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Die Sache mit dem Impfen – Fragen, die man sich und dem Arzt in Sachen Impfung stellen sollte

Spritze

Das Impfen ist eines der am stärksten kontrovers diskutierten Themen unter den Eltern. Impfbefürworter und Impfgegner stehen sich oft wutentbrannt gegenüber. Ein Thema, das die Gemüter erregt. Es gibt Argumente dafür und dagegen – aus rein medizinischer Sicht und aus persönlicher sowieso. Hier soll es aber einmal nicht um medizinische Fakten gehen und um einzelne Impfstoffe, sondern einfach nur um einige Fragen, die man sich im Vorfeld des Impfens stellen kann. Fragen, die einem helfen, für sich einen guten Weg zu finden und die bei der Aufklärung helfen können.

1. Werde ich gut von meinem Kinderarzt beraten?

Ein guter Kinderarzt ist das A und O. Nicht nur in Sachen Impfungen, sondern auch generell. Kinderärzte sind für viele Jahre Begleiter der Eltern. Ihr Einfluss auf Eltern ist enorm: Schon oft habe ich gehört, dass fragwürdige Schlaflernprogramme von Eltern deswegen durchgeführt wurden, weil der Kinderarzt dies empfohlen hat. Aber nicht nur in Sachen Schlafen werden Ärzte um Rat gefragt, auch das Stillen und die Stilldauer kann von ihren Empfehlungen abhängen. Daher sollten Eltern am Besten schon vor der Geburt nach einem wirklich guten Kinderarzt Ausschau halten. Über andere Eltern erfährt man meistens viel. Auch Hebammen können bei der Suche helfen. Wichtig ist, dass der Arzt sich fortlaufend weiter bildet. Gut ist es auch, wenn er vernetzt ist und Fragen an andere Fachpersonen weiter gibt, denn schließlich sind Kinderärzte beispielsweise keine Stillberater und verfügen oft nur über Grundlagenwissen in Hinblick auf das Stillen.

In Sachen Impfungen ist ein guter Kinderarzt deswegen wichtig, weil es eine Aufklärungspflicht über Impfungen gibt: Eltern müssen vom Arzt aufgeklärt werden. Die Ständige Impfkomission (STIKO) gibt hierzu folgenden Hinweis:

Die Aufklärung sollte umfassen: Informationen über die zu verhütende Krankheit und den Nutzen der Impfung, die Kontraindikationen, Durchführung der Impfung, den Beginn und die Dauer des Impfschutzes, das Verhalten nach der Impfung, mögliche unerwünschte Arzneimittelwirkungen und Impfkomplikationen […] sowie die Notwendigkeit und die Termine von Folge- und Auffrischungsimpfungen.

Diese Aufklärung kann und sollte man vom Arzt einfordern. Es ist wichtig, dass Eltern wirklich aufgeklärt sind über den Impfvorgang und eventuelle Folgen und Risiken. Das Deutsche Ärzteblatt verdeutlicht die Bedeutung der Aufklärung aus juristischer Sicht nochmals folgendermaßen:

Die höchstrichterliche Rechtsprechung hält daran fest, daß jeder Eingriff in die körperliche oder gesundheitliche Befindlichkeit des Patienten – sei er behandlungsfehlerhaft oder frei von einem Behandlungsfehler – als Verletzung des Behandlungsvertrages und als rechtswidrige Körperverletzung zu werten ist, wenn er sich nicht im konkreten Fall durch eine wirksame Zustimmung des Patienten gerechtfertigt erweist […]. Der Umfang und der Genauigkeitsgrad der Aufklärung sind umgekehrt proportional zur Dringlichkeit des Eingriffs […]. Dies besagt: Je weniger dringlich sich der Eingriff in zeitlicher und sachlicher Hinsicht für den Patienten darstellt, desto weitergehend ist das Maß und der Genauigkeitsgrad der Aufklärungspflicht.

Der Arzt sollte dabei objektiv alle wichtigen Punkte behandeln und ergebnisoffen sein: Letztlich muss die Entscheidung bei den Eltern liegen. Allerdings ist es nach einem guten Beratungsgespräch durchaus möglich, einen alternativen Impfplan auszuhandeln: Auch unter Ärzten wird diskutiert, Kinder erst im Kleinkindalter zu impfen, da Gehirn und Immunsystem besser ausgereift sind. Auch muss nicht unbedingt auf die großen Mehrfachimpfungen zurück gegriffen werden; viele Impfstoffe gibt es auch einzeln oder in kleineren Zusammenstellungen. Stellt sich beim Beratungsgespräch heraus, dass Eltern und Arzt nicht auf einer „Wellenlänge“ sind oder die Beratung ist nicht umfassend genug, sollten Eltern in Ruhe eine Zweitmeinung einholen, bevor sie sich abschließend entscheiden. Wer sich nach einer Aufklärung gegen eine Impfung entscheiden sollte, muss dies oft schriftlich beim Arzt bestätigen. Aber immer gilt: Eine gründliche Aufklärung ist Pflicht! Gut ist es, Beratung und Impfung getrennt voneinander zu vereinbaren. So kann man das Gehörte noch einmal überdenken, eben eine Nacht drüber schlafen und sich vielleicht auch mit dem Partner in Ruhe ohne Anwesenheit des Arztes austauschen.

Entscheidet man sich gegen die Impfung, braucht man einen Kinderarzt, der im Krankheitsfall behandelt  und der Erfahrungen mit der Behandlung hat. Entscheidet man sich beispielsweise gegen eine Masern-Impfung, benötigt man im Krankheitsfall dringend einen fachkundigen Arzt – und zwar einen, der schon einmal die Erkrankung behandelt hat. Auch diese Frage sollte also im Beratungsgespräch geklärt werden.

Wer sich für die Impfung entscheidet, sollte sich vom Arzt den Beipackzettel und die Impfampulle des Impfstoffes mitgeben lassen: Im Beipackzettel sind unerwünschte Arzneiwirkungen aufgeführt, die nach der Impfung auftreten können. Das ist eine gute Richtlinie, um eventuelle Komplikationen einordnen zu können. Allerdings gibt es in Sachen Langzeitfolgen bisher keine einheitliche Datenlage und es können durchaus auch Symptome auftreten, die auf dem Beipackzettel nicht erwähnt sind. Die Impfampulle enthält die Chargennummer. Diese sollte auch im Impfausweis vom Arzt aufgeführt werden. Sollte es doch eine Komplikation geben, kann dies für anschließende gerichtliche Auseinandersetzungen sehr wichtig sein.

 

2. Welche Rahmenbedingungen müssen wir erfüllen in Sachen Impfen/nicht Impfen?

Wer sich mit den medizinischen Fakten auseinander gesetzt hat, Pro und Contra abgewogen hat und gut beraten wurde, kann auch noch ganz persönliche Fragen in die Entscheidung mit einbinden:

Wie gesund ist mein Kind?

Die Fälle, in denen Kinder geimpft wurden und in denen (zum teil schwerwiegende bis tödliche) Nebenwirkungen aufgetreten sind, zeigen, dass Nebenwirkungen möglich sind. Allerdings ist es bislang unklar, welche Faktoren besonders auslösend sind, d.h. warum einige Kinder durch eine Impfung schwere Hirnschäden davon tragen und andere nicht. Auf jeden Fall sollte das Kind vor einer Impfentscheidung ganz betrachtet werden: Ist mein Kind generell gesund? Hat es ein gutes Immunsystem? Ist es viel verschiedenen Erregern ausgesetzt, zum Beispiel durch den Besuch eines Kindergartens?

Leidet ein Kind unter Allergien gegen Inhaltsstoffe der Impfstoofe wie z.B. Hühnereiweiß, Thiomersal oder Antibiotika, ist ebenfalls Vorsicht geboten: In diesem Fall sollte auf einen Impfstoff ohne diese Inhaltsstoffe zurück gegriffen werden oder die Impfung ganz vermieden werden. Treten in der Familie besonders häufig Allergien auf und ist nicht bekannt, ob das Kind auch allergisch auf einen der Zusatzstoffe reagieren könnte, muss ebenfalls genau mit dem Arzt abgewogen werden.

Noch vor einigen Jahren war der Begriff „Hochsensibilität“ für viele Menschen völlig fremd. Heute können immerhin einige Menschen mit diesem Begriff mehr anfangen. Etwa 15 bis 20 Prozent der Menschen sollen hochsensibel sein: Ihre Großhirnrinde ist leichter erregbar als bei anderen Menschen und es werden mehr Außenreize als bedeutsam eingestuft als bei nicht-hochsensiblen Menschen. Hochsensible Menschen reagieren oft stärker auf Therapien und haben häufiger mit Nebenwirkungen von Medikamenten zu kämpfen, da ihr gesamter Körper, aber insbesondere das Nervensystem, Informationen anders aufnimmt und verarbeitet. Dies trifft natürlich auch bei Impfungen zu. Wer ein hochsensibles Kind hat, sollte unter diesem Gesichtspunkt mit dem Arzt über die Impfung und mögliche Probleme sprechen.

Was mache ich mit meinem Kind im Krankheitsfall?

Wie oben bereits beschrieben, ist es wichtig, einen Arzt zu haben, der auch die Krankheiten behandelt und behandeln kann, die heute durch Impfungen kaum noch auftreten. Darüber hinaus stellt sich jedoch noch eine andere wichtige Frage: Kann ich im Krankheitsfall die Versorgung meines Kindes gewährleisten? Erkrankt ein Kind an einer Kinderkrankheit, ist dies oft ein langwieriger Prozess. Wer sich gegen eine Impfung entscheidet, sollte einen Notfallplan dafür haben, dass das Kind eventuell über einen langen Zeitraum zu Hause bleiben muss. Vorab können Eltern sich fragen: Kann ich lange von meiner Arbeit fern bleiben? Haben wir andere Angehörige oder Freunde, die sich um unser krankes Kind kümmern könnten?

 

3. Wann ist das Impfen generell nicht angeraten?

Wie schon erwähnt, ist bei Allergie oder Überempfindlichkeit gegen einen der Inhaltsstoffe ggf. von einer Impfung abzusehen. Darüber hinaus gibt es aber auch Gründe, um Impfungen zu verschieben: Ist das Kind krank oder kränkelt es leicht (und es ist zu erwarten, dass es in den nächsten Tagen krank wird), sollte nicht geimpft werden. Auch, wenn im nahen Umfeld gerade viele Menschen krank sind und nicht ausgeschlossen ist, dass das Kind sich gerade angesteckt hat (Inkubationszeit), ist eine Impfung nicht anzuraten. Sind gerade Zähne am Durchbrechen (wobei viele Kinder besonders infektanfällig sind), sollte ebenfalls eher abgewartet werden, wie auch generell in Umbruchzeiten, in denen das Kind stark gestresst ist (zum Beispiel in der Kitaeingewöhnungsphase). Hat das Kind schon einmal eine starke Impfreaktion gezeigt oder einen Schaden durch eine Impfung erlitten, muss vor einer weiteren Impfung genau die Ursache geklärt werden, um weitere unerwünschte Reaktionen zu vermeiden.

Liest man diese Liste der Empfehlungen, wann eine Impfung lieber verschoben werden sollte, werden sich manche Eltern vielleicht fragen, wann im ersten Jahr überhaupt geimpft werden soll, da die meisten Kinder in einem fort Entwicklungsschübe, Erkältungskrankheiten oder Zahnungsprobleme haben und die Zeitfenster, in denen tatsächlich gar nichts ansteht, wirklich sehr gering sind. Tatsächlich ist es in solchen Fällen mit dem Arzt zu besprechen, wann ein guter Zeitpunkt ist und ob eine Verschiebung auf einen späteren Zeitpunkt sinnvoll ist.

Wie geschrieben, ist jede Familie und jedes Kind anders. Eine Pauschallösung gibt es nicht. Aber es gibt Fragen, die Denkanstöße geben  und durch das Chaos an Informationen helfen können. So, dass Eltern nicht nur aus Angst keine oder aber aus Angst jede Impfung machen lassen, ohne genau informiert und aufgeklärt zu sein. Lasst Euch von Ärzten also nicht abwimmeln, sondern besteht auf Euer Recht und ihre Pflicht. Schließlich geht es um die Gesundheit der Kinder – welche Entscheidung man letztlich auch trifft.

 

Weiterführende Literatur zur medizinischen Vertiefung:

Hirte, Martin (2008): Impfen. Pro & Contra. Das Handbuch für die individuelle Impfentscheidung. – München: Knaur.

Susanna Boldi-Labusga (2010): Impfungen auf dem Prüfstand. In: Natur & Heilen. 11/2010

Epidemiologisches Bulletin des RKI