Eltern sein und Paar bleiben – über 6 Jahre Ehe

Ehe

Am Wochenende hatten wir unseren 6. Hochzeitstag. 6 Jahre sind wir verheiratet, 8 Jahre zusammen. Unsere große Tochter wird im März 5 Jahre, unser Sohn ist 14 Monate alt. Also blicke ich nun auf eine lange Zeit zurück, die wir schon als Familie verbracht haben und auch darauf, wie wir uns verändert haben in diesen Jahren.

Als wir uns kennen lernten, haben wir beide noch studiert. Ich Kleinkindpädagogik in Berlin, er Kulturwissenschaft (Medien) in Weimar. Als ich ihm das erste Mal sagte, was ich studieren würde, verstand er „Kleinkindpathologie“ und fand mich erst einmal etwas merkwürdig, bis wir dieses Irrtum ausgeräumt hatten. Wir heiraten für uns beide in Venedig. Allein, ohne Familie. Es war für uns ein wunderbares Fest und nun, im Nachhinein, bildet es auch da schon ab, wie wir sind und wie wir leben: Wir beide reichen uns, wir stehen beieinander, wir teilen unser Leben miteinander. Wir sind auch gerne mit anderen zusammen und haben auch jeder ein eigenes Leben mit eigenen Freunden, aber in erster Linie sind wir beide es, die beieinander stehen.

Manchmal lese ich Sätze wie „Das Wichtigste in meinem Leben sind meine Kinder“. Natürlich sind meine Kinder in meinem Leben wichtig, aber mein Partner ist es nicht weniger. Ich weiß wie schlimm es ist, wenn man als Eltern ein Kind verliert – mein Bruder starb vor 13 Jahren und ich habe gesehen, welche Wunden das hinterlässt. Und doch würde ich nicht denken, dass ich den Tod meines Partners „besser“ verkraften könnte, wie man es manchmal hört.

Natürlich haben auch wir unsere Krisen. Erstaunlicherweise sind es gerade die Abschiede von nahen Menschen, die uns oft in Krisen führten. Als meine Großmutter starb war das für mich der Zeitpunkt, darüber nachzudenken, dass ich nun selbst eine Familie gründen muss oder mich trennen müsse. Wir haben dann im selben Jahr geheiratet. Als seine Großmutter starb, gab es wieder einen entscheidenden Wendepunkt in unserer Familiengeschichte, der uns auch diesmal wieder näher zueinander brachte.

Unser Alltag ist oft nicht einfach. Wir haben zwei Kinder, die auf ihre Weise sehr speziell sind. Und auch wenn ich in Elternzeit bin, ist mir meine Arbeit wichtig. Ich schreibe Bücher, führe dieses Blog, gebe Workshops, setze mich für natürliche Schwangerschaft, Geburt und Elternschaft ein. Und das Leben meines Partners ist nicht weniger angefüllt mit Arbeit, Dissertation, Projekten, Podcasts und und und. Kurz: Unser beider Leben ist recht ausgefüllt und das auch noch mit ganz verschiedenen Dingen. Aber gerade das ist es, was es auch spannend macht. Jeden Abend am Esstisch sitzen wir zusammen und berichten uns unseren Tag. Was wir mit wem gemacht haben, was für Spannendes gelesen oder gehört haben. Wir hören genau zu. Und auch wenn es gar nicht unser Spezial- oder Lieblingsthema ist, sind wir präsent. Wir merken uns die merkwürdigen Namen der Freunde des anderen, die wir vielleicht noch nie gesehen haben. Wir wertschätzen die Arbeit des anderen – ob sie nun Geld bringt oder nur ideellen Wert hat. Und wir wertschätzen das Zusammensein mit den Kindern. Wir wissen, dass die Zeiten manchmal hart sind und versuchen so gut es geht, es zusammen hin zu bekommen. Und wenn die Tage noch so anstrengend sind und man einfach fertig ist mit den Nerven, dann gibt es immer noch ein verzweifeltes Lachen des anderen, das einen wissen lässt: Hey, es ist gerade echt mies, aber es wird besser und wir sitzen im selben Boot.

Mein Leben hat sich in diesen 6 Jahren sehr verändert. Ich habe mich sehr verändert. Und natürlich hat sich auch mein Mann verändert. Niemals hätte ich – als ich vor sechs Jahren einen glatt rasierten Mann in Venedig küsste – gedacht, dass ich heute mit einem vollbärtigen Kapuzenpulloverträger zusammen leben würde. Wir hatten viele wundervolle Momente in diesen sechs Jahren und bei zwei Geburten hätte ich ihm fast die Hände gebrochen. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal einen Menschen finde, den ich ohne Wimpernzucken in meine Bettpfanne im Krankenhaus schauen lasse oder der mit mir zusammen über einen Spielzeugeimer hängt, während wir den Noro-Virus durchstehen. Elternsein verändert viel im Leben und in Beziehungen. Aber es ist auch eine wunderbare Chance, jemandem so ganz und gar sein Ich anzuvertrauen und mit einem Menschen einfach zu sein und zu leben. Keine Sekunde dieser sechs Jahre würde ich missen wollen.

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