Wochenende in Bildern 06./07. Oktober 2018

Es gibt so Tage und Wochenenden, an denen läuft alles schief. Egal wie sehr man sich anstrengt, da wird einfach nichts Gutes draus. Und es gibt Tage und Momente, die sich für immer einbrennen, die man nicht mehr los wird. Und dieses war eines, an dem all das vorkam. Es begann damit, dass die Kinder und ich das Frühstück selber machen mussten, weil mein Mann zu einer Beerdigung gefahren ist, um sich von einem Menschen zu verabschieden, der ihm viel bedeutet hat. Nur hatte er die Uhrzeit falsch notiert und würde zu spät kommen. Das umso mehr, da er lange im Stau stand.

Zwei von drei Kindern spielen vergnügt im Garten mit Wasser und Spritzen und machen sich vollkommen nass. Aber sie haben Spaß und die Sachen trocknen wieder.

Nur einem Kind geht es gar nicht gut. Und auch Wärmflasche und Tee bringen nichts. Auch nicht Ruhe und Hörspiele und Lieblingsessen. Irgendwann gibt es den Moment, an dem ich denke: Wir müssen ins Krankenhaus. Ohne Auto auf dem Land mit drei Kindern ist das nicht so einfach. Und der Bus fährt am Wochenende nur ganz selten. Also warten, umsorgen, denn Mann und Auto kommen ja wieder. Irgendwann nach der Beerdigung und dem Stau auf dem Rückweg. Vielleicht ja ein Leistenbruch? Oder Blinddarm? Rückweg: Wieder Stau und irgendwann endlich angekommen im Krankenhaus in einer langen Schlange der wartenden Eltern mit kranken Kindern. Direkt vor uns ein kleines Mädchen mit Platzwunde in der Schlange und blutverschmierten Eltern. Davor ein verschnupftes, fiebriges Kind. Während ich noch darüber nachdenke, wann nun ein Notfall wirklich ein Notfall ist, wird das Kind an meiner Seite ganz schlaff und sackt zusammen. Mit anderen wartenden Eltern wird es hinein getragen. Das ist definitiv einer der Momente, die man nicht mehr vergisst. Diese Angst, diese Sorge, die Gedanken, die blitzschnell durch den Kopf gehen. Nach Untersuchungen und Warten werden wir aber wieder nach Hause gelassen: Lieber zu Hause beobachten, Ursache unklar. Also vielleicht doch kein Notfall. Oder nur jetzt noch nicht.

Die restliche Nacht ist unruhig. Aber das ist nichts Neues, denn gerade sind die Nächte ohnehin kurz. Das letzte Kind ist in der „Trotz“phase und wacht oft wütend nachts auf. Oder ganz früh morgens. Oder ist prinzipiell verstimmt, weil es die Geschwisterkinder in besserer Versorgung wähnt in Hinblick auf Nahrung, Zuwendung oder irgendetwas anderes. Ressourcen, immer geht es um Ressourcen. Ich glaube, keines meiner Kinder war jemals so wütend wie dieses. Vielleicht lese ich mal in meinem eigenen Buch nach oder höre meinem eigenen Vortrag aufmerksam zu, den ich nächsten Samstag in Hamburg halte zu genau diesem Thema.

In einer recht ruhigen Minute schaffe ich es aber, den neuen Newsletter vorzubereiten. Wie immer gibt den Anstoß zum Inhalt mein Alltag und diesmal geht es um „Irgendwas ist immer“ und „Probleme, die Gewichtheben gehen“. Im Hintergrund beklebt der Sohn Briefumschläge mit Adressetiketten, denn diese Woche wollen auch noch die vorbestellten neuen Bücher signiert und verschickt werden. Und wenn wir jetzt früh genug anfangen, dann klappt das auch trotz der Sachen, die vielleicht in dieser Woche noch so passieren. Denn irgendwas ist ja immer. Bei Euch eigentlich auch?

Eure

 

 

16 Kommentare

  1. Oh je, schade dass ihr das tolle Spätsommer-Wetter an diesem Wochenende nicht auskosten konntet und euer Wochenende nicht so schön war. Ich drücke euch die Daumen, dass die nächsten Nächte angenehmer werden und es eurem Kind schnell wieder besser geht.
    Alles Liebe und einen guten Start in die neue Woche <3
    Carina

  2. Gute und schnelle Besserung an das kranke Kind. Als Eltern kann man ja meistens immer erst dann wieder entspannen, wenn es dem Kind wieder gut geht.

  3. Sara Sonne

    Liebe Susanne, ich bin gerade mit tränen in den Augen bei dir vor ein paar Wochen hatten wir eine ähnliche Situation und kann nachempfinden wie kraftzerrend und angstbesetzt solche Tage sein können. Ich wünsche euch in den nächsten Tagen viele schöne Momente zum Kraft tanken, guter Schlaf und vorallem gute Besserung!
    Fühl dich (unbekannterweise) gedrückt!
    Liebe Grüße Sara

  4. Oh nein, ich drücke euch die Daumen, dass der Spuk harmlos ist und schnell vorbei geht! Und dass eure Nächte wieder besser werden. Hier bei uns ist es zur Zeit ganz ähnlich, mit unseren zwei Mäusen. Ich schicke euch viel Kraft aus Köln und nicht zuletzt mein herzliches Beileid!

  5. Liebe Susanne! Ich liebe deine Bücher! Ich habe 4 Söhne zwischen 2 und 7 und kann jedes davon bestens brauchen. Aber in Bezug auf deinen Kleinen, der dir wütender vorkommt als die anderen kann ich dir nur Nora Imlau empfehlen (So viel Freude, so viel Wut). Ich hab auch so einen, der wütender (und auch sonst mit größeren Gefühlen ausgestattet) ist als die anderen! Aber das Buch kennst du wahrscheinlich!
    Ansonsten gute Besserung hinsichtlich gesundheitlicher und emotionaler Tiefen! Andere Wochenenden sind anders! 😊
    LG Julia

    • Liebe Julia,
      ich denke, dass das einganz normales Verhalten ist. Die Forschung sagt ja, dass die Art des Ausdrucks etwas mit der Geschwisterfolge zu tun hat und auch bei Jungen zeigt sich ein stärkerer Ausdruck. Auch aus meiner pädagogischen Praxis kann ich das so bestätigen, dass es normal ist – nur eben dennoch anstrengend. Ich finde es immer wichtig, nicht zu schnell in Schubladen zu stecken, sondern offen zu bleiben und auch gesellschaftlich finde ich es wichtig, durchaus zu denken und zu sagen: Das ist vollkommen normal und gehört eben mit dazu 😉
      Also keine Sorge: anstrengend, aber normal anstrengend 🙂

      • Liebe Susanne,

        was sagt denn die Forschung genau dazu? Ich sehe an meinen Jungs auch, dass der Kleine viel wütender ist als sein Bruder. Habe es aber bisher darauf geschoben, dass auf seinen Bruder viel mehr Rücksicht genommen wurde, was jetzt mit mehreren Kindern schlichtweg nicht mehr geht.

        Ich wünsche euch alles Gute

        Anne

        • Es kommen verschiedene Faktoren zusammen: enge Geburtenfolge, dann das jeweilige Temperament, aber auch soziökonomische Faktoren können hinein spielen und teilweise wird gesagt, Jungen würden ein stärkeres Einfordern von Ressourcen zeigen.

  6. Liebe Susanne,
    ach du Schreck. Ich wünsche euch eine gute Genesung, hoffentlich ist mit dem Schreck das Schlimmste überstanden!
    Unser Wochenende war auch vermurkst, aber glücklicherweise nur durch ein kaputtes Auto…
    Ich drück dich und wünsche euch einen guten Start in die Woche,
    Veronika

  7. Liebe Susanne!
    Entschuldige! Ich wollte niemanden und schon gar nicht deinen Kleinen in eine Schublade stecken. Es war nur nett gemeint.
    LG Julia

  8. Hier ist sie doch, die oft gewünschte Authentizität! Danke!
    Und ja, natürlich geht es auch anderen so. Ende der Woche ein schöner Tag mit weit gereistem Besuch, der mit einem gebrochenen Arm endete. Doppelt traurig, da es in wenigen Tagen zum Geburtstag endlich das lang ersehnte Fahrrad geben soll. Am schulfreien Brückentag 6 Uhr morgens Alarm und Polizei wegen versuchtem Einbruch im Lokal im Erdgeschoss. Und eine seit Wochen belastende Situation mit Freunden, die beim besten Willen unlösbar scheint.
    Gott sei Dank sind solche geballten Krisenzeiten hier die Ausnahme, Gott sei Dank für jedes „langweilige“ Wochende!

    Euch allen gute baldige & anhaltende Besserung!

    LG Abi

  9. Liebe Susanne,
    Vielen Dank für deine „Wochenenden“ – es tut immer wieder gut, sich in diesen kleinen Einblicken in den ganz normalen Wahnsinn 😉 wiederzufinden!
    Hoffentlich geht es deinem Kleinen wieder gut?
    Ich habe noch eine ganz profane Frage: auf dem so schön gedeckten Frühstückstisch für dieses und auch letztes Wochenende steht eine wunderschöne Kaffeetasse – wo bekomme ich die? Dankeschön!

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