Musik und Tanz zur Geburt am Beispiel Robbie Williams und Ayda Field

Geburt ist bewegend. Nicht nur gefühlsmäßig, sie sollte auch tatsächlich bewegt sein. Denn Bewegung ist es, die unter der Geburt hilft. Wir alle wissen, wie wichtig Bewegung ist, um Stress abzubauen. Um Stresshormone abbauen zu können, ist Bewegung gut und wichtig. So kennen wir es aus modernen Ansätzen der Pädagogik, dass Kinder im Unterricht einen Wechsel von Bewegung und Lernen erfahren. Und nicht anders ist es, was wir hier von einem werdenden Vater sehen. Stress wird abgebaut durch Bewegung, durch Tanz. Was für uns auf den ersten Blick verstörend anmutet: Sehen, wie die wehende Frau im Bett liegt und ihr Mann ihr auf die Nerven geht mit seinem Rumgehopse zur eigenen Musik, ist eigentlich ein guter Umgang mit dem Stress, den Partner unter der Geburt erfahren. Es ist gut und wichtig, wenn Partner_innen* auch unter der Geburt umher gehen, vielleicht die Geburtsräume einmal verlassen, sich bewegen.

Denn der Partner/die Partnerin darf unter der Geburt nicht vergessen werden. Auch er/sie steht unter Stress. Nicht selten haben Partner_innen das Gefühl, bei der Geburt nicht helfen zu können, fühlen sich hilflos. Obwohl es eine Vielzahl an möglichen Hilfestellungen gibt (Getränke bringen und anbieten, Stirn feucht abwischen, massieren, Musik an/ausschalten, Becken bewegen,…), fühlen sie sich oft ungebraucht, was auch für die Geburtspartner_innen nach der Geburt eine schwere Last sein kann. Gebraucht werden, Hilfe bieten – und sei es durch Stimmungsaufhellung – ist wichtig für diejenigen, die an der Seite der Gebärenden sind. Ina May Gaskin betont zudem, wie sehr das Lachen während der Geburt Erleichterung bringen kann, weil der Betaendorphinspiegel gehoben wird, was Schmerzen betäubt.

Aber natürlich ist die Bewegung nicht nur gut für  Geburtspartner_innen. Besonders profitieren die Gebärenden von der Bewegung. Wenn wir im ersten Video die Gebärende noch schmerzvoll im Bett die Wehen veratmen sehen,  ist sie im folgenden Video stark, bewegt und geht mit der Situation um. Bewegung ermöglicht es, dass sich das Baby im Becken richtig einstellt. Die aufrechte Position entspricht dem Weg, den das Baby gehen soll. Bauchtanz ist auch bei uns ein bewährtes Mittel zur Geburtsvorbereitung und wird mittlerweile in größeren Städten zahlreich zur Vorbereitung auf die Geburt eingesetzt. Gebären im Liegen hingegen ist wesentlich schwieriger, weil es sich gegen den natürlichen Weg richtet.

Auch ist der Nutzen von Musik ganz besonders sinnvoll unter der Geburt: Das Hören von angenehmer Musik führt im Gehirn zur Aktivierung von Strukturen, die für Wachheit und Aufmerksamkeit wichtig sind. Manfred Spitzer (2002, S.188) schreibt dazu:

Musik bewirkt prinzipiell das Gleiche wie andere biologisch außerordentlich wichtige Reize. Sie stimuliert das körpereigene Belohnungssystem, das auch durch Sex oder Rauschdrogen stimuliert wird udn das mit der Ausschüttung von Dopamin […] und von endogenen Opioiden […] einhergeht. Umgekehrt wird durch angenehm empfundene Musik die Aktivierung zentralnervöser Strukturen, die unangenehme Emotionen wie Angst und Aversion signalisieren, gemindert.

Natürlich ist es auch wichtig, dass Intimität hergestellt wird, sich die Frau fallen lassen kann und das Großhirn nicht zu sehr interveniert. Das ist schwer zu erreichen, wenn eine Geburt auf Video gebannt und medienwirksam genutzt wird wie hier. Und dennoch: Lassen wir uns ein klein wenig inspirieren von diesen Videos und nehmen wir von der Bewegung etwas mit zu den Geburten, die wir selber erleben und begleiten. Sehen wir die Geburt als einen bewegten und bewegenden Moment.

 

 

 

*Als Geburtspartner_innen werden hier weibliche und männliche Partner aufgefasst, um auch Regenbogenfamilien einzubeziehen.

1 Kommentare

  1. Ich kann dem nur zustimmen. Die beste Zeit der Wehen hatte ich allein im Wohnzimmer mit meiner Yogamusik, tanzend, für vier Stunden. Die Musik und die Bewegung hat so gut getan, vor allem weil ich zu dem Zeitpunkt schon seit so 48 Stunden Wehen hatte. Tatsächlich hat sich in dieser Zeit auch endlich mal mehr am Muttermund getan, wobei ich nicht weiß, ob Musik und Tanz das erreicht haben oder ob ich Musik und Tanz genießen konnte, weil die Wehen endlich besser waren und etwas bewirkt haben? Wie auch immer: Es ist der einzige Zeitraum von Freitagabend bis Sonntagabend an den ich mit einem Lächeln zurückdenke. Am Ende wurde es aber doch ein Kaiserschnitt.
    Liebe Grüße
    Julia

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