Riechst Du das? – Über den Geruchssinn, Kinder und ätherische Öle in der Familie {Werbung}

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Wir sind umgeben von Gerüchen, die wir manchmal gar nicht mehr wahrnehmen. Sich einen Moment besinnen, die Augen schließen und riechen: Was riechst Du da eigentlich gerade alles? In Kaufhäusern, Einkaufsläden, Hotels und gar Büros werden wir über Klimaanlagen gezielt mit synthetischen Duftstoffen „beduftet“, um unsere Kauffreude oder -entscheidungen anzuregen, um uns effektiver arbeiten zu lassen. Slipeinlagen, Windeln und selbst Technik werden beduftet, damit sie frisch, sauber oder neu riechen. Reizüberflutung betrifft schon lange nicht mehr nur die akustischen oder optischen Eindrücke, sondern bezieht sich auch auf den Riechsinn, dem wir alle nicht entgehen können: Wir können nicht die Nase schließen, keine Geruchsschutzkopfhörer aufsetzen. Wir riechen jeden Tag und es gibt gute Einflüsse auf diesen Sinn und weniger gute. Es gibt hilfreiche Düfte und Düfte, auf die wir verzichten können oder sollten.

Warum das Riechen so wichtig ist

Der Geruchssinn entsteht recht früh in der Entwicklung des Menschen. Ab der 28. Woche nimmt der Embryo Gerüche wahr. Schon jetzt „riecht“ das Baby über die Nabelschnur mit und verbindet den Geruch mit den übermittelten Gefühlen der Mutter. So entstehen bereits vor der Geburt Vorlieben und Abneigungen, die wir scheinbar „mitbringen“. Auch nach der Geburt ist der Geruchssinn wichtig, denn u.a. darüber „erkennt“ das Baby die Mutter und findet die Brust, um zu stillen. Und auch später ist der Geruchssinn wichtig für uns, denn wir nehmen viel von der Umgebung über den Geruch auf: Geruch ist wichtig im sozialen Miteinander („Kann ich den anderen riechen?“), zur Warnung vor Gefahren, in Bezug auf Nahrungsmittel und Geschmack. Viele Menschen, deren Geruchssinn eingeschränkt ist, entwickeln eine Depression.

Der Geruchssinn begleitet uns ein Leben lang, auch wenn er im Alter oft schlechter wird. Was wir riechen, kann Einfluss nehmen auf unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden, unser Empfinden. Nicht selten passiert es, dass wir einen Geruch wahrnehmen und mit ihm taucht auf einmal ein besonderes Empfinden auf, vielleicht auch eine konkrete Erinnerung: Wir speichern Empfindungen oft zusammen mit Gerüchen ab. Der besondere Rosenduft bei der Hochzeit, der Geruch des Massageöls bei der Geburt oder auch bei belastenden Lebenssituationen der süße Lilienduft bei der Beerdigung der Großmutter. – Wir erinnern uns unwillkürlich an Ereignisse und Gefühle durch die Düfte, die unser limbisches System (das „Emotionsgehirn“) abgespeichert hat.

„Positiv“ riechen

Diesem besonderen Sinn schenken wir im Alltag so wenig Aufmerksamkeit, besonders auch im Alltag mit unseren Kindern. Wie viele beduftete Dinge verwenden wir für unsere Kinder? Und wo hat dieser Duft einen wirklichen Vorteil? Wo bringt er eine angenehme, sinnliche Erfahrung und etwas, das die Bindung stärken kann, ein gutes Gefühl vermittelt, uns unterstützt? Wo lenken wir überhaupt unser Augenmerk einmal auf den Geruchssinn. Wir fragen unsere Kleinkinder: „Hast Du das Müllauto gesehen?“ oder „Hast Du das Hupen gehört?“ Aber wie oft fragen wir: „Riechst Du das?“ „Hast Du den Blumenduft eben gerochen?“ Unsere Aufmerksamkeit liegt so sehr auf den anderen Sinnen. Das Riechen, das dennoch beständig da ist, nehmen wir aktiv kaum wahr.

Aber gerade mit dem Riechen können wir auch viel erreichen, können unterstützen, können schöne Erinnerungen schaffen, einen positiven „Geruchsabdruck“ der Kindheit hinterlassen. Gerüche lösen Empfindungen in uns aus und können unterstützen, heilen, beruhigen. Wird ein Geruch aufgenommen, wird er über die Riechnerven ins limbische System geleitet und von dort an das Zentralhirn, das schließlich bewirkt, was wir empfinden durch den Geruch.

Ätherische Öle und synthetische Duftstoffe – Wo ist der Unterschied?

Über Haut, Atmung und Geruch wird unser Empfinden beeinflusst: Unbewusst, durch die Gerüche unserer Umgebung oder durch bewusste Beeinflussung, wenn wir über einen Geruch und seine Chemie Einfluss nehmen wollen auf ein Empfinden. Wir alle wissen, dass Gerüche unterschiedlich auf uns wirken: Lavendelduft wirkt entspannend, Zitrusdüfte eher anregend, Vanille wohlig umhüllend. Während wir an vielen Stellen unbewusst mit diesen Botschaften konfrontiert werden, können wir sie aber auch ganz bewusst anwenden, um zu entspannen, um uns Frische zu geben oder Energie und Mut an einem schwierigen Tag.

Ätherische Öle sind das Essentielle einer Pflanze, das in ihren Öldrüsen eingelagert ist. Die Öle können in verschiedenen Pflanzenteilen zu finden sein, u.a. in Wurzel, Holz, Kraut, Blüten, Samen. Diese natürlichen pflanzlichen Inhaltsstoffe setzen sich aus verschiedenen chemischen Substanzen zusammen. Wie das Öl duftet, ergibt sich aus dieser Zusammensetzung. Weil sich die Öle schnell verflüchtigen, werden sie als ätherische Öle bezeichnet (Äther = Himmelsluft). Auf verschiedene Arten können diese Öle aus den Pflanzen gewonnen werden: durch Wasserdampfdestillation, Kaltpressung, Enfleurage oder Extraktion. Für die Qualität des Öls ist nicht nur der Anbau des Öls wichtig (da es von unserem Körper aufgenommen wird, ist hier besonders wichtig, dass es frei von Pestiziden und anderen Belastungen ist, weshalb ein ökologischer Anbau sehr wichtig ist), sondern auch das Ernteverfahren und die Herstellung und Lagerung des Öls. Ätherisches Öl ist nicht gleich ätherisches Öl und nicht selten verbirgt sich hinter einem kleinen Fläschchen auf dem Weihnachtsmarkt kein naturreines ätherisches Öl, sondern ein synthetisches aus Erdölausgangsprodukten hergestelltes.

Synthetische Duftstoffe sind zwar lange haltbar, preiswerter und haben im Vergleich zur Naturvariante einen immer gleich bleibenden Duft ohne natürliche Schwankungen, aber sie sind von unserem Körper nicht verstoffwechselbar, werden also nicht oder nur schwer abgebaut und können sich sogar im Gewebe ablagern und auf diese Weise den Körper belasten. Naturreine ätherische Öle hingegen sind nicht nur stoffwechselaktiv, sondern können auch abgebaut werden.

Ätherische Öle in der Familie – Geht das?

Immer wieder ist zu lesen, ätherische Öle wären gefährlich, sollten nicht verwendet werden oder zumindest nicht in Familien. Betrachtet man diese gelegentlich auftauchenden Meldungen genauer, wird schnell klar, dass in der Berichterstattung viele Aspekte vermischt werden und mehr Unklarheiten entstehen als Aufklärung. Tatsächlich sind die synthetischen Duftstoffe, die wir in vielen Produkten finden, oft belastend für den Körper und gerade für kleine Kinder und Babys ungeeignet: Parfumierte Windeln, beduftete Feuchttücher oder auch mit synthetischen Duftstoffen versehene Nahrungsmittel können Probleme mit sich bringen. Und auch in Bezug auf die Verwendung naturreiner ätherischer Öle gibt es einige Punkte zu beachten:

  • Ätherische Öle sind nicht als Dauerbeduftung zu benutzen
  • Ätherische Öle sollen (bis auf wenige Ausnahmen) nur stark verdünnt auf der Haut benutzt werden. Gerade bei Babys uns Kleinkindern muss auf eine besonders starke Verdünnung geachtet werden
  • Bevor ätherische Öle benutzt werden, empfiehlt sich eine Kontaktprobe in der Ellenbeuge
  • Kinder sollten keinen Zugang zu ätherischen Ölen haben
  • Der Kontakt mit den Schleimhäuten ist (bis auf medizinische Anwendungen durch Fachpersonal) zu vermeiden

Dennoch können auch ätherische Öle in Familien und gerade auch mit Kindern genutzt werden, wenn die Anwendungshinweise befolgt werden. Einige ätherische Öle sind für Babys, Kinder und/oder Schwanger nicht geeignet, weshalb es wichtig ist, sich gut beraten zu lassen. Unterschiedliche Öle einer auf den ersten Blick gleich wirkenden Pflanze können in ihrer Wirkung ganz verschieden sein: Während „Lavendel fein“ und „Lavendel extra“ in der Regel sogar pur auf der Kinderhaut angewendet werden können, ist Lavandin nicht für Kinder geeignet. Es empfiehlt sich daher immer eine fachkundige Beratung vor der Benutzung. Und auch im Netz ist nicht jedes Rezept, das zu lesen ist, unbedingt aus fachkundigen Händen. Vor jeder Anwendung von ätherischen Ölen bei Kindern sollte zudem die Frage stehen: Was verspreche ich mir davon? Warum brauchen wir das jetzt? Erst dann, wenn es einen wirklichen Bedarf gibt für die Nutzung eines oder mehrerer Öle, sollten wir dieses anwenden. Für die ganz normale Alltagspflege reichen oft Wasser und ein fettes Öl wie Mandel- oder Aprikosenkernöl.

Richtig angewendete Aromapflege kann jedoch den Familienalltag im Bedarfsfall unterstützen: Mit ätherischen Ölen können Massageöle beduftet werden, um eine besondere Wirkung hervor zu bringen: Schlaf-gut-Öle für die Abendmassage, Alles-wird-gut-Öl für aufgebrachte Kindergarten- oder Schulkinder zum Ausgleich, Duftmischungen, um die Konzentration zu verbessern, beispielsweise bei Klassenarbeiten. Wir können positive, duftende Kindheitserinnerungen schaffen mit duftenden Ritualen wie dem „Goldtröpfchen“ nach der Badezimmerpflege. Und wir können unser Augenmerk auch einmal im Alltag ganz bewusst auf den Geruchssinn lenken und mit größeren Kindern beispielsweise ein Geruchsmemory spielen und im Alltag mehr darauf achten, welche Bedeutung der Geruch hat und was wir vielleicht auch einfach „überriechen“.

Unser Geruchssinn ist einer unserer Sinne, den wir nicht vergessen sollten. Weder im Alltag, noch in Hinblick darauf, was wir uns und unseren Kindern über ihn Gutes tun können. Einige Anregungen für die Nutzung ätherischer Öle findet Ihr hier bei Primavera, hier habe ich schon einmal Ideen für größere Kinder aufgeschrieben, hier auch zum Thema Konzentration in der Schule. Hier auf Instagram findet Ihr außerdem eine aktuelle kleine Anregung für einen Duft-Säckchen als Begleiter in die Kita und ein Gute-Nacht-Öl.

Eure

 

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