Sei ein digitales Vorbild für Dein Kind – Über digitale Eltern heute und ihre Vorbildfunktion

In der letzten Woche hielt ich einen Vortrag über „Eltern und Kinder im Netz“ in Österreich. Einem Thema, mit dem ich mich immer wieder beschäftige aufgrund dieses Blogs, meiner Facebookgruppen, den Elternberatungen und natürlich auch unserem ganz persönlichen Umgang in der Familie mit dem Thema. Schon 2014 beschäftigte ich mich mit dem „Online-Elternclan“, der mich nicht mehr losgelassen hat mit seiner Bedeutung. Hier gibt es nun ein paar Gedanken zu den Eltern im Netz: Was uns dorthin bringt und warum wir von Anfang an Vorbild für unsere Kinder sind.

Was bringt die Eltern ins Netz?

Wenn wir über “Eltern und Kinder im Netz” sprechen, geht es meistens um Gefahren, um Risiken, um Probleme und die Frage, wie wir uns und unsere Kinder schützen können. Es geht vor allem um Verbote und Richtlinien – und dies ganz besonders in Hinblick auf unsere Kinder. Wir sprechen über sinnvolle Regeln für unsere Kinder, während wir Eltern noch ein wenig orientierungslos durch das Netz und die Möglichkeiten irren – oder im Gegenteil der Meinung sind, dass wir uns und unsere Kinder davor ganz abschirmen sollten und könnten. Wir sprechen von Eltern, die auf Handys starren, statt sich mit den Kindern zu beschäftigen, und über Kinder, die durch Computernutzung auffällig werden. Wir starten Plakatkampagnen, die von Eltern fordern, das Handy wegzulegen.

In dieser Diskussion wird jedoch nicht selten vergessen, was hinter dem Verhalten von Eltern und Kindern steht, warum das Netz genutzt wird und wie unser elterliches Verhalten und das kindliche Verhalten zusammentreffen. “Mobiltelefone […] sind keine Drogen, die per se abhängig machen, sondern Werkzeuge, deren Handhabung die Gesellschaft […]  noch nicht gelernt hat.“ schreibt Dirk von Gehlen in seinem Artikel “Handys an, Klassenarbeit!” in der Süddeutschen Zeitung.

Die Frage, die wir uns als Eltern und Pädagogen wirklich stellen sollten, lautet: Warum nutzen wir selbst das Netz? Warum nutzen unsere Kinder das Netz? Und was können wir aus diesem Bedürfnis lernen und auf die Nutzung ableiten? Was ist dran, an diesem Werkzeug, das uns unterstützen kann und wo sollten wir achtsamer sein? Denn wenn die Nutzung einem Bedürfnis entspringt, müssen wir genauer hinsehen: Was ist dieses Bedürfnis und warum wird es nicht auf andere Weise erfüllt? Was wird durch die Nutzung befriedigt, wie würde es auch anders gehen und geht es überhaupt anders? Wo müssen wir als Gesellschaft ansetzen anstatt Verbote aufzustellen? Und vielleicht gibt es hinter all den kritischen Blicken ja eben doch das Gute, das Sinnvolle und wir müssen, wie in dem Zitat behauptet, einfach lernen, sinnvoll mit einem Angebot umzugehen.

Das Soziale macht uns abhängig, nicht das Smartphone

Die große Frage ist: Warum sind wir alle, warum sind Eltern und Kinder im Netz? Und warum sind wir so viel im Netz? Die Antwort “das Netz mache süchtig” ist zu kurz gegriffen, denn wir müssen den Anfang finden, die eigentliche Ursache dafür, warum wir uns “vernetzen” und diese Frage beinhaltet schon einen wesentlichen Teil der Antwort: Weil das “Vernetzen”, weil das “soziale Netz” so wichtig für uns ist. Eine aktuelle kanadische Studie scheint uns eine besonders wichtige Antwort zu geben, die in der Diskussion um den Gebrauch des Netzes oft zu kurz kommt: Wissenschaftler betonen hier, dass es das Soziale ist, der Austausch, das uns abhängig macht. Nicht das Smartphone an sich.

Soziale Beziehungen gehören zu unseren Grundbedürfnissen. Der US-amerikanischen Psychologen Abraham Maslow hat mit der Bedürfnispyramide eine Übersicht über die menschlichen Bedürfnisse geschaffen. Demnach sind auf der untersten Ebene die physiologischen Bedürfnisse (Nahrung, Luft zum Atmen, Schlaf…) zu finden, eine Ebene höher Sicherheitsbedürfnisse und daran anschließend das Bedürfnis nach sozialen Beziehungen. Soziale Beziehungen sind es auch, die für Eltern besonders wichtig sind. Und gerade hier, bei den Eltern, sind wir an einem Punkt, an dem das Soziale des Smartphones und des “Social Media” Bedürfnisse befriedigt, die wesentlich sind. Gerade Eltern – und besonders Mütter, die noch immer den Hauptteil der Elternzeit nutzen und auch außerhalb dessen generell weltweit mehr Carearbeit leisten -, sind insbesondere durch die Geburt des ersten Kindes oft einsam.

Die Einsamkeit der Mütter

Im Netz finden sich viele Berichte davon, dass Mütter unter Einsamkeit leiden: Das Gefühl stellt sich ein trotz des anwesenden Kindes. Allein verbringen sie die Tage in einer nicht zuvor gekannten Situation: allein mit einem Baby, das sie umsorgen. Sie sitzen allein in Wohnungen, gehen allein spazieren. Kurse und Gruppen sind willkommene Ablenkungen und dennoch ist die Einsamkeit ein zentrales Problem von Eltern, insbesondere Müttern. Dies nicht nur in Bezug auf Freundschaften, sondern nicht selten auch in Beziehungen: Die Working Mom Studie 2017 von Procter & Gamble, an der rund 1000 Frauen zwischen 20 und 50 Jahren teilgenommen haben, gibt an: “Und ein Drittel (32 Prozent) fühlt sich alleinerziehend trotz Partner oder betrachtet ihn gar als weiteres Kind (33 Prozent).” Nicht umsonst sind gerade überall Vernetzungs-Apps im Kommen, bei der sich (insbesondere Mütter) zu playdates mit Kindern verabreden.

Elternschaft hat sich verändert

Wir sollten Elternschaft früher nicht verklären, denn es war in der Sippe und im Clan nicht immer alles großartig. Wir können uns freuen über die Fortschritte des heutigen Lebens als Familie, wo es einfacher ist, in verschiedenen Familienmodellen zu leben, unterschiedliche Familienkonstellationen zu haben. Dennoch aber fehlt heute oft eine Art Verbindlichkeit, eine Verbindung. Gerade dann, wenn Familien an anderen Orten sind, wenn Flexibilität und Mobilität für das Familienleben wichtig sind.

Hebammenmangel als Beispiel der Veränderungen

Ein sehr aktuelles Beispiel aus Deutschland, das den Wandel unter anderen Veränderungen demonstriert, ist der Hebammenmangel: Die Begleitung der Geburt und Hebammen und Ärzte ist eine vergleichsweise neue Entwicklung. Die berufsmäßige Hebammenarbeit ist etwa im Mittelalter entstanden, als sich zunehmend zunftähnliche Verbände bildeten, von Männern das Thema aufgegriffen und in Lehrbüchern festgehalten wurde und von dort an sich die Geburtshilfe veränderte. Dennoch blieben die “Dorfhebammen”, die aus der Gemeinschaft der verheirateten Frauen gewählt wurden, noch bis ins 20. Jahrhundert die Geburtsbegleitung der Wahl in ländlichen Gegenden (Niebergall, D./Mierau, S. 2016).

Digitaler Alltag von Familien

Wir sehen also: Eltern suchen Kontakte, Austausch Vernetzung. Was sich vielleicht vor Ort schwer gestaltet zunächst, kann im Netz schneller erfolgen und hier bleibt man auch verbunden mit denen, die einem schon länger nahe stehen, aber nun an einem anderen Ort sind. Der Facebook-Aussteiger García Martínez sagt dazu: “In unserer Zeit, wo man nicht mehr dort lebt, wo man geboren wurde, gibt es dieses kleine Ding in unserer Hosentasche, die Facebook-App, die einen genau mit diesen Leuten verknüpft, ganz unabhängig davon, wo man ist.” Die Facebook-App als Ersatz für Gemeinschaft, für Stämme.

Wie der digitale Alltag in Familien gelebt wird und welche Regeln es darin gibt, ist sehr unterschiedlich. Schon 2015 hat sich Séverine von Mama on the rocks in Zusammenarbeit mit Scoyo gefragt: Was für ein Medienvorbild sind wir unseren Kindern und wie sieht der digitale Alltag von Familien aus? 20 Blogs nahmen an dieser Blogparade teil und haben über ihren digitalen Alltag berichtet. Insider Dad Andreas hat sich in diesem Zusammenhang gefragt: «Finden wir unsere eigene Mediennutzung wirklich problematisch? Oder finden wir es nur problematisch, wenn unsere Kinder dieses Verhalten kopieren?» Dies ist ein erster Hinweis darauf, wie wichtig auch unsere Vorbildwirkung ist.

Auch die SZ Familie hat sich in der Ausgabe November/Dezember 2017 dem Thema der digitalen Eltern gewidmet und unter “Handy her! Klare Regeln für Familien” und einigen Interviews einen Einblick gegeben in die unterschiedlichen Herangehensweisen in Familien.

Was nutzen Eltern im Netz?

Auf Pinterest werden Ideen gepinnt, wie der nächste Kindergeburtstag gestaltet werden kann oder wie das Kinderzimmer eingerichtet wird. Auf Twitter tauschen sich Eltern in Echtzeit aus und finden auch nachts um 1 Uhr Ansprechpartner, was bei Fieber und Ohrenschmerzen zu tun ist. Auf Facebook werden Artikel geteilt, die spannend sind und in Gruppen tauschen sich Eltern über alle Themen aus von Kita über Ernährung bis Trotzphase. Inspirationen gibt es auch auf Instagram in schönen Bildern oder wahlweise dem Hashtag #mehrrealitätaufinstagram folgend. Auf Youtube finden sich Videos von Geburtsvorbereitung über Geburt in allen Variationen bis hin zu Ratgeberkanälen und privaten Elternkanälen mit Kinderzimmerführungen, Tischsprüchen oder Bastelideen. In Foren tauschen sich auch heute noch Eltern aus und Blogs liefern Artikel, Alltagsbeschreibungen, Tipps und Kaufempfehlungen. Daneben gibt es noch die klassischen Onlinemagazine, wahlweise auch passend zur jeweils passenden Zeitschrift aus dem Handel. Das boomende Geschäft der Onlinekongresse bringt die “Experten” an den Schreibtisch.

Und neben all diesen Informationsquellen gibt es noch die Dienstleistungen, die hier beworben und genutzt werden: Der Aboservice für Windeln oder Bodys, die passend zum Alter nach Hause geschickt werden. Die Onlineseminare zur Geburts- oder Stillvorbereitung, der Lieferservice für den Familieneinkauf, die Kinderkleidungszusammenstellangebote. Dazu die Verabredungs-Apps, um sich mit “passenden” Eltern zusammen zu finden und auszutauschen oder Vernetzungsapps, die ermöglichen, dass Kinder das Abholen von Kindern von Schule oder Kindergarten koordinieren. Auch für die Familienplanung gibt es Temperatursensoren, die Frauen dabei helfen zu erkennen, wann sie schwanger werden können und dies auf dem Handy melden. Und daneben die Apps für geteilte Einkaufszettel und gemeinsame Familienkalender online, um den Alltag zu organisieren.

All diese Möglichkeiten kommen den Bedürfnissen von Familien entgegen: sie unterstützen, die verbinden, sie lassen Austausch und Vernetzung zu. Durch all dies kann sich der Online-Clan bilden: das Elternnetz im Netz, das sich austauscht, unterstützt, Informationen weiter gibt. Eines der vielen besonderen Ereignisse des Online-Clans ist das “Schottlandwunder” von Mama arbeitet aus dem Jahre 2014: Durch die Spenden vieler Leser*innen wurde es ermöglicht, dass ein Kind der alleinerziehenden dreifachen Mutter Christine Finke die Schulreise bezahlt wurde – ohne dass viele der Spender*innen die Bloggerin schon einmal persönlich gesehen haben. Aus solch einer Idee heraus hat sich auch das Spendenprojekt „Blogger helfen Blogger“ entwickelt. Das sind die wunderbaren Momente des Online-Clans und der Unterstützung, die Eltern darin finden können. Aber es gibt auch die negativen Seiten.

Schattenseiten des Elternnetzes

Haben sie in ihrem unmittelbaren Umfeld wenig Unterstützung durch Familie und Freunde, ist die Zugehörigkeit zu einem unterstützenden Online-Netzwerk für viele Eltern ein Ausgleich (Drentea, Patricia/Morgen-Cross, Jennifer 2005).  Mütter fühlen sich durch den Clan der Onlineeltern bestärkt und unterstützt (Duggan, Maeve/Lenhart, Amanda/Lampe, Cliff/Ellison, Nicole 2015) und besonders der Aufarbeitung der Geburtserfahrungen kommt im Internet eine große Bedeutung zu, beispielsweise auch in Hinblick auf die Verarbeitung von Geburtstraumata und die Vernetzung und das gemeinsame Einsetzen für bessere Geburten. Die Zeitschrift ELTERN/ ELTERN family hat dennoch in einer Umfrage 2014 auch festgestellt, dass 19% der Eltern sich durch Medien auch unter Druck gesetzt fühlen. Gerade auch dem Medium Instagram wird immer wieder vorgeworfen, den Druck an Eltern und besonders Mütter zu erhöhen.

Doch nicht nur der Druck ist es, der zu den Schattenseiten gehört, obwohl er nicht kleingeredet werden darf. Im Netz sind Eltern Werbung ausgesetzt, nicht selten ist sie schwer als solche erkennbar. Nicht nur für Kinder ist diese Werbung schwierig, auch für Eltern und dies besonders dann, wenn sie verunsichert sind und hilfesuchend: Auf der Suche nach dem Mittel, das endlich zu mehr Schlaf führt, auf der Suche nach guter Förderung für das Kind,… Der Markt an Produkten für Familien ist groß und es gibt beständig neue Entwicklungen, die Fortschritt und Verbesserung vermelden, nicht selten aber auch der Beziehung oder dem Beziehungsaufbau im Wege stehen.  Dazu kommen Anfeindungen im Netz, die Frage danach, ob “Netzfreunde” auch wirklich Freunde sind. Auseinandersetzungen im Netz sind nicht nur emotional anstrengend, sondern auch zeitraubend: Sie nehmen Zeit da weg, wo wir sonst Familienalltag zelebrieren: Wir warten auf eine Antwort der anfeindenden Person, um zu entgegnen und sichern uns Mitstreiter*innen und Unterstützer*innen, um uns besser zu fühlen.

Die Dunbar-Zahl gibt die kognitive Grenze der Personen an, mit denen man soziale Beziehungen eingehen kann. Sie liegt bei 150 Personen. Gehen wir die Liste unserer „Freunde“ auf FB und Co. durch, sehen wir wahrscheinlich, dass unsere tatsächliche Anzahl an „Freunden“ viel größer ist.

Familie im Netz, Kinder im Netz

In den vergangenen 200 Jahren hat sich Elternschaft verändert: Im Biedermeier war die Familie im Zentrum und Privatheit von großer Bedeutung. Heute hat sich dieser Aspekt von Familie sehr verändert, denn sie findet an vielen Stellen öffentlicher statt: Wir sind vernetzt auf Facebook, Twitter und Instagram. Wir geben etwas Preis von uns und dazu gehört auch unser Umfeld, in dem wir leben: Wir zeigen unsere Lieblingskleidung, unsere Urlaubsorte, unsere Inneneinrichtung – und eben auch unsere Kinder. Aber gerade hier wird immer wieder diskutiert: Darf man das? Was ist mit dem Recht auf Privatsphäre des Kindes, dem Recht am eigenen Bild? Was wird die Zukunft bringen für die Babys, die in Windeln gezeigt wurden und später in der Oberstufe von Klassenkameraden so betrachtet werden können? Aber ist das eigentlich nur eine Frage des Bildes? Was ist mit den zahlreichen Tweets, Blogartikeln und Kommentaren im Netz über die eigenen Kinder, ihren Stuhlgang, Erkrankungen, die frechen Worte, die ersten Verliebtheitsgefühle oder gar den Umgang mit Menstruation? Ist das Bild wirklich schlimmer, als ein Text sein kann über ein Kind? Einen sehr umfangreichen Artikel mit Berücksichtigung vielfältiger Aspekte findet sich bei leitmedium: “Kinderfotos im Netz? Ja, bitte!”

Was tun wir nun? Dreht sich die Zeit zurück?

Sogar Sokrates konnte die Schrift nicht aufhalten, obwohl er sie ablehnte:

“Rechnen, Astronomie, Brettspiel, fabelhaft, aber diese sogenannte Schrift sei ja nun eine gänzlich hirnrissige Erfindung, nicht weiser werde sie die Leute machen und auch nicht erinnerungsfähiger, sondern, im Gegenteil, vergesslicher. Außerdem gebe einem die Schrift das trügerische Gefühl, alles zur Hand zu haben, bloß weil man von nun an gigantische Papyrushaufen voller Informationsgerümpel durchstöbern kann, was aber nun wirklich nichts mit eigenem Wissen zu tun hat.”

Wenn wir davon ausgehen, dass wir die Zeit nicht zurückdrehen können, ist es wichtig, sich zu fragen: Wie nun kann ich all das unter einen guten Hut bringen? Wo kann ich die Sachen heraus nehmen, die mir wirklich gut tun und nicht nur ein Symptom befriedigen, das eigentlich anders behandelt werden müsste? Und was alles macht das eigentlich mit meinem Kind?

Von Anfang an bist Du digitales Vorbild

Wenn Du beim Stillen eine App nutzt, wenn Du beim Flasche geben einen Text auf dem Smartphone liest, wenn Du das Kind fotografierst mit dem Handy, wenn Du Dich per App verabredetest, wenn Du Gespräche mit Freundinnen über Messenger führst und Dein Kind ist dabei: Du bist immer Vorbild. Das bedeutet nicht, dass diese Dinge schlecht sind oder nicht gemacht werden dürfen. Es bedeutet aber, dass wir ein Signal aussenden und wir uns – vor allen Tipps zur Medienerziehung von Kindern und Regelwerken für Kinder und Pflichten und Zeitangaben – zunächst an die eigene Nase fassen müssen: Was machst Du da und warum? Und was kommt dadurch bei Deinem Kind an? Wo nutze ich dieses Werkzeug wirklich zur Unterstützung, um meinen Alltag zu erleichtern und wo verliere ich mich, weil mir eigentlich anderer Austausch und Wertschätzung fehlt?

  • Benutz Dein Handy offen und ehrlich. Später möchtest Du auch, dass Dein Kind offen und ehrlich digital Geräte nutzt und nicht heimlich auf der Toilette.
  • Regeln in der Familie sind zunächst Regeln für Eltern: Du wünschst Dir kein Smartphone am Tisch oder im Bett abends bei Deinen Kindern? Dann sei ihnen ein Vorbild darin.
  • Wenn Du Deinem Kind später einen vernünftigen Umgang mit Privatsphäre beibringen möchtest, fang von Anfang an selbst damit an: Fotos vom Kind auf dem Töpfchen oder bloßstellende Bilder (und Texte!) sind kein gutes Vorbild dafür.
  • Schau genau hin, was Du brauchst und erkenne Deine Bedürfnisse: Wenn wir ganz ehrlich zu uns sind, sehen wir wahrscheinlich, dass wir viele Benachrichtigungen und andauernde Erreichbarkeit über alle Kanäle nicht brauchen. Vielleicht wäre ein wenig Detox ganz gut?
  • Benutzt Du das Netz, um Dir den Alltag zu erleichtern und nutzt Angebote, um Stress zu reduzieren und kreative Lösungen zu finden, oder „nur“ um Dich zu entspannen und auszutauschen. Und was für Nutzungsmöglichkeiten zeigst Du damit auf?
  • Wenn Du Dich mit anderen Menschen erbittert im Netz streitest: Ist es das Wert, die schlechte Laune in den Alltag mit der Familie zu tragen? Manchmal ist es gut, einen Streit einfach zu verlassen. Aus dem Raum zu gehen und es hinter sich zu lassen.
  • Irgendwann wird das Gespräch mit Deinem Kind über Mobbing wichtig sein – weil es ein wichtiger Aspekt heute ist. Denke daran, was Mobbing ist, auch wenn Du Dich heute noch ohne Kind online bewegst.
  • Du hast ein Werkzeug in Deiner Hand. Dieses kann kreativ genutzt werden und es ist gut, den Wissensdurst und die Neugierde nicht zu verlieren. Beschäftige Dich immer wieder mit dem Neuen, denn es ist gut, wenn Du Dein Kind irgendwann damit begleiten kann. Und vielleicht lernst auch Du eines Tages von Deinem Kind, wie das Werkzeug kreativ genutzt werden kann.

„Das Netz ist ein guter Ort, wenn wir es dazu machen.“ hat der verstorbene Johannes Korten gesagt. Das gilt auch für uns Eltern. Es ist gut und unterstützend und aus unserer Welt nicht mehr wegzudenken. Es kann uns an so vielen Stellen helfen. Aber es ist nicht alles. Wir brauchen auch anderes und einige Bedürfnisse sollten wir nicht nur über das Netz befriedigen. Es ist nicht schlimm, eine Smartphonemutter oder ein Smartphonevater zu sein. Wenn wir damit reflektiert umgehen: Reflektiert auf unsere eigenen echten Bedürfnisse und reflektiert darauf, was wir von Anfang an als Vorbild vermitteln – bevor wir mit der eigentlichen „Medienpädagogik“ beginnen.

Eure

12 Kommentare

  1. Frau Kelu

    Ich habe oft das Gefühl, dass ich mein Kind ausschließe, wenn ich soziale Medien nutze. Wenn ich mich offline mit Freunden treffe, ist mein Kind dabei, und kann – wenn es das möchte – am Gespräch teilhaben oder es weiß zumindest, worum es geht. Am Telefon hört es nur meinen Teil des gesagten, wenn ich schreibe, gar nicht. Hier habe ich noch keine gute Lösung für uns gefunden.

  2. Tatjana

    Vielen Dank für den interessanten Artikel. Ich finde am wichtigsten, dass man den Kindern schon früh ein kritisches und hinterfragendes Verständnis beibringt, also nicht nur bezogen auf Häufigkeit der Smartphonenutzung etc. sondern v.a. auf die Inhalte. Das kann z.B. praktisch so aussehen, dass man – neben einem Mediennutzungsvertrag, den jedes größere Kind haben sollte – auch mal gemeinsam ein Spiel zusammen spielt und das hinterher reflektiert. Ich gehöre übrigens zu der seltenen Spezies , die schon immer ohne soziale Netzwerke klar kommen (kein WhatsApp, Facebook etc.). Und nein, ich habe dadurch nicht wenige soziale Kontakte und Freundschaften und fühle mich auch nicht ausgeschlossen. Und das ist doch das, was ich meinen Kindern vorlebe.

    • Gut so! Obwohl ich ja der Meinung bin, dass das Verbieten von bestimmten Inhalten, die Kinder nur neugieriger macht, vorallem wenn sie solche noch nie zu Gesicht bekommen haben, das einzige was ich meinem Kind zeigen werde ist, wie man es vermeidet sich Viren runterzuladen

  3. netuser0815

    bullshit,
    macht das doch garnicht erst mit.
    schmeisst euer smartphone aus dem fenster, den fernseher gleich hinterher und loescht alle social media accounts.
    ist ein ganz neues leben. und auch das beste vorbild.

    • Frl Kranich

      Auf welchem Bildschirm hast du diesen Artikel denn gelesen – wo doch alles auf der Straße liegt?

  4. Gebau bringt Euren Kindern bei ebenfalls ohne zu hinterfragen, alles zu konsumieren was angeboten wird. Immer herein spaziert ins Hamsterrad des Lebens. Macht es wie Eure Eltern: Schaffe, schaffe Häusle baue….
    Endet mit Burn-Out, Bluthochdruck oder Herzinfarkt. Spielt doch keine Rolle denn es bleibt ja in der Familie.
    Hinterfragt nichts und lasst alles so wie es ist!
    Das ist die Pflicht eines treuen Bundesbürgers!

    • Ich bin mir nicht sicher, ob Du die Anregung, sein eigenes Medienverhalten kritisch zu reflektieren, so herausgelesen hast, wie sie gemeint war. Darum geht es ja gerade im Text: Nachdenken und überlegen, wo bin ich Vorbild, was ist nicht so gut? Nicht verteufeln, sondern die wirklich wichtigen Aspekte und den Nutzen herausfiltern.

  5. Ich finde den Bericht super und bin auch gerade in meinem Kopf am herausfiltern was vielleicht unnötig ist und was ich weiter machen möchte. Aber wieder darüber nachzudenken und sich bewusst zu machen wann und wie oft ich mein Smartphone nutze finde ich einen super Denkanstoß! Alltägliche Dinge sind einem manchmal gar nicht mehr so bewusst und so ein Bericht regt einen dann doch nochmal an darüber nachzudenken. Danke

  6. Manuela

    Vielen Dank für den Vortrag, den ich sehr treffend finde. Ohne Handy und PC aufgewachsen, weil es die noch nicht gab (und sie haben nicht gefehlt!), ist es mir wahrscheinlich nicht so schwer gefallen, diese moderat nutzen zu lernen. Aber für die heranwachsende Generation mache ich mir schon Gedanken, wie sich ihre Kommunikation entwickeln wird. Wenn alle nur noch auf das Gerät in ihrer Hand starren und ihr Gegenüber nicht mehr ansehen und damit ansprechen, grüßen und kommunizieren können, wird es dann noch Gespräche und Austausch geben oder wird sich direkte Sprache nur auf das notwendigste beschränken? Hoffentlich gefällt vielen der Artikel und animiert die Ratschläge zu beherzigen.

  7. Vielen Dank für den tollen Beitrag.
    Auch in unserer Familie haben wir uns sehr viele Gedanken, speziell über den Handykonsum gemacht und sind auf die Suche gegangen, wie wir unseren Smartphonekonsum besser steuern können. Wir sind dann glücklicherweise auf eine neue App gestoßen, die dem Nutzer genau zeigt: wie lange, wie oft, wann und mit welchen Apps man die Zeit am Handy verbringt.
    Die App heißt „Appylyser“ (www.appylyser.com )und analysiert genau deine eigenen Handyzeiten, sperrt und verbietet aber NICHTS. Die Ergebnisse sind sehr „Augen-öffnend“ und man lernt dadurch einfach besser und selbstgesteuerter mit dem Handy umzugehen.
    Aus eigener Erfahrung können wir die App sehr empfehlen.

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