Slow pregnancy – Annas Schwangerschaft Woche 15

Anna berichtet in dieser Kolumne Monat für Monat von ihrer dritten Schwangerschaft. „Slow pregnancy“ umschreibt ihren achtsamen, bewussten Umgang mit dieser Zeit und den Gedanken, die sie sich rund um das Schwangersein macht.

Ich bin in der Schwangerschaftswoche, in der das Baby so groß ist wie eine Zitrone. Das weiß ich, weil meine App es mir sagt. Es ist mir nicht wichtig. Zum ersten Mal nehme ich eine Schwangerschaft wirklich in Ruhe wahr. In meinem Bauch wächst unser drittes Kind heran. Es gibt mir ein letztes Mal die Gelegenheit, um mich ganz einzulassen auf das Wunder, das ein neues Leben bedeutet.

Die erste Schwangerschaft: nicht viel Zeit

Als ich das erste Mal schwanger war, steckte ich mitten im Studium. Dass meine Periode nicht kam, schob ich eigentlich nur auf den Prüfungsstress, die Übelkeit am Morgen auf eine sich entwickelnde Laktoseintoleranz. Die Ärztin drückte mir nach dem Test gleich die Flyer für die Abtreibungsklinik in die Hand und ließ sich erst nach energischem Protest dazu hinreißen, mir Proben eines Vitaminpräparats mitzugeben. Dass wir das Baby behalten wollen, war für uns beide von Anfang an klar. Ich wollte immer früh Mutter werden – und wo, wenn nicht auf einem Campus voller Babysitter? Und meinem Mann, der immer dachte, nie Kinder haben zu werden, standen die Freudentränen in den Augen.

Bis kurz nach Beginn des Mutterschutzes saß ich auf unbequemen Holzbänken und überlegte, ob ich den Laptop auf dem Klapptischchen oder gleich auf meinen Bauch abstellen sollte.

Gleichzeitig kümmerten wir uns um die – meiner damaligen Meinung nach – nötigsten Dinge fürs Baby (was haben wir noch verzweifelt kurz vor der Geburt auf Ebay nach dem Babybay gesucht, in dem unser Baby dann tatsächlich ungefähr drei Mal lag…). Ich las über Kinderentwicklung und schaute ab und zu in das große Buch zur Schwangerschaft. Aber viel Zeit, um mich in Ruhe auf die Schwangerschaft zu konzentrieren, blieb nicht.

Schwangerschaft zwei: Studienabschluss und Kleinkind

Bei der zweiten Schwangerschaft musste ich zwar nicht mehr viel vorbereiten, aber dafür hielt mich eine sehr aktive und temperamentvolle Anderthalbjährige auf Trab. Das Studium schloss ich drei Monate vor der Geburt erfolgreich ab. Danach wäre eigentlich Zeit gewesen, um es langsamer anzugehen, aber ich war mehr damit beschäftigt, die kleine Große davon abzuhalten, auf meinem Bauch zu hüpfen, als in diesen hinein zu horchen.

Beide Male war ich nicht besonders gern schwanger, obwohl ich kaum Beschwerden hatte. Wenn ich darüber nachdenke, verstehe ich auch, warum. Wie kann man etwas genießen, wenn man sich keine Zeit dafür nimmt? Zeit ist eine Ressource, von der wir alle gleich viel haben. Mittlerweile habe ich das verstanden und plane meine Tage so, dass ich mir Zeit nehme für die mir wichtigen Dinge. Das macht mich ausgeglichener und ist wahrscheinlich die beste Vorbereitung auf ein Leben mit drei Kindern.

Schwangerschaft drei: langsam und achtsam

Diese Schwangerschaft soll anders werden. Langsamer, achtsamer. In den ersten drei Monaten war ich unglaublich müde. Ich ging mit den Kindern ins Bett und blieb dort morgens so lange, wie sie mich ließen. Ich erledigte das Nötigste, und wenn mein Atem schwer wurde, setzte ich mich aufs Sofa und ließ den Haushalt liegen. Ich las mehr vor und tobte weniger mit den Kindern. Die ersten drei Monate sind dafür da, sich auf die Schwangerschaft einzustellen, da muss man noch nichts erledigen. Abgesehen von einer Sache – eine Hebamme für meine Hausgeburt organisierte ich kurz nach dem positiven Schwangerschaftstest.

Nun sind die mittleren drei Monate angebrochen. Mir geht es körperlich gut, ich habe wieder Energie. Der Bauch zeigt sich langsam. Es ist die Zeit, um mich auf Routinen zu konzentrieren, die mir gut tun und uns den Alltag erleichtern. Ich habe endlich einen zeitoptimierten Haushaltsplan geschrieben. Kurz vor und nach der Geburt wird alles von meinem Mann und/oder hilfreichen Freunden übernommen und jeder weiß, was zu tun ist (mein feministisches Herz rebelliert bei diesem Satz, weil ich finde, dass Männer immer wissen sollten, was wann erledigt werden muss, aber die Realität bei uns ist eben zur Zeit, dass der Liebste unter der Woche unterwegs ist und ich allein für den Haushalt zuständig bin).

Ich habe endlich wieder mit Yoga angefangen, auch wenn ich es leider derzeit nicht zu Yogastunden schaffe. Ich meditiere täglich 10 Minuten und horche dabei in mich hinein. Dadurch habe ich sehr früh die ersten zarten Kindsbewegungen wahrnehmen und die Magie dieser Augenblicke genießen können. Regelmäßig taste ich nach der Höhe der Gebärmutter, streichle meinen Bauch und öle ihn ein. Ich stelle mir vor, wie groß unser Baby nun ist und wie es wohl aussehen mag. Dieses Mal habe ich die innere Ruhe, um nicht unbedingt wissen zu müssen, welches Geschlecht das Baby hat. Jemand fehlt noch in unserer Familie. Eine kleine Person, die uns vollständig macht. Ich wäre mit drei Mädchen überglücklich, und ich würde mich unheimlich über ein kleines Brüderchen für meine Großen freuen. Es macht keinen Unterschied.

Ein bisschen bin ich traurig, weil ich diese Gelassenheit noch nicht in den ersten beiden Schwangerschaften hatte. Ich vertraue meinem Körper viel mehr, weiß ich doch, dass er schon zwei Kinder sicher 9 Monate lang getragen und schließlich auf die Welt gebracht hat. Ich weiß, dass es nicht immer einfach sein wird, dass das dritte Kind nicht “einfach so mitlaufen” wird. Aber diese Schwangerschaft fühlt sich unglaublich richtig an. Unsere Familie wird vollständig. Und darauf freue ich mich.

Wollt ihr mich dabei begleiten?

Anna ist Mutter von zwei Kindern und schwanger mit dem dritten Kind. Sie hat Neurowissenschaften und kognitive Psychologie studiert. Mehr von ihr könnt Ihr auf Instagram lesen unter @langsam.achtsam.echt – und demnächst wieder hier in ihrem nächsten Bericht

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