Slow pregnancy – Annas Schwangerschaft Woche 30

Anna berichtet in dieser Kolumne Monat für Monat von ihrer dritten Schwangerschaft. „Slow pregnancy“ umschreibt ihren achtsamen, bewussten Umgang mit dieser Zeit und den Gedanken, die sie sich rund um das Schwangersein macht.

Ist es nicht erstaunlich, was ein Baby schon kann, wenn es noch nicht einmal auf der Welt ist? Es kann uns hören, es reagiert auf Licht von außen, manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass es meine Berührungen genießt und sich meinen Händen entgegen streckt.

Babys sind unglaublich kompetente Wesen. Als wir bei unserer dritten Ultraschalluntersuchung waren, hatte sich unser Baby schon mit dem Kopf nach unten gedreht. Babys wissen von ganz allein, was sie tun müssen. Sie sind diejenigen, von denen der Geburtsvorgang ausgelöst wird und sie helfen aktiv mit bei der Geburt. Natürlich nicht bewusst (und Babys, die sich nicht rechtzeitig drehen, sind natürlich auch nicht weniger kompetent), aber dennoch finde ich es faszinierend. Unserer Hausgeburt scheint also soweit nichts im Wege zu stehen.

Wenn Eltern unterschiedliche Bedürfnisse haben

Was ich mir immer wieder ins Gedächtnis rufen muss, ist wie sehr mein Mann eben auch an der Schwangerschaft, Geburt und der Zeit danach beteiligt ist und sein möchte. Ich bekomme dieses Baby nicht allein. Leider konnte er beim zweiten Ultraschall und einigen Hebammenterminen nicht dabei sein, aber beim dritten war er es. Und er wollte wissen, welches Geschlecht unser Baby hat. Ich möchte mich weiterhin überraschen lassen.

Er ist allerdings ein eigenständiger Mensch und ich kann und möchte ihm eine solche Information über unser gemeinsames Baby nicht vorenthalten. Die Gynäkologin sagte also Bescheid, als sie „in der Region“ nachschaute und schrieb meinem Mann das Geschlecht auf einen Zettel. Eltern dürfen unterschiedliche Ideen und Bedürfnisse haben, und so oft kann man einen Weg finden, der für beide passt.

Meine Ernährung ab der 30. Schwangerschaftswoche

Mit der 30. Woche versuche ich auch langsam, mich darauf einzustellen, auf Zucker und Weißmehl zu verzichten. Der Blutzuckerspiegel beeinflusst die Herstellung von Prostaglandin. Das ist ein Botenstoff, den der Körper um den Geburtstermin herum produziert, damit der Gebärmutterhals reift und die Wehen effektiv genug sind. Es gibt Hinweise darauf, dass sich diese Prostaglandine besser bilden können, wenn der Blutzuckerspiegel relativ konstant gehalten wird. Kurzkettige Kohlehydrate, vor allem also Zucker und Weißmehl, bewirken einen sehr schnellen Anstieg und noch schnelleren Abstieg des Blutzuckerspiegels, weswegen es sinnvoll sein kann, in den letzten Wochen vor der Schwangerschaft (die Empfehlungen lauten zwischen 3 und 8 Wochen vor dem Geburtstermin) darauf zu verzichten. Tatsächlich haben Frauen, die dieser „Louwen-Diät“ folgten, seltener übertragen.

Für mich klingt die Louwen-Diät logisch und sinnvoll, daher werde ich mich daran orientieren. Meine Selbstdisziplin ist normalerweise recht hoch, aber so eine Schwangerschaft ist schon ein Ausnahmezustand. Es hilft mir allerdings, zu wissen, dass ich diesen Verzicht für mein Baby, aber vor allem auch für mich selbst mache. Es ist mir sehr wichtig, zu Hause zu gebären (wenn alle Voraussetzungen dafür stimmen). Und einen Teil habe ich eben auch selbst in der Hand. Ich nutze diese Zeit auch, um noch einmal bewusster zu essen. Immerhin ernähre ich zwei Menschen. Mein Baby ist mir eine gesunde Ernährung wert und ich bin es mir auch.

Innere Ruhe vor der Geburt

Innerlich werde ich nun immer ruhiger. Ich habe mir Sorgen gemacht darum, wie meine Töchter das Baby aufnehmen werden, ob ich es schaffe, ein entspanntes (und angemessen langes) Wochenbett zu halten und wie gut mich mein Mann dabei unterstützen kann. Letztendlich haben wir aber genug Vorkehrungen getroffen, sprechen regelmäßig über die Schwangerschaft, die Geburt und die Zeit danach und können nichts weiter tun, als uns gut vorzubereiten. Man kann nie wissen, wie es wirklich wird. Sich Sorgen zu machen belastet nur unnötig. Wir sind nicht naiv und es ist nicht unser erstes Kind. Wir schaffen das gemeinsam. Als Familie. Die sich darauf freut, ihr fünftes Mitglied begrüßen zu dürfen.

Anna ist Mutter von zwei Kindern und schwanger mit dem dritten Kind. Sie hat Neurowissenschaften und kognitive Psychologie studiert. Mehr von ihr könnt Ihr auf Instagram lesen unter @langsam.achtsam.echt – und demnächst wieder hier in ihrem nächsten Bericht. Den Bericht zu Woche 15 findet Ihr hier, den Bericht von Woche 20 hier, den Bericht von Woche 25 hier.

1 Kommentare

  1. Teresa

    Ich mag die Berichte von Anna sehr gerne, v.a. weil ich gerade auch schwanger bin. Ich bin jetzt aktuell in der 34. Woche und freue mich jetzt bei meiner zweiten Schwangerschaft auf die erste Hausgeburt.
    Von meiner Hebamme habe ich auch den Tipp bekommen, auf Zucker und Weißmehl zu verzichten, aber aus einem anderen Grund. Sie meinte, dass ich dadurch nicht so schnell Wasser einlagere. Zusätzlich trinke ich noch zwei Tassen Brennessel-Tee pro Tag und tatsächlich haben sich meine Wassereinlagerungen stark verringert – trotz der einen oder anderen Schummelei. 😉 Den hier beschriebenen Effekt beim Verzicht auf Zucker und Weißmehl nehme ich aber auch gerne zusätzlich noch mit. 🙂

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