Mit Kindern über den Tod sprechen {Werbung}

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Als unser Nachbar kürzlich starb, war es wieder da: das Thema Tod. Wellenartig kommt es immer wieder zurück zu den Kindern und uns Eltern. Der verstorbene Vater des Freundes, das verstorbene Kind der Freundin, die Frage, wann die Großeltern denn sterben. Oder die kleinen Tode, die im Alltag fast übersehen werden: die tote Wespe auf dem Fensterbrett, die Maus im Hof, deren Skelett schon zu sehen ist. Kinder bemerken all dies. Sie sehen die vielen kleinen Tode und fügen sie zusammen in ihre Geschichten, fragen nach. Jeder kleine Tod, jede kleine Frage ist ein Teil des Gesamtkonzeptes. Jede Frage ist wichtig, denn der Tod begleitet uns immer und es ist gut, Kinder von Anfang an vorzubereiten auf die großen Fragen, die einmal kommen – und auf die Trauer.

Der Tod ist immer da – sieh nur hin

Oft haben Eltern scheu davor, das Thema Tod mit ihren Kindern zu besprechen. Weil es so unverständlich ist, weil es schmerzt, weil es schwer erklärbar ist oder alte Wunden aufreißt. Oft übertragen wir Erwachsenen unsere eigene Angst und unser Unbehagen auf die Kinder. Trauer findet bei uns oft verborgen statt: Der Trauerzug auf dem Friedhof, heimliches Weinen zu Hause. In meiner eigenen Kindheit habe ich zuletzt im Bekanntenkreis Frauen erlebt, die lange Zeit nur schwarz trugen nach dem Verlust eines Familienmitglieds und deren Trauer lange sichtbar war – heute sehe ich dies kaum noch. Ich erinnere mich daran, wie beeindruckt ich als Kind von einem Trauerfall der muslimischen Nachbarn meiner Großeltern war, bei denen laut und beeindruckend von dem verstorbenen Menschen Abschied genommen wurde – und bei uns Monate später ganz anders. Trauer kann verschieden aussehen und ist auf jede Art immer richtig. Und ich erinnere mich an die Familie in unserem Haus, die ihren verstorbenen Großvater aufbahrte und Totenwache hielt. Ich erinnere mich auch an das Unverständnis, als mein Klassenkamerad mit 9 Jahren viel zu jung aus dem Leben gerissen wurde und wir alle mit Blumen in den Händen vor seinem Sarg saßen und weinten. Und wie ich hinter dem Sarg meines Bruders lief und ich meinen Vater zum ersten und einzigen Mal weinen sah.

Aber der Tod ist jeden Tag und überall anwesend. Oft verpassen wir die kleinen Momente, um über die großen Themen zu sprechen. Aber wie so oft gilt auch hier: Es hilft uns und den Kindern, wenn wir das Thema nicht erst dann ansprechen, wenn es aktuell die nähere Familie betrifft. Es ist gut, die kleinen Gelegenheiten des Alltags aufzugreifen und über das zu sprechen, was Kinder sehen: der kleine Vogel, der tote Käfer. Auch Kinderbücher können eine Brücke sein, um zu dem Thema zu kommen (Tipps siehe unten im Ebook). Nicht erst dann, wenn ein Todesfall vorliegt, sondern im Alltag. Denn damit senden wir eine wichtige Botschaft: Der Tod ist Bestandteil unseres Alltags.

Mit Kindern trauern

Und dann passiert es doch irgendwann, dass der Tod ganz nahe ist und zum ersten Mal eine große Wunde hinterlässt. Auf die Frage nach dem „Warum“ gibt es für Kinder lange Zeit keine richtige Antwort. Je jünger Kinder sind, desto schwieriger ist das „Warum“ zu erklären und auch, was „tot sein“ überhaupt bedeutet: Unwiederbringlichkeit. Kleine Kinder spüren besonders die Anspannung der Eltern und reagieren darauf. Auch dann, wenn Eltern mühevoll versuchen, die eigene Trauer zu unterdrücken. Jedes Kind – unabhängig vom Alter – verspürt einen Verlust, unterschiedlich ist aber die Art, wie damit umgegangen wird, wie der Verlust ausgedrückt werden kann und auch, wie das Umfeld zur Verarbeitung eingebunden wird. Sind Kinder aber bereits vorbereitet und sind wir als Eltern offen, ist dies in jedem Alter eine große Hilfe.

Mit Kindern zu trauern, bedeutet: offen sein und Gefühle und Fragen zulassen. Der Tod ist für Kinder – mehr noch als für uns Erwachsene – unverständlich. Sie brauchen unsere Hilfe, um damit zurecht zu kommen. Und sie brauchen Ehrlichkeit. Keine schonungslose, brutale Ehrlichkeit, aber den ehrlichen Umgang mit dem Umstand, dass ein Mensch gestorben ist. Er oder sie ist nicht „entschlafen“ oder „eingeschlafen“ (welch furchtbare Assoziation mit dem Schlaf), er oder sie ist auch nicht „von uns gegangen“ – der andere Mensch ist gestorben und kehrt nicht mehr zurück. Es ist gut, wenn Kinder Fragen stellen können, die manchmal – je nach Alter – auch erst später kommen. Besonders wichtig aber ist, einfach da zu sein, in den Arm zu nehmen, Gefühlen Raum zu geben von Trauer über Angst bis Schmerz und Wut, wenn das Kind das will. All diese Gefühle sind möglich und haben ihren Raum. Und manchmal wechseln sie sich auch ab und auf das Spiel folgt ein nachdenkliches Gespräch und dann wieder ein Spiel. Kleine Kinder zeigen ihre Trauer oft mit Störungen des Schlafverhaltens, Unruhe und Änderungen im Ess- oder Trinkverhalten. Und auch der Schlaf und das Allgemeinbefinden von größeren Kindern kann beeinträchtigt sein. Manchmal brauchen sie nun besonders viel Nähe und werden eher „wieder klein“, manchmal reagieren sie auch aggressiv und wild. – Jedes Kind geht seinen Weg und muss dabei von uns aufgefangen und an die Hand genommen werden. Auch Kita und Schule können daran einen wichtigen Anteil haben und sollten einbezogen und informiert werden im Falle eines nahen Todes.

Kinderbuchausstellung zu „Die besten Beerdigungen der Welt“

Abschiedsrituale

Rituale sind gute Wege, um Abschied zu nehmen. Manchmal gibt es nicht die Möglichkeit, eine Beerdigung zu besuchen, beispielsweise wenn sich Familien früh in der Schwangerschaft von einem Sternenkind verabschieden müssen. Dennoch ist es für die trauernden Geschwister gut, ein Abschiedsritual zu zelebrieren wie ein Kerzenschiffchen am See schwimmen zu lassen oder ein kleines Grab anzulegen, das besucht werden kann. Auch an Beerdigungen können Kinder teilnehmen, wenn sie darauf vorbereitet und dabei begleitet werden. Wichtig ist hier, immer auf die Bedürfnisse des Kindes zu achten. Manche Kinder schlafen auf Beerdigungen ein, wenn es zu anstrengend für sie wird, andere brauchen aktive Rückzugsbereiche. Kein Kind „muss das durchziehen“. Dies gerade auch dann nicht, wenn die Gefühle der anderen Trauernden vielleicht zu belastend für das Kind sind. Dennoch ist es gut, sich wirklich zu verabschieden.

Die Trauer der Eltern

Auch unsere eigenen Gefühle haben einen Platz und sollten ausgesprochen werden. Wenn ein Mensch gestorben ist, ist er nicht gleichzeitig aus unseren Gedanken verloren: Genau so sollten wir es auch handhaben. Wir können weiter über den Menschen sprechen, Erinnerungen wachhalten. Wir können weinen und bei schönen Erinnerungen lachen. Wir sind Vorbild für unser Kind darin, die Gefühle auszudrücken und nicht zu unterdrücken. Ebenso sind wir auch Vorbild im Trost spenden und im Annehmen von Mitleid und Trost.

Gerade wenn Familien einen nahen Verlust erleiden, brauchen sie Unterstützung und Hilfe: bei den vielen Dingen, die nun erledigt werden müssen und auch bei den einfachen Haushaltsdingen. Es tut gut, gerade dann umsorgt zu werden: mit Einkäufen und Nahrung, mit Zuwendung und Anteilnahme und auch mit Unterstützung oder Ablenkung.

Die CosmosDirekt hat zehn Elternblogger*innen dazu befragt, wie sie ganz persönlich mit dem Thema Tod in ihrer Familie umgehen und Petra Brenner, Traumapädagogin und Leiterin des Trauerzentrums „Löwenzahn“ in Hannover hat zusätzliche Informationen beigesteuert. Das Ganze wurde in dem Ebook „Warum wacht Bello nicht mehr auf?“ zusammengefasst.Das kostenfreie Ebook mit vielen Gedanken und persönlichen Erfahrungsberichten gibt es hier. Darin enthalten sind auch Filmtipps für Kinder und Buchempfehlungen.

Und wie sind Eure Erfahrungen mit dem Thema? Welches Kinderbuch könnt Ihr besonders empfehlen?
Eure

 

 

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