Schlagwort: Schwangerschaftsbericht

Slow pregnancy – Die Geburt von Annas drittem Kind

Anna berichtet in dieser Kolumne Monat für Monat von ihrer dritten Schwangerschaft. „Slow pregnancy“ umschreibt ihren achtsamen, bewussten Umgang mit dieser Zeit und den Gedanken, die sie sich rund um das Schwangersein macht.

Lange habe ich überlegt, ob ich einen Geburtsbericht schreiben möchte. Als Abschluss meiner Schwangerschaftskolumne und Übergang in meine neuen Artikel zur achtsamen Babyzeit bietet es sich natürlich an, dennoch ist eine Geburt ein sehr intimer Vorgang.

Erwartungen an die Geburt

Ich selbst lese gern Geburtsberichte. Mir ist allerdings aufgefallen, dass ich häufig entweder Berichte von traumatischen Geburten (und diesen Müttern muss auch zugehört werden!) oder von wunderschönen Hausgeburten (die bestärken, aber vielleicht auch etwas unter Druck setzen, dass die eigene Geburt ebenso perfekt laufen soll) gefunden habe. Ich war davon ausgegangen, dass meine Geburt eher in die zweite Kategorie fallen würde und ich habe durchaus eine Erwartungshaltung aufgebaut (natürlich auch durch die Geburten, die ich bisher erlebt habe). Und in gewisser Weise entsprach die Geburt meines dritten Kindes auch meinen Erwartungen – nur auf eine etwas andere Weise.

Die Geburt war deutlich schwieriger als ich das erwartet hatte. Obwohl es das dritte Kind war, obwohl ich mich mit Hypnobirthing beschäftigt hatte, obwohl ich sehr positiv und entspannt herangegangen bin. Und ich weiß, dass diese Geburt im Krankenhaus ganz anders ausgegangen wäre. Wie ich sie empfunden hätte, hätte von dem Einfühlungsvermögen und der Hebammen und Ärzt*innen abgehangen – und nicht von mir selbst (natürlich gibt es auch schwarze Schafe unter den Hausgeburtshebammen, aber zum Glück lernt man diese meist vorher kennen und kann abstimmen, ob man zueinander passt). Im Krankenhaus wäre mein Baby mit Saugglocke gekommen und ich hätte deutlich mehr Geburtsverletzungen davon getragen. Dass sie letztendlich eine wundervolle, bestärkende und fast verletzungsfreie Erfahrung für mich geworden ist, verdanke ich der Begleitung durch zwei kompetente und erfahrene Hebammen.

Und deswegen möchte ich meine Geschichte erzählen. Nicht um Krankenhäuser zu verteufeln, für deren Existenz ich sehr dankbar bin, aber um einen Gegenpol zu bieten und um Mut zu machen.

Es geht los!

Es war Sonntagmorgen. In den letzten Tagen hatte ich immer wieder Kontraktionen gespürt, die aber wieder aufgehört hatten. Nun kamen sie immer wieder, noch in großen Abständen und eher kurz, aber ich spürte, dass es losging.

Wir verbrachten den Vormittag zu Hause. Die jüngere Tochter hatte schlechte Laune. Unsere älteste Tochter war stark erkältet aufgewacht, hatte noch schlechtere Laune und konnte in diesem Zustand auch nicht wie ursprünglich überlegt zu Freunden oder den Nachbarn gehen (die auch Kinder hatten, die sie angesteckt hätte). Also hielten wir aus. Federten ab. Und wurden selbst immer schlechter gelaunt. Ich fragte mich, wie ich in dieser Situation ein Kind bekommen sollte, gleichzeitig war mir klar, dass sich das Baby mindestens Zeit lassen würde, bis die Kinder schliefen.

Am Nachmittag kam dann aber eine gute Freundin vorbei und es wurde besser. Die Dreijährige war in der Zwischenzeit auf dem Sofa eingeschlafen, deutlich besser gelaunt aufgewacht und der Großen ging es auch wieder etwas besser. Die drei gingen zusammen einkaufen, brachten Blümchen mit und backten dann zusammen den Geburtstagskuchen in der Küche, während wir aufatmeten. Und noch in dem Gedanken daran kommen mir die Tränen der Freude, solche wundervollen Menschen in meinem Leben zu haben.

Abends wechselte sich die Freundin dann mit einer anderen Freundin ab, die über Nacht bleiben wollte. Sie las den Kindern noch vor und ich begleitete sie in den Schlaf. Die Abstände zwischen den Wehen waren nicht kleiner geworden, die Wehen selbst nicht viel stärker. Ich war währenddessen einfach ruhig und atmete besonders tief, die Kinder bekamen es zwar mit, aber es interessierte sie nicht sehr. Wir erzählten ihnen, dass sie beim Aufwachen wahrscheinlich ihr Geschwisterchen begrüßen können würden.

Das Baby spürt, wenn die Mutter unter Stress ist

Und dann schliefen sie endlich. Und mir wurde klar: Nun kann unser Baby kommen. Langsam wurden die Abstände zwischen den Kontraktionen kleiner, sie waren aber immer noch relativ kurz. Wir warnten die Hebamme telefonisch vor, sagten ihr aber, dass es noch eine Weile dauern würde.Erst kurz vor Mitternacht riefen wir sie wieder an. Die Wellen kamen nun alle drei Minuten, hatten sich aber in ihrer Intensität noch nicht sehr verändert. Als sie ankam, war der Muttermund erst 5cm geöffnet. Es würde also noch eine Weile dauern.

Die Zeit danach habe ich nur sehr verschwommen in Erinnerung. Ich weiß, dass die Wehen intensiver wurden, dass ich immer wechselte zwischen Kniestand, herumlaufen und auf dem Sofa sitzen, bei jeder Kontraktion gehalten von meinem Mann. Bei den Geburten zuvor wollte ich nie angefasst werden, dieses Mal fühlte ich mich unglaublich verbunden mit diesem wundervollen Menschen, mit dem ich nun das dritte Kind gebären sollte. Er hielt mich im Arm, streichelte mein Haar, übte Druck auf mein Kreuzbein aus, wenn ich ihn darum bat, küsste mich und auch wenn ich die Wehen langsam als sehr schmerzhaft empfand und sehr viel lauter war als bei den Geburten zuvor fühlte ich mich doch unendlich geborgen.

Die Fruchtblase platzt!

Und dann endlich platzte die Fruchtblase und sofort spürte ich eine riesige Erleichterung und hatte wieder Kraft. Jetzt würde es nicht mehr lange dauern. Mein Baby würde kommen! Die Presswehen begannen, der Schmerz war weg – und dann ging es nicht weiter. Das Köpfchen kam nicht voran. Ich stand auf, lief herum, ging in die tiefe Hocke, legte mich auf dem Sofa auf die Seite – aber das Köpfchen rutschte einfach nicht tiefer. Die Herztöne waren sehr gut, aber es tat sich einfach nichts. Eine Stunde verging. Und in mir kamen schon Szenarien hoch, dass ich doch ins Krankenhaus verlegt werden müsste, dass mein Körper nicht in der Lage wäre, dieses Baby zu gebären – aber dann hörte ich die Stimmen der Hebammen (die zweite war mittlerweile da), die mir sagten, dass die dunklen Haare schon zu sehen seien, dass es weiterginge, dass ich das gut mache. Und ich ließ mich wieder fallen.

Ein Sternengucker?

Meine Hebamme fühlte nach und dann hieß es auf einmal „kleine Fontanelle auf 7 Uhr“. Und mir wurde klar, warum es nicht so recht weiterging. Die kleine Fontanelle ist am Hinterkopf. Wenn sie auf 7 Uhr ist, bedeutet das, dass das Gesicht nach „vorne“ zeigt. Ein Sternengucker?

Die Hebammen besprachen mich. Dann setzten sie meine Freundin auf einen Stuhl, meinen Mann auf einen zweiten und mich mit je einem Bein auf dem Schoß zweier mir so wichtiger Menschen dazwischen. Und so in der Luft hängend gebar ich bei Sonnenaufgang den Kopf meines Kindes, im Kniestand dann den Rest des Körpers, und dann hockte ich auf dem Boden und nahm meinen Sohn entgegen und all die Anstrengung war vergessen und ich spürte diese überwältigende Liebe, von der alle Mütter berichtet hatten und die bei meinen Töchtern immer etwas auf sich warten lassen hatte. Dieses Ereignis war so gewaltig gewesen, ich hatte eine solche Urkraft gespürt, und nun fiel alles von mir ab.

Ich legte mich aufs Sofa und bestaunte mein Baby und alle standen um mich herum und ich fühlte mich so richtig wie selten zuvor. Wir würden das schaffen mit drei Kindern. Genau so sollte es sein.

Kurze Zeit später kam dann komplikationslos die Plazenta und als die Nabelschnur auspulsiert war, trennte mein Mann sie ab. Unser Sohn schmatzte und ich legte ihn an, was tatsächlich schwieriger war als ich erwartet hätte, weil er immer wieder einschlief und den Mund nicht richtig öffnete. Aber dann trank er.

Die Stunden danach

Es war ruhig geworden. Die Hebammen hatten leise aufgeräumt, meine Freundin hatte sich verabschiedet und war ins Bett gegangen und auch mein Mann wollte versuchen, noch ein paar Stunden Schlaf zu bekommen. Meine Hebamme schrieb das Protokoll zu Ende, dann machte sie die erste Vorsorgeuntersuchung, wog und maß mein Baby, das deutlich größer und schwerer war als das der letzte Ultraschall ergeben hatte. Dann verabschiedete auch sie sich und ich schlief auf dem Sofa ein, das Baby auf dem Bauch und ein Glücksgefühl im Bauch.

Zwei Stunden später wachte ich wieder auf und hörte leise Stimmen aus dem Kinderzimmer. Dann tapsten nackte Kinderfüße über das Parkett und zwei verschlafene Köpfe schauten über die Sofalehne. „Kommt, schaut euch euer Brüderchen an!“, lud ich die beiden ein und da strahlten sie und die letzten Sorgen verschwanden aus meinem Herzen (denn die beiden hatten sich in den letzten Wochen der Schwangerschaft vehement eine Schwester gewünscht). Mein Mann kam ins Wohnzimmer und wir legten das Baby seinen Schwestern in den Arm und machten Bilder, die die beiden dann in den Kindergarten mitnehmen sollten. Sie zogen fröhlich und stolz von dannen und wir verschliefen den Vormittag.

Und so begann unser Leben zu fünft. Anders als erwartet. Nicht so ruhig und sanft, wie ich es kannte und mir ausgemalt hatte. Aber selbstbestimmt und kraftvoll.

Anna ist Mutter von drei Kindern. Sie hat Neurowissenschaften und kognitive Psychologie studiert und ist Trageberaterin. Mehr von ihr könnt Ihr auf Instagram lesen unter @langsam.achtsam.echt . Ihre Schwangerschaftsberichte: Woche 15 hier, Woche 20 hier, Woche 25 hier, Woche 30 hier , Woche 34 hier und von Woche 40 hier 

 

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