Keine Schwangerschaft ist wie die erste…

Ich sitze im Zug und streiche über meinen Bauch. Ganze sieben Stunden verbringe ich im Zug ohne meine Familie und meine Hand liegt ruhig auf meinem Bauch. Ich denke nach, wann ich eigentlich zuletzt so viel Zeit für das Baby im Bauch an einem Stück hatte? Wahrscheinlich gar nicht, denn ich habe schon zwei Kinder, die fast den ganzen Tag um mich herumwuseln. An einigen Tagen mehr, an anderen Tagen weniger. Ich erinnere mich daran, wie ich in meiner ersten Schwangerschaft genau zu dieser Zeit durch den Herbst spaziert bin, so voller Ruhe. Wie ich auf dem Sofa lag und meinen Bauch streichelte. Es ist so lange her und heute ist es so anders. Keine Schwangerschaft ist wie die erste.

Das erste Mal einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen halten, die unglaubliche Überraschung und das Gefühl, dass gerade ein Wunder im eigenen Körper geschieht. In meinem Körper wächst ein Baby! Ich erinnere mich, wie mich diese Erkenntnis beim ersten Mal so überwältigte. Das erste Mal das Baby spüren: War das jetzt wirklich das Baby? Oder nur ein Luftbläschen? Nein, das muss das Baby gewesen sein – oder doch nicht? Beim zweiten Mal war es schon bekannt, dieses Gefühl, und leichter einzuordnen. Beim dritten ein wohliges Vertrauen.

Damals, ohne Kinder, gab es so viel Zeit: zum Reden als Paar, zum Bauchstreicheln, zum Nachdenken, Bücherlesen über Geburten. Es war eine Reise in ein ganz unbekanntes Land mit vielen Abenteuern. Jeder Schritt war neu und unbekannt, jeder Zentimeter Bauchzuwachs eine große Neuerung. Es hatte etwas so magisches zum ersten Mal Mutter zu werden, das erste Kind zu gebären. Es gab so unendlich viele erste Male, die bestaunt werden konnten.

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Nein, es gibt keine unbekannten Neuerungen mehr bei diesem dritten Kind. Es gibt das Ziehen hier, das wohl von den Bändern kommt, es gibt den Nabel, der sich langsam umkehrt. Schwindel? Das kenne ich doch aus dieser Phase. Schwangerschaft ist nun ein vertrauter Zustand, ein wohliges Wiedererkennen alter Bekannter: Ach, ich hatte Dich fast vergessen, aber nun erinnere ich mich wieder an Dich!

An manchen Tagen vermisse ich all die Ruhe, die ich in der ersten Schwangerschaft hatte. Ich denke wehmütig daran, wie viel Zeit ich damals meinem ungeborenen Kind widmen konnte und dass keines der nachfolgenden Kinder jemals wieder diese Schwangerschaftszuwendung bekommen wird, wie es das erste bekommen hat. Ein klein wenig schleicht sich ein schlechtes Gewissen ein, weil ich diesen anderen Kindern nicht das geben kann, was das erste Kind erhalten hat: diese wunderbar sanft-aufregende Zeit der ersten Male. Ich schaue andere Mütter an, die ihre ersten Kinder in sich tragen und beneide sie ein wenig darum und wünsche zugleich, dass sie diese Zeit genießen. Sie wissen wahrscheinlich noch nicht, wie einzigartig und unwiederbringlich sie ist. Genießt sie deswegen, Ihr Mütter, die zum ersten Mal schwanger seid.

Und dann gibt es den Gedanken, dass es dennoch diese Vertrautheit ist, die auch so vieles einfacher macht. Die mich nicht angespannt, sondern entspannt sein lässt mit all den Entwicklungen. Erste Male sind wunderbar, doch Vertrautheit ist es auch. Sie ist anders, nicht aufregend, aber beglückend. Sie lässt aufatmen, durchatmen und gibt Raum. So manches Mal denke ich: Mit dem zweiten Kind anfangen, das würde so viele Entscheidungen erleichtern. Aber davon berichte ich Euch ein anderes Mal…

Eure
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3 Kommentare

  1. Sari von Heldenhaushalt.de

    Schön geschrieben und obwohl es ja „erst“ Kind 2 bei mir ist, kommt mir doch so vieles, was du da beschreibst, bekannt vor.

  2. Lea Müller

    Als Erstschwangere kann ich deine Gefühle sehr nachvollziehen und fühle mich total angesprochen und denke mir schon jetzt bereits öfters, dass die zweite Schwangerschaft ganz anders sein wird. Ich habe diese meine erste, die an den letzten Tagen hängt, niemals vergessen! Es war eine so wunderbare Zeit 😀

  3. Mutterseele Sonne

    eine wunderschöner Text! Ich habe schon oft gedacht: das erste Kind würd ich sofort nochmal kriegen wollen.

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