Slow pregnancy – Annas Schwangerschaft Woche 20

Anna berichtet in dieser Kolumne Monat für Monat von ihrer dritten Schwangerschaft. „Slow pregnancy“ umschreibt ihren achtsamen, bewussten Umgang mit dieser Zeit und den Gedanken, die sie sich rund um das Schwangersein macht.

Schon die Hälfte der Schwangerschaft liegt hinter mir! Ich kann es kaum fassen, wie schnell alles vergeht und wie lange es gleichzeitig dauert, bis so ein kleines Menschlein herangewachsen und bereit für die Welt ist.

Nestbautrieb: Aufräumen und Minimalismus

Die letzten Wochen waren geprägt von einer Art Nest-Abbautrieb. Ich möchte alles vorbereiten für das Baby – aber ich brauche kaum noch etwas. Dass wir kein Babybettchen brauchen, hat uns die Erstgeborene eindrucksvoll gezeigt, selbiges mit dem Kinderwagen. Falls wir diese Dinge doch irgendwann für sinnvoll erachten, kann man sie schließlich immer noch besorgen. Ich habe eher das Gefühl, immer noch viel zu viele Dinge zu besitzen, auch wenn ich seit Jahren regelmäßig phasenweise ausmiste.

Nun kam noch einmal ein richtiger Energieschub, ich habe vollgestellten Balkon entrümpelt, tatsächlich sogar Bücher aussortiert, von denen ich mich früher nie hätte trennen können und gemeinsam mit den Kindern ungeliebtes und nicht mehr altersgemäßes Spielzeug in den Keller geräumt. Die Wohnung leert sich, und das fühlt sich unglaublich richtig an. Denn je weniger wir haben, desto weniger muss instand gehalten werden und desto weniger kann herumfliegen und visuellen Stress bereiten.

Vorbereitungen auf das Wochenbett

Die mittleren Schwangerschaftsmonate sind perfekt für solche größeren Aktionen. Mein Körper ist energiegeladen, die Hormone tun ihr Übriges. Ich denke jetzt schon darüber nach, wie wir das Wochenbett gestalten wollen. Mein Mann wird einige Zeit lang zu Hause bleiben, aber ich möchte, dass er sich auf die großen Kinder und seine neue Rolle als Dreifachpapa konzentrieren kann und werde versuchen, uns für die ersten Tage eine Mütterpflegerin zu organisieren. Unter bestimmten Umständen kann das die Krankenkasse übernehmen, worauf ich natürlich hoffe. Aber selbst wenn nicht, halte ich dies für eine sehr sinnvolle Investition.

Überhaupt haben wir im Rückblick beim ersten Kind zu sehr in Dinge und zu wenig in Dienstleistungen investiert.

Wenn ich mir (als ausgebildete ehemalige Trageberaterin) unsere ersten Bilder mit Baby im Tuch anschaue, muss ich schon etwas schmunzeln. Nicht, dass man nicht auch ohne Trageberaterin ordentlich tragen kann – aber wir hätten damals doch sehr von einer profitiert.

Eine weitere Vorbereitung für mein Wochenbett ist das Sammeln von Rezepten zum Einkochen und Einfrieren. Ich möchte für die ersten 14 Tage Mahlzeiten im Kühl- und Eisschrank vorrätig haben, dazu Stillkugeln (z.B. nach diesem Rezept) und die kleingeschnittenen und portionierten Zutaten für grüne Smoothies.

Vorbereitung der Geschwisterkinder

Die zukünftigen großen Schwestern bedrängen mich immer noch mit Fragen. Ich ergreife jede Gelegenheit, um sie auf die Geburt und die erste Zeit mit Baby vorzubereiten. Wenn ich mir über ein Thema Gedanken mache, teile ich sie nach einiger Überlegung mit den Kindern, denn häufig finden sie schon selbst Lösungen. (Für die Frage, wie ich eigentlich mitten in der Nacht drei Kinder bekuscheln soll, von denen mindestens zwei zur Zeit darauf bestehen, unbedingt in meinen Armen zu liegen und eines gestillt werden soll, haben wir allerdings noch keine gute Lösung gefunden. Aber vielleicht klärt sich das dann auch tatsächlich von ganz allein.)

Unsere Vorbereitungsbücher sind leider nicht mehr ganz altersangemessen, und so sehe ich mich gerade auf Blogs und in der Bibliothek nach Empfehlungen um. Die Kinder schauen derzeit mit in meine App und meine leider nur spärlich bebilderten Bücher.

Körperliches Empfinden: erstaunlich gut

Körperlich geht es mir so gut, dass ich manchmal selbst staune. Besonders in der zweiten Schwangerschaft habe ich mich sehr lange müde und angeschlagen gefühlt. Mein Schlaf könnte durchaus auch besser sein, aber ich kann immerhin regelmäßig 8 Stunden im Bett verbringen, wenn auch das Durchschlafen mit dem weiteren Kind wieder in sehr, sehr weite Ferne rückt. Ab und zu habe ich leichte Nierenschmerzen und die ein oder andere Übungswehe war auch schon da, aber davon lasse ich mich nicht stören (und laut Frauenärztin und Hebamme ist auch alles in Ordnung).

Manchmal frage ich mich, ob ich diese Schwangerschaft auch so gut genießen könnte, wenn ich nicht (theoretisch) so viel Zeit für mich hätte und es mir körperlich schlechter ginge. Sicherlich ist mein Wohlbefinden der ganzen „Slow Pregnancy“-Sache sehr zuträglich. Auch wenn ich es nicht regelmäßig schaffe, versuche ich mich doch regelmäßig an das zu erinnern, wofür ich dankbar sein kann. Und dafür, dass diese Schwangerschaft so bilderbuchmäßig verläuft, dafür bin ich sehr dankbar. Das zu genießen, was ich habe – und das ist sehr viel, wenn ich mal darüber nachdenke – ist etwas, worauf ich besonders in dieser Schwangerschaft einen großen Fokus lege.

Ich hoffe sehr, diese Einstellung auch in die Zeit mit drei Kindern übernehmen zu können. Denn Wertschätzung für das eigene Leben ist eins der größten Geschenke, die man sich selbst machen kann.

Anna ist Mutter von zwei Kindern und schwanger mit dem dritten Kind. Sie hat Neurowissenschaften und kognitive Psychologie studiert. Mehr von ihr könnt Ihr auf Instagram lesen unter @langsam.achtsam.echt . Den Bericht von Woche 15 hier, den Bericht von Woche 25 hier, den Bericht von Woche 30 hier und den Bericht von Woche 34 hier und von Woche 40 hier 

3 Kommentare

  1. „Wir haben zu sehr in Dinge und zu wenig in Dienstleistungen investiert“ – was für ein wichtiger Satz. Ich selbst hatte zwar sehr beim ersten Kind wenige Dinge besorgt (und nichts vermisst), doch beim zweiten war ich nach zehn Tagen nach einem Kaiserschnitt mit dem Neugeborenen und dem anderthalbjährigen Geschwisterkind alleine – mein Mann arbeiten, Grosseltern nicht verfügbar. Es war schrecklich. Was hätte ich an dienstleistender Hilfe gebraucht. Vorab dafür sensibilisiert war ich trotz jahrelanger Arbeit in der Familienbegleitung nicht. Und jetzt, wo ich offen und oft anspreche, wie hart diese Zeit war, melden mir so viele, dass sie sich nicht getraut hätten, das so zu verbalisieren.

    Für viele, zumindest in der deutschen Schweiz, scheint es ein Tabu zu sein zu sagen, dass eine Frau nach der Geburt Unterstützung zwingend haben sollte. Hier scheint einiges an Aufklärung nötig – danke deshalb für diesen Beitrag. Ich werde ihn weiterempfehlen.

  2. Stacia Stachelbeere

    Was für ein schöner Artikel! Ich denke auch, dass solche Gutscheine viel bessere Geschenke sind, als der 15. Body….
    Gibts diese tollen Gutscheine irgendwo als Vorlage?
    Danke und liebe Grüße!
    Stacia

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