Einen Monat alt

Ich bin immer wieder überrascht davon, wie unterschiedlich Kinder sind und welch verschiedene Wege sie gehen – selbst als Geschwister. Die Natur hat einen Weg vorgegeben, auf dem unsere Kinder entlang gehen. Aber das eine läuft langsamer, das andere schneller. Manche rennen, manche schleichen eher. Wenn wir ihnen aber ihre Zeit geben, wenn wir nicht drängen oder einschränken, geht jedes Kind seinen Weg. Eben in seinem Tempo, aber es geht. Die Natur hat dafür gesorgt, dass Babys und Kinder zu jedem Zeitpunkt genau das können, was sie können sollen, was notwendig ist für den nächsten Schritt. Sie sind keine Mängelwesen, sondern genau so, wie sie sein sollen. Monat für Monat können wir ihre Entwicklung beobachten und begleiten. 

Ein Monat ist eine lange Zeit, besonders im Leben eines Neugeborenen. Niemals wieder lernt ein Mensch so viel und so schnell wie in den ersten Lebensjahren. Und niemals verändert er sein Leben so stark wie im ersten Lebensmonat und passt sich an ein völlig neues Leben an. Aus der Gebärmutter kommend, in nahezu Schwerelosigkeit lebend, in Wärme, Gehaltensein, andauernder Versorgung kommt das Baby in eine völlig andere Umgebung – und lernt Stück für Stück damit umzugehen.

Die ersten Tage sind besonders geprägt von dieser Umstellung: Die Reise war nicht nur für die Mutter anstrengend, auch für das Baby. Es ruht sich aus, muss sich an die neue Umgebung anpassen. So vieles in anders, neu und vielleicht auch erschreckend. Es braucht Beständigkeit, liebevolle Zuwendung und sorgsame Hände, die ihm das neue Leben näher bringen. Es braucht Nähe, denn noch nie zuvor war es körperlich so verloren wie jetzt, so wenig umhüllt. Es braucht Verständnis dafür, dass all diese Neuigkeiten wie Hunger, Kälte, Verdauung anstrengend sind. Es braucht Menschen, die ihm helfen, diese neuen Erfahrungen und Gefühle anzunehmen und ihm durch liebevolle Zuwendung zeigen, dass alles in Ordnung ist und es sich nicht fürchten braucht. Es braucht Zeit und Liebe und das Gefühl, dass immer jemand da ist, der es versorgt, wenn es sich schutzlos fühlt.

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Fast kann man es diesem kleinen Menschen ansehen, wie er nach und nach in diesem Leben ankommt. Wie er erst mit allem Inneren, mit den neuen Gefühlen beschäftigt ist und dann nach und nach auch der Körper ankommt, sich mit der Umgebung vertraut macht. Kleine Augen, die sich nach und nach öffnen und zunächst nur das ganz Nahe sehen, in die Augen der liebsten Bezugsperson blicken wollen, sich dieses Gesicht einprägen möchten. ein Lächeln, das sich zunächst nur im Schlaf auf dem kleinen Mund abzeichnet. Kleine Beine, die zum Körper angezogen werden in eine Position, die ihnen so lange so bekannt war und die nun bedeutet: Hebe mich hoch zu Dir, ich möchte an Dich geschmiegt getragen werden. Kleine Hände, die sich festhalten an Fingern, Kleidung und Haaren, um auszudrücken, dass der kleine Mensch Nähe braucht. Arme, die sich ganz langsam nach und nach beginnen zu bewegen: Erst noch wild und ziellos durch die Luft wandernd, dann zunehmend gerichteter und am Ende des ersten Monats schon fast so, als würde versucht werden, etwas zu berühren. Eine Stimme, die ihren Ausdruck erst noch finden muss. Erst sind es generelle Schreie, die das Unbehagen ausdrücken, dann wandeln sie sich nach und nach zu einem Rufen, zu einem Protest, zu einem Zeichen für Hunger.

Es kommt an, nach und nach. Ein kleiner Mensch braucht in diesem ersten Monat einfach viel Zeit, viel Zuwendung, um sich ein wenig vertraut zu machen mit dieser Welt und bereit zu sein für all das, was in den nächsten Monaten kommt.

Eure
Susanne_clear Kopie

So geht es bei Deinem Baby weiter:

Die Entwicklung meines Babys mit 2 Monaten

Die Entwicklung meines Babys mit 3 Monaten

1 Kommentare

  1. Marina Scheel

    Wunderschön geschrieben – wunderbare und so wahre Worte! Danke für den sorgsamen Blick auf das neue Leben ?

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