagieren.

  15. Liebe Susanne, ich bin zufällig vor einigen Monaten auf deine Arbeit gestoßen und fühle mich durch die Tipps verstanden und begleitet. Als ich heute diesen Eintrag laß kamen so viele verletzende Situationen in Erinnerung, sodass ich dich gerne darin bestärken möchte so einen Flyer zu entwerfen. Ich habe selbst schon oft überlegt, wie man gewaltfrei seine Grenzen in solchen Momenten kommuniziert und dabei gleichzeitig Verständnis fördern könnte zumal sich das ja meist so ungünstig ereignet (und man gerade dabei ist Bedürfnisse zu stillen, sich selbst zu sammeln, Erledigungen möglichst effizient voranzutreiben etc).Ich denke du verstehst, worauf ich hinaus möchte. Ich finde es schade, dass ich erst jetzt von diesem Netzwerk erfahren habe und mich so oft damit allein gefühlt habe. Und bin nun umso glücklicher darüber viele Ideen, Inspirationen und Austausch zu erfahren. Danke für deine Mühe, Teilnahme/Begleitung und die herzliche Fürsorge die aus deinen Texten spricht. Liebe Grüße aus Leipzig

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